Bei Rosen wird sie dich liebkosen. Auch bei Narzissen, Tulpen oder Orchideen werden kölsche Mädcherherzen schwach. Keine Frage, dass es für die staatse Käls im Rosenmontagszug nichts Schöneres gibt, als jede Menge Strüßjer zu verbützen. Einer, der dafür Sorge trägt, dass die bunte Pracht rechtzeitig bei den Jecken im Zoch ankommt, heißt Günter Ebert. Der Blumengroßhändler in Riehl ist der „Herr der Strüßjer“. Der 40-Jährige handelt mit Produzenten aus aller Welt, importiert allein für den Rosenmontagszug mehrere hunderttausend Blumen pro Jahr und schwitzt schon mal Blut und Wasser, wenn ein Flieger irgendwo in Südamerika ausfällt, während in Kölle schon et Trömmelche jeiht.
„Einmal“, beginnt Ebert, „da musste ein Flieger aus Kolumbien mit 100 000 Blumen an Bord in Venezuela wegen eines Triebwerkschadens runter. Per Zufall stand aber in Caracas noch eine andere Maschine, die dann mit der Ladung weiter nach Frankfurt geflogen ist. In der Nacht auf Rosenmontag waren die Strüßjer endlich in Köln.“ Mit Karneval feiern sei da nichts mehr. Zudem müssen alle Strüßjer, bevor sie in den Rosenmontagszug kommen, noch gebunden werden. Ebert hat dafür 50 Saisonkräfte in drei Werkstätten beschäftigt.
25 Cent bis 2 Euro kostet ein Strüßje für die Karnevalisten. Die Roten Funken, bei denen Ebert im Vorstand für das gesamte Wurfmaterial verantwortlich ist, werden in diesem Jahr wie die Prinzen-Garde ecuadorianische Rosen unters Volk bringen. Ein „High-Premium Produkt“, das fair gehandelt wird.
„Die meisten Farmen, die im weltweiten Handel tätig sind, bieten fair gehandelte Blumen an“, sagt Ebert. Während solche in den vergangenen Jahren in großen Stückzahlen aus Kolumbien importiert wurden, werden es diesmal viel weniger sein. Grund sind die hohen Kerosin-Preise. Durch den „schwachen Dollar“ fielen die gestiegenen Transportkosten beim Zoch 2008 noch nicht so ins Gewicht, blickt Ebert zurück. In diesem Jahr wird alles anders sein: „Tulpen aus deutschen Landen“, heißt die Devise. Auch aus den Niederlanden werden große Stückzahlen angeliefert. Nelken bezieht der Händler aus Spanien, Sizilien und der Türkei.
Als Trend-Strüßjer gelten Mimosen, die jedoch ein „Zeitproblem“ haben: „Die blühen schon seit einiger Zeit in Italien - dagegen war der Rosenmontagszug im vergangenen Jahr zu früh für Mimosen.“
Als Strüßjer mit den besten Flugeigenschaften werden Orchideen aus Thailand angesehen. „Die sind durch das kleine Wasserreservoir am Stielende schwerer als andere“, weiß Ebert. „Damit kannst du eine Punktlandung machen!“ Doch die „pinken Asiaten“ passen rein optisch nicht zu traditionellen Funken, sagt Ebert, „egal ob rote oder blaue“. Es sei denn, die Rosa Funken liefen im Zoch mit. . .
In einem großen Dorf nördlich von Köln dagegen - Günter Ebert meint, „das muss man sich mal vorstellen“ - werden keine Strüßjer verbützt. „Nicht nur in Düsseldorf, schon bei Dormagen ist die Grenze. Ab da werden keine Blumen mehr geworfen.“ Warum das so ist? Ebert zuckt mit den Achseln. Fakt ist nur, dass den Jecken in der Landeshauptstadt einiges entgeht. So ein Strüßje ist schließlich eine Herzensangelegenheit. Und so bewahrheitet sich im Kölner Karneval mal wieder der alte Spruch: „Sag es mit Blumen!“