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Busunglück in Ungarn: Verstümmelte Leichen unter Planen

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Ein Bild des Grauens bot sich den Helfern am Unglücksort.

Der zweite deutsche Reisebus, so sah es Istvan Galos, fuhr schon bei rotem Blinklicht auf die Gleise. Der erste hatte diese noch passiert, während die Lampe weiß blinkte und damit freie Fahrt signalisierte. „Der Zug pfiff noch zweimal gellend, um den Bus zu warnen“, schildert der 39-jährige Augenzeuge sein Schreckenserlebnis. „Dann gab es diesen fürchterlichen Knall, und Teile des Busses flogen weit durch die Luft.“

Einer der schwersten Verkehrsunfälle in der Geschichte Ungarns hat gestern am Plattensee 34 deutsche Touristen das Leben gekostet. Acht weitere wurden nach offiziellen Angaben in Krankenhäusern behandelt. Augenzeuge Galos rief von einem Laden die Polizei. An den Rettungsarbeiten am Wrack hat er sich nicht beteiligt: „Der Anblick war einfach zu viel mich.“

Der Bus war gegen halb neun an einem unbeschrankten Bahnübergang nahe der Stadt Siófok von einem Schnellzug erfasst, in zwei Teile zerrissen und rund 150 Meter mitgeschleift worden. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis in den späten Nachmittag. Noch weit nach Mittag lagen sieben abgedeckte Leichen am Unfallort. Ein Polizeisprecher sagte, man rechne nicht mit weiteren Opfern. Allerdings lagen einige der zum Teil stark verstümmelten Leichen noch unter den Trümmern des Busses aus Norddeutschland, dessen Fahrgäste vor allem aus Schleswig-Holstein kamen.

Wasserflaschen, Badeanzüge und Seiten deutscher Zeitungen waren am Unfallort verstreut. Die Front und das Heck des Busses lagen mehr als 100 Meter voneinander entfernt an den Gleisen. Das Heck war ausgebrannt, das Fahrzeug kaum noch als solches zu erkennen. Verbogener Stahl des Busses war um die Lokomotive gewunden, die zerborstene Windschutzscheibe lag auf den Schienen.

Eigentlich hatte der Tag für die Touristen aus Deutschland mit einem gemütlichen Frühstück bei strahlend sonnigem Wetter beginnen sollen. Der Reisebus hatte sie am Morgen in ihrem Hotel in Siófok abgeholt. Ihr Ziel: Ein Ausflugslokal an der östlichen Spitze des Plattensees - danach stand eine Tagestour rund um den See auf dem Programm.

Schon vor elf Jahren ereignete sich nur wenige Kilometer von Siófok entfernt ein Unfall an einem Bahnübergang, bei dem 16 deutsche Insassen eines Kleinbusses ums Leben kamen. Damals hatte der Fahrer offenbar das rote Blinklicht übersehen, weil er von der Sonne geblendet worden war. Ob die tief stehende Morgensonne auch diesmal zu dem Unfall beitrug, konnte die Polizei gestern nicht sagen. Eine weitere mögliche Erklärung für den verheerenden Zusammenstoß könnte auch ein Verkehrsstau gewesen sein: Einige Augenzeugen berichten, dass der Bus wegen eines Staus auf den Schienen zum Stehen kam, als das Warnlicht zu blinken begann.

Als gestern dann auch noch der Vorwurf im Raum stand, der Fahrer hätte nicht ohne einen weiteren Kollegen an Bord zu einem Tagesausflug aufbrechen dürfen, meldete sich auch der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer zu Wort. Ob der Fahrer die vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten habe, könne erst die Auswertung der Tachoscheiben zeigen, warnte man dort vor übereilten Schlüssen. „Grundsätzlich gilt, dass ein Fahrer - etwa für eine Tagestour - durchaus auch neun bis zehn Stunden am Stück am Steuer sitzen darf.“ (ap / dpa / döp)