LINZ. Die kleine Privat-Brauerei Steffens steht vor der größten Zäsur in ihrer 140-jährigen Geschichte: Ab 1. Juli werden sämtliche Biersorten nicht mehr im Kasbachtal bei Linz hergestellt, sondern im so genannten Lohnbrauverfahren in der Herborner Bärenbräu GmbH und der Brauerei Alsfeld AG. Sieben der derzeit 19 Beschäftigen haben zum 30. Juni ihre Kündigung erhalten.
Der Schritt fällt mir nicht leicht, sagt Christian Runkel, alleiniger Gesellschafter. Der Leubsdorfer Gastronom war im Juli 2001 angetreten, das Traditionsunternehmen zu retten. Damals kaufte er zusammen mit Bernd König (dieser stieg später als Gesellschafter aus) die Kommanditgesellschaft von der Familie Steffens-Weinstock. Wenige Monate später musste Insolvenz angemeldet werden. Anfang 2002 war der drohende Konkurs abgewendet, 15 Mitarbeiter entlassen. Seither firmiert das Unternehmen unter Privat-Brauerei Steffens Vertriebsgesellschaft mbH.
Den Grund für den Einschnitt nun zum 1. Juli führt Runkel unter anderem auf den ungebremsten Anstieg der Energiekosten in den vergangenen Monaten zurück. Es sei in der Brauerei-Branche gar nicht so unüblich, sein Bier nach den traditionellen Rezepten in einer Lohnbrauerei zu produzieren, sagt Runkel. Auch die Steffens-Brauerei habe zuletzt einen Teil ihrer Betriebskosten durch das Brauen von Fremdbieren gedeckt.
Dadurch konnten aber nicht die beim Insolvenzverfahren 2001 entstandenen Lücken in den Bestellbüchern geschlossen werden. Der Ausstoß der Steffens-Brauerei sank von 135 000 Hektolitern im Jahr 1991 auf gerade mal 25 000 Hektoliter im vergangenen Jahr. Regionalität zählt auf dem Biermarkt längst nicht mehr so viel, muss Runkel auch angesichts ausgebliebener Karnevals-Großaufträge einräumen.
So werden nun die Biere Steffens Pilsener, Steffi, Steffens Alt, Casbacher Braunbier, Kräusen, Steffens Radler und Steffens Malz in den Brauereien der von Egon Schindel geführten Rhöndelsprudelgruppe hergestellt. Damit haben wir die Steffens-Marken gerettet, sagt Runkel. Man habe lange nach einer Braustätte mit gleicher Wasserqualität gesucht. Auf die Frage, warum er sich denn nicht eine Groß-Brauerei als Mitgesellschafter ins Boot hole (Krombacher hat er 2005 als Vertriebspartner gewonnen), antwortete Runkel: Heute beteiligen sich große Brauereien nicht mehr an kleinen Gesellschaften. Ihre Kapazitäten sind groß genug. Zudem würde dann die Marke Steffens verschwinden.
Runkel sieht Steffens für die Zukunft gut aufgestellt. Der Vertrieb und der kaufmännische Bereich bleiben im Kasbachtal, Steffens ist dann ein Getränkefachgroßhandel mit eigener Marke (Runkel). Die Brauereischänke soll ausgebaut werden. Und es ist daran gedacht, ein Brauereimuseum oder ein Biermuseum zu verwirklichen.