Es klingt schon ein wenig paradox: Für Ursel Wirz war es Glück, dass ihre Zwillingsschwester Gundel mit Anfang 30 an Brustkrebs erkrankte. „Wir wussten zwar, dass wir vorbelastet waren, da bereits unsere Mutter und Tante an Brustkrebs erkrankt waren, aber mit Anfang 30 haben wir noch nicht daran gedacht, dass es uns treffen könnte“, erinnert sich die heute 44-Jährige. Tatsächlich wurde bei ihrer Schwester Gundel recht schnell festgestellt, dass sie an einer erblichen Form von Brustkrebs leidet. Frauen, die ein solches Risikogen (BRCA) besitzen, haben ein 60 bis 80 Prozent erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, zum Teil in sehr jungen Jahren.
Sofort wurde damals auch Ursel Wirz in ein engmaschiges Früherkennungsprogramm am Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs an der Kölner Uniklinik aufgenommen. Sechs Monate später wird auch bei ihr Brustkrebs diagnostiziert und behandelt - so früh, dass sie „seitdem eigentlich gesund“ ist. Bei Zwillingsschwester Gundel, bei der der Krebs erst entdeckt worden war, als sich bereits mehrere Tumorherde gebildet hatten, schreitet derzeit die Metastasierung voran. Aber den Mut und die Kraft hat auch sie in all den Jahren nicht verloren und sich mit ihrer Schwester im „BRCA-Netzwerk für familiären Brust- und Eierstockkrebs“ für andere Betroffene engagiert.
Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs-Erkrankungen sind erblich bedingt. Neben anderen Faktoren wird das Erkrankungsrisiko aber auch durch den Lebensstil beeinflusst: Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und hoher Alkoholkonsum erhöhen die Wahrscheinlichkeit, während bei körperlich aktiven Frauen (30 bis 60 Minuten Bewegung fünfmal die Woche) das Risiko zu erkranken um 30 bis 40 Prozent sinkt.
Nach wie vor ist Brustkrebs hierzulande die häufigste Krebsart bei Frauen: Jährlich erkranken etwa 60 000 Frauen neu daran. Tatsächlich ist jede zehnte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen - die meisten allerdings nicht in einem so jungen Alter wie Ursel Wirz und ihre Schwester. Grundsätzlich steigt ab dem 50. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit zu erkranken deutlich an. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren.
Die häufigste Krebsart bei Frauen
Seit fünf Jahren werden alle Frauen von 50 bis 69 Jahren im Rahmen eines strukturierten und qualitätsgesicherten Mammografie-Screenings alle zwei Jahre zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen. „Durch seine hohe Qualität garantiert das Programm, dass in der betreffenden Altersgruppe eine Früherkennungsmammografie mehr Vor- als Nachteile bietet“, betont Dr. Juliane Terpe, Programmverantwortliche Ärztin der Screeningeinheit Köln rechtsrheinisch / Leverkusen. Ziel sei es, bösartige Tumoren der Brust in einem sehr frühen Stadium zu entdecken. Denn durch eine möglichst frühe zielgerichtete Behandlung verbesserten sich nicht nur die Heilungschancen. „Es können auch schonendere, oftmals brusterhaltende Therapiemethoden angewendet werden“, erklärt Juliane Terpe. Tatsächlich zeigen erste Ergebnisberichte des Programms, dass im Screening deutlich häufiger kleine Tumore aufgespürt werden konnten.
„Wird Brustkrebs diagnostiziert, ist es wichtig, dass die Behandlung auf höchstem Niveau der medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnis in einem der 200 zertifizierten Brustkrebszentren erfolgt, betont Dr. Eva Kalbheim von der Deutschen Krebshilfe. Je nach Stadium der Erkrankung und genauem Typ des Tumors bestehe die Behandlung aus Operation, Bestrahlung, Chemo- und / oder Hormontherapie.
Wenn er rechtzeitig erkannt wird, gilt Brustkrebs heute zu 80 Prozent als heilbar - das liegt auch an den deutlich verbesserten Therapien. „Insbesondere die Prognose von Frauen mit hochaggressiven Tumoren konnte dadurch deutlich verbessert werden, dass wir sie erfolgreich medikamentös durch Antikörper (Herceptin und Avastin) zusätzlich oder statt einer Chemotherapie behandeln können“, sagt Prof. Peter Mallmann, Direktor der Uni-Frauenklinik.
