Bevor es zu einem Burnout kommt, muss etwas gebrannt haben. Es kann die treffen, die mit einem enormen Arbeitseinsatz und einem extrem starken Leistungswillen auf gleich bleibend hohem Niveau über Wochen und Monate funktionieren. Aber auch jene, die ihre Arbeit verloren haben und in eine tiefe Hoffnungslosigkeit fallen, deren Leben aus dem Takt geraten ist und die sich entwurzelt fühlen. Sie können genauso einen Burnout erleiden wie Schüler, die die Anspannung und den Druck in der Schule nicht mehr ertragen. Oder aber Männer und Frauen, die durch die Belastungen und Ansprüche, die in Haushalt und von der Familie an sie gestellt werden, über die Jahre „ausgebrannt“ sind. Überlastung, Stress, Burnout hat vielfältige Ursachen, zeigt aber meist ähnliche Symptome. Der Mensch ist zutiefst erschöpft, unfähig, weiter zu arbeiten: Er funktioniert nicht mehr, er steigt aus.
Gehirn signalisiert, dass Stress gut ist
Es war im September vor zwei Jahren, als Miriam Meckel ihren Zusammenbruch erlebte. Sie, diese blitzgescheite Wissenschaftlerin, die in der ganzen Welt unterwegs ist. Sie, die sowohl in Talkshows locker auftritt als auch hochkarätige Vorträge vor Fachpublikum hält. Die Professorin, die als Regierungssprecherin des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement Schlagzeilen machte, weil sie klug, schön, jung und erfolgreich ist. Die Frau, die als Lebensgefährtin der TV-Moderatorin Anne Will auf einmal die „bunten Blätter“ zierte - sie konnte nicht mehr. Der psychische und körperliche Zusammenbruch kam nicht unangekündigt, aber er traf sie überraschend. „All die Infektionen, der gestörte Stoffwechsel, das hat es gegeben, aber ich habe sie nicht als solche gewertet. Ich fühlte mich überarbeitet und urlaubsreif,“ sagt Miriam Meckel. Der Urlaub hätte ihr nichts mehr genützt, und bevor sie überhaupt einen Gedanken daran verschwenden konnte, brach sie zusammen, einfach so, bei der Rückkehr von einem Termin und der Vorbereitung auf den nächsten.
Später, nach dem Burnout, wird sie sagen: „Ich bin erschrocken über mich, über das, was ich durchlebt habe und die Erkenntnis, dass ich aus den Phasen der Traurigkeit und der Erschöpfung nicht allein herauskomme.“ Die Erfolgsfrau Miriam Meckel ging in eine Klinik im Allgäu, wo sie lernte, wieder zu sich selbst zu finden. So wie Miriam Meckel haben viele Prominente einen Burn-out durchlitten: die Starköche Johann Lafer und Tim Mälzer, der Fußballer Sebastian Deisler, der ehemalige Radsportler Jan Ullrich und andere.
Der Leiter der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee und Burnout-Experte Professor Dr. Dr. Andreas Hillert: „Das Ursprungsmodell für einen Burnout hat natürlich viel Reiz, zeigt es doch, dass der, der ausbrennt, vorher sehr tüchtig war. Daher können sich auch viele mit diesem Muster identifizieren.“ Doch so einfach ist es nicht. Genauso wenig wie der Herzinfarkt als Manager-Krankheit Bestand hat, genauso wenig ist ein Burnout das Erkennungszeichen der Erfolgreichen. Dazu ist der geistige und körperliche Zusammenbruch auch wenig geeignet. Es gibt erstrebenswertere Merkmale für Erfolg als ein derart radikaler Ausstieg aus dem vorherigen Leben.
Stress-Expertin Dr. Sabine Schonert-Hirz: „In uns ist der natürliche Rhythmus von An- und Entspannung vorhanden, aber wir sind in der Lage, diesen Rhythmus auszuhebeln gegen ein vermeintlich besseres System, nämlich, dass wir noch viel mehr leisten können in noch viel kürzerer Zeit mit anhaltend gutem Erfolg.“ „Das Gehirn signalisiert: Mein Mensch braucht so viel Stress und mein Mensch kann das auch verpacken.“ Das löst über lange Zeit gute Gefühle aus, oft gepaart mit Erfolg. Schleichen sich Zweifel oder negative Gefühle ein, dann wird diese Bremse ausgehebelt, indem man erneut Gas gibt. Miriam Meckel: „In dieser Leistungsgesellschaft . . . . wird nur der Teil des Menschen geschätzt und wahrgenommen, der direkt in das dauerhafte und ungebrochene Funktionsprinzip einzahlt: das Nützliche.“
