Jetzt wird wieder gebuddelt. Wer sich im kommenden Frühjahr nämlich wieder mit blühenden Tulpen, Narzissen oder Hyazinthen oder gar schon zum Winterausgang mit gelb-blühenden Winterlingen die ersten Farbtupfer in den Garten holen will, der muss in den nächsten Wochen die Ärmel hochkrempeln und die Blumenzwiebeln in den Boden bringen.
Die „Drecksarbeit“ allerdings lohnt: Nichts wächst pflegeleichter heran als Blumenzwiebeln und belohnt selbst unerfahrene Hobbygärtner mit einer Blütenpracht in vielfältigsten Farben, Formen und Größen - und das oft über mehrere Jahre immer wieder neu. Denn die Zwiebeln der Frühjahrsblüher können - anders als die Sommerblüher - in der Erde bleiben und kommen Jahr für Jahr wieder. Einzige Regel, an die es sich zu halten gilt: Die Zwiebeln müssen vor dem ersten Frost im Boden liegen. Denn die Frühjahrsblüher brauchen eine anhaltende kontinuierliche Kälteperiode für die Wurzelentwicklung.
Deshalb ist von September bis November die beste Pflanzzeit. „So haben die Blumenzwiebeln noch genügend Zeit, schön Wurzeln zu ziehen“, erläutert Gärtnerin Katrein Schulze Wischeler. Die Fachfrau für Blumenzwiebelpflanzenschutz in Dingers' Gartencenter in Köln rät allerdings, nicht bis auf den letzten Drücker zu warten. „Im November ist der Boden oft extrem nass und matschig“, sagt sie. Und zu viel Nässe bekomme den Zwiebeln gar nicht gut. Sie könnten dann schnell verfaulen. Auf keinen Fall sollten deshalb auch die Zwiebeln in abgeschlossenen Plastikbeuteln aufbewahrt werden, in denen sich die Feuchtigkeit staut. „Wer die Zwiebeln nicht gleich einpflanzt, sollte sie kühl und trocken lagern, am besten in einer Holzkiste oder einem Karton“, sagt Schulze Wischeler.
Die Expertin empfiehlt generell, vor dem Pflanzen einen „Spatentest“ zu machen. Bleibt die Erde schwer am Spaten kleben, sollte man auf jeden Fall eine Drainage aus Sand oder Kies einarbeiten, bevor man die Blumenzwiebeln in die Erde setzt - als Faustregel übrigens immer doppelt so tief wie die Zwiebel groß ist. Die Blumenzwiebeln sollten ohne Druck mit der Spitze nach oben in den Boden gesetzt, dann wieder mit Erde bedeckt und gegebenenfalls, wenn die Erde nicht eh schon feucht ist, gut angegossen werden. Eine Schicht aus Rindenmulch schützt nicht nur vor Frost, sondern auch vor dem Austrocknen der Erde. Fertig! Wer sich übrigens nicht sicher ist, welches Ende der Zwiebel nach oben weist, braucht sich keine große Sorgen machen. Keimende Triebe wachsen nämlich so oder so dem Licht entgegen, heißt es beim Informationsbüro für Zwiebelblumen (IZB) in Düsseldorf.
50 bis 60 Zwiebeln pro Quadratmeter
Während früher gerne ganze Tuffs von fünf bis zehn Zwiebeln einer Sorte zusammen gesetzt wurden, pflanzen heute viele Hobbygärtner die Zwiebeln einzeln - viele verschiedene Sorten gemischt, dafür aber in üppiger Stückzahl. „Auf einen Quadratmeter Boden können bis zu 50 bis 60 Zwiebeln gepflanzt werden“, erklärt Schulze Wischeler. Eine natürliche Optik erhält man dabei, wenn man eine Hand voll Zwiebeln nimmt und mit der anderen Hand leicht darunter schlägt. So wie die Zwiebeln auf den Boden fallen, werden sie eingepflanzt.
Auch wenn nach wie vor Tulpen, Narzissen und Hyazinthen ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen - vor allem jüngere Hobbygärtner sind durchaus experimentierfreudig und greifen zu Blumen mit ungewöhnlichen Farben und Formen. Absoluter Renner der vergangenen Jahre war der Zierlauch (Allium) mit seinen großen Blütenkugeln, weiß Oliver Fink, Inhaber der Gartenbaumschule Becker in Refrath. Eine Renaissance hat er auch bei den Kaiserkronen festgestellt. Vor allem ungewöhnliche Sorten wie die edel daher kommende und ganz dunkel lila blühende „Fritillaria persica“ seien gefragt.
Form einer Eiscremetüte
Ungewöhnliche Formen und Farben erweitern auch die Palette der Tulpensorten. Schrill mit pink-weißen Blütenblättern etwa kommt die neue Sorte „Ice Cream“ daher, deren Form tatsächlich einer Eiscremetüte gleicht. Ganz anders, aber auch ein Hingucker ist die dunkel lila blühende „Purple Flag“ mit ihrer dreifachen Blüte. In ihrer edlen Erscheinung fast eine Rosenkonkurrenz ist die beinahe schwarz blühende „Queen of Night“. Weiße, mit feinen grünen Streifen durchzogene Blüten kennzeichnen die Sorte „Double exotic emperor“, die weniger durch ihren Namen denn durch ihre Optik Leichtigkeit vermittelt.
Neben ungewöhnlichen Blütenformen sind vor allem Verwilderungszwiebeln seit einigen Jahren besonders gefragt. Kein Wunder, denn ihr Vorteil für die Hobbygärtner liegt auf der Hand: die meist niedrig wachsenden Blumen wie Märzenbecher, Hasenglöckchen oder Traubenhyazinthen kommen nicht nur Jahr für Jahr wieder, sie vermehren sich auch von selbst.
Weiterer Vorteil. Die Verwilderungssorten sind nicht nur selbständig, wie etwa die „Klassiker“, Krokus und Schneeglöckchen, die im Rasen oder Grünstreifen das Frühjahr einläuten. Viele Sorten können auch Teil einer Bepflanzung sein, etwa in Beeten mit Bodendeckern oder unter Bäumen. Und manche, wie die Dichternarzisse, verströmen zudem einen herrlichen Duft. Die kleine weiße Narzissenform mit dem orangen Farbklecks in der Blütenmitte sei „eine absolute Besonderheit“, schwärmt Schulze Wischeler.
