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Biologie„Zugvögeln ist es hier zu kalt“

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Einige Zugvögel fliegen bis zu 500 000 Kilometer nonstop. (Bild: dpa)

Der Herbst ist da, und schon macht sich das Federvieh auf den Weg in den Süden, denn der Winterschlaf ist in der Vogelwelt ja vollkommen unbekannt. Ach ja, wirklich? Hier einige verbreitete Irrtümer, denen manchmal sogar ausgewiesene Experten, wie der schwedische Naturforscher Carl von Linée, aufgesessen sind.

„Der stärkste Vogel fliegt in der V-Formation ganz vorne.“ Viele Zugvögel reisen ganz klassisch in der typischen V-Formation. Es ist allerdings keineswegs der stärkste Vogel, der vorneweg fliegt, vielmehr muss jeder mal vorne fliegen. Die V-Formation dient dazu, Kräfte zu sparen, da sie energetisch günstig ist. An den Flügelenden der Vögel verwirbelt die Luft. Ganz wie bei einem Flugzeug entsteht eine so genannte Wirbelschleppe, also zwei gegenläufig einwärts rollende Wirbel. So ergibt sich jeweils an der Außenseite dieser Wirbel ein leichter Auftrieb, den die nachfolgenden Tiere nutzen können, um Energie zu sparen. Nur der Vogel an der Spitze bekommt quasi den gesamten Gegenwind ab und muss sich so mehr anstrengen. Aus diesem Grund wird die erste Position im V regelmäßig durchgetauscht.

„Die Vögel fliegen in den Süden, weil es ihnen hier zu kalt ist.“ Falsch. Die Federn isolieren sehr gut, spätestens dann, wenn sich die Tiere „aufplustern“, also reichlich Luft in den Federzwischenräumen einschließen. Viele Paläontologen sind der Meinung, dass sich die Federn evolutionär vorrangig zum Zwecke der Isolierung herausgebildet haben, die Eignung zum Fliegen war demnach nur so eine Art Nebenprodukt. Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass auch einige Dinosaurier mehr oder weniger gefiedert waren. Schon der Urvogel Archaeopteryx wärmte sich mit Flugfedern. Von Pinguinen weiß man, dass sie Temperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius unbeschadet überstehen können. Die Zugvögel fliegen also nicht vorrangig in den Süden, um der Kälte zu entgehen, sondern um geeignetes Futter zu finden. Vor allem Insektenfresser kommen in der kalten Jahreszeit sonst zu kurz.

Ein ganzes Leben

im Flug

„Vögel können unmöglich während des Fliegens schlafen.“ In der Tat ist es verblüffend: Beim Mauersegler geht die Ornithologie heute davon aus, dass das Tier sogar während des Fliegens schlafen kann. Mauersegler verbringen den Großteil ihres Lebens im Flug, sie fressen, trinken und paaren sich in der Luft, nur zum Brüten müssen auch sie noch landen. Dieser Schlaf ist natürlich nicht mit der menschlichen Tiefschlafphase zu vergleichen. Einen derartigen leichteren Schlaf gibt es im Tierreich allerdings häufiger, beispielsweise bei den Walen, die als Lungenatmer auch im Schlaf regelmäßig zum Luftholen an die Wasseroberfläche kommen müssen.

„Einige Vögel verschlafen die kalte Jahreszeit im Schlamm der Gewässer.“ Heutzutage ist dieser Irrtum etwas aus der Mode gekommen, nichtsdestotrotz erfreute sich diese alte Theorie der „Schlammschläfer“ selbst bei dem berühmten Naturforscher Carl von Linée großer Beliebtheit. Wahrscheinlich leitet sie sich von der Tatsache ab, dass viele Zugvögel vor und während ihrer Reise in den Süden oftmals an Gewässern Rast machen. Heute mag man darüber schmunzeln, dass Vögel im Schlamm der Seen und Teiche schlafend überwintern sollten. Aber mal ganz ehrlich, wie überzeugend ist denn der Stand der heutigen Wissenschaft? Beispielsweise, dass der Mauersegler 500 000 Kilometer im Flug nonstop zurücklegen kann?

„Der Zug in wärmere Gefilde ist zwar anstrengend, aber ansonsten ziemlich gefahrlos.“ Die Tiere sind auf ihrer Reise zahllosen Gefahren ausgesetzt. So haben es nicht nur Raubvögel und menschliche Jäger vielfach auf sie abgesehen, auch andere Widrigkeiten setzen ihnen zu. Die Luft ist in Höhen von mehreren Kilometern sehr dünn und lässt sich schwer atmen. Dennoch fliegen viele Tiere so hoch, wie der Sperbergeier beweist, der am 29. November 1973 mit einem Verkehrsflugzeug kollidiert ist - in einer Höhe von 11 277 Metern. Auch das Wetter kann den Vögeln den Flug unmöglich machen. So wurde schon beobachtet, dass Zugvögel notlanden mussten, weil sie komplett mit Eis überzogen waren, von den üblichen Gewittern und Stürmen ganz zu schweigen. Auch unter Krankheiten wie der Vogelgrippe leiden die Tiere.

„Vögel halten keinen Winterschlaf.“ In der Regel mag das stimmen, die amerikanische Winternachtschwalbe ist eine Ausnahme. Die Tiere suchen sich eine Felsspalte oder einen schönen Wüstenstrauch, um in eine Kältestarre zu verfallen. Ihre Körpertemperatur senkt sich dabei von über 40 Grad Celsius auf bis zu sechs Grad Celsius ab, Atmung und Herztätigkeit werden ebenfalls extrem herunter gefahren.