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Bewährtes bewahren und Neues wagen

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BRÜHL. „Ich habe keine Angst vor Veränderungen. Sie gehören zum Leben dazu, geben die nötige Würze und Frische“, sagte Pfarrer Jochen Thull. In der Pfarrkirche St. Margareta drängten sich die Gläubigen bei der Amtseinführung des neuen leitenden Seelsorgers. Für einige, die keinen Platz mehr in der Innenstadtkirche gefunden hatten, wurde der erste Gottesdienst des neuen Pfarrers in Brühl auf den Heinrich-Fetten-Platz übertragen.

Kreisdechant Achim Brennecke, ein Duzfreund des 45-jährigen Thull, begrüßte mit dem neuen Pfarrer auch Kaplan Jörg Stockem, Pastoralreferent Markus Dörstel sowie Susanne Schneider, die ihr Anerkennungsjahr als Gemeindeassistentin antritt. Dann bat der Kreisdechant den neuen geistlichen Leiter der sieben katholischen Pfarrgemeinden in der Schlossstadt an den Altar. Für seine Predigt hatte Thull eine Bibelstelle aus dem Buch Jesaja gewählt. Thema ist das Gottvertrauen, das den Pfarrer mehrmals an Wendepunkten in seinem Leben beschäftigt hatte. So führten die Wege des gebürtigen Kölners während seines Theologiestudiums in Bonn unverhofft nach Rom. Die ewige Stadt sollte noch mehrmals in seiner Laufbahn sein Reiseziel werden. Der Weg führte aber auch zurück nach Porz, wo Thull aufwuchs. In der Gemeinde St.-Maximilian-Kolbe wirkte er von 1997 bis zum Wechsel nach Brühl als Pfarrer und war von 2002 an Dechant für das Dekanat Porz. Als im Januar an ihn die Anfrage herangetragen wurde, ob er nach dem Weggang von Thomas Iking leitender Pfarrer in Brühl werden wolle, da habe ihn das „wie aus heiterem Himmel getroffen“, sagte Thull beim Einführungsgottesdienst. Seine Entscheidung sei schnell gefallen. Er habe den Ruf gespürt: „Zieh fort, denn es ist Zeit, Neuem entgegen zu gehen.“ Erleichtert sei er dann gewesen, am Weißen Sonntag, dem Sonntag nach Ostern, erstmals öffentlich über seinen Wechsel sprechen zu können. „Ich will im Moment gar nicht woanders sein“, fügte Thull zur Erheiterung der Gottesdienstbesucher hinzu.

„Wir sind an der

Gestaltung beteiligt“

Zur Gemeinde sprach der Neue auch von den bevorstehenden Veränderungen, über die Pfarrvikar Günther Liewerscheidt in einem Pfarrbrief informiert hatte. Denn Thull ist gekommen, um die katholische Kirche in Brühl zu einer Gemeinde zusammenzuführen. Dabei steht ihm ein professionelles Seelsorgerteam aus Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten zur Seite. Von dem Vorhaben des Erzbistums unter der Überschrift „Wandel gestalten - Glauben entfalten“ sind in Brühl rund 23 000 Katholiken betroffen. Weil Veränderungen vielfach Unsicherheiten auslösen, versicherte der Pfarrer in seiner Ansprache: „Wir sind an der Gestaltung beteiligt.“ Bewährtes zu bewahren und Neues zu wagen, sei die Maßgabe. Denn das Wort Pfarrei, erklärte Thull, bezeichne in seiner griechischen Ursprungsbedeutung „ein Übergangshaus für Menschen, die nach dem Glauben suchen und ihn an andere weitergeben“.

Es gelte also, über die Grenzen der bisherigen Pfarreien hinauszutreten. Angesichts der bevorstehenden Aufgaben sprach Pfarrer Thull schließlich sich selbst und den Gemeindemitgliedern Mut zu: „Die Freude am Glauben hilft.“