Indische Filme sind indische Filme. Vergleiche taugen da gar nichts. Es ist der Schmachtfaktor, der zählt. Nur was schmachtend macht, ist gut. Wenn das Gute im scheinbar aussichtslosen Kampf mit dem Bösen liegt, wenn Schauspieler wie perfektionierte Abziehbildchen aussehen, sitzen täglich Millionen Inder in den Kinopalästen. Palästen, die so weit weg von den hiesigen Schuhkarton-Kinos der 70er Jahre entfernt sind wie indische Züge von der Pünktlichkeit. Jetzt kommt die Bollywood-Welle auch nach Deutschland.
Waren Filme wie „Monsoon Wedding“ und „Kick it like Beckham“ noch auf den europäischen Markt zugeschnitten, kam mit „Sometimes Happy, Sometimes Sad“ ein Novum in die Kinos: Der in Indien äußerst erfolgreiche Film war für den einheimischen Markt produziert und lief als erster deutsch-untertitelter indischer Film in deutschen Kinos. Statt den europäisch gewohnten maximalen zwei Stunden wird 210 Minuten lang geliebt, gelitten, gestritten und natürlich nicht zuletzt gesungen, was das Zeug hält. Es geht um Familienstreitigkeiten, Liebe, die nicht sein darf, und den Konflikt der Generationen. Wobei man fast schon mitten in der deutschen Politikdiskussion angekommen wäre. Dabei dürfte der Wiedererkennungseffekt beim deutschen Publikum im Allgemeinen sowieso nicht zu kurz kommen: Als Kulisse dient nämlich in indischen Filmen oftmals die gute alte Bergwelt der Schweiz. Der Film- und Musikindustrie kommt der Boom um Indien gelegen: Dort gehören Musik und Tanz unerlässlich zum Film dazu. Soundtracks werden teils schon Wochen vor der Veröffentlichung eines Bollywood-Werks auf den Markt gebracht. Etwa 800 Filme werden jährlich in indischen Filmstudios von Kalkutta bis Bombay gedreht. Laut www.indianculture.de/ films.html „gehört Indien damit zu den wenigen Ländern der Erde, wo Film noch ein echtes Massenunterhaltungsmittel ist“.
Deutsche Kinobesitzer können davon nur träumen. Gerade einmal 71,3 Millionen Besucher fanden in den ersten sechs Monaten diesen Jahres ihren Weg in den Kinosessel. Die Filmförderungsanstalt führte dies auf das heiße Wetter und das schwächere Filmangebot zurück. Das macht mal einer den indischen Bollywood-Fans verständlich.