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Caféhäuschen UedorfBauernhof für Generationen

3 min

Ruth Müller steht zwischen Cafétischen unter einer gewölbten Kappendecke. Geschätzte 200 Jahre hat dieses Gebäude auf dem Buckel, sagt sie. „Sehen Sie, wie dick die Mauern sind?“ Ruth Müller zeigt auf die gut 80 Zentimeter tiefen Fensteröffnungen.

Die 41-Jährige hat sich vor rund fünf Jahren einen Traum erfüllt und ein Lokal eröffnet. Das „Caféhäuschen Uedorf“ gehört zu einem ehemaligen Gehöft und liegt direkt am Rhein nördlich von Bonn, ideal für Ausflügler. Und es ist Teil eines großen Familienprojekts: „Meine Großeltern haben den Hof 1948 gekauft“, erzählt Ruth Müller.

Familie Jüssen hat die im Zweiten Weltkrieg teils zerstörte U-förmige Anlage wieder aufgebaut und bewirtschaftet.

Ruth Müllers Eltern besaßen noch Hühner, Getreide und Zuckerrüben, bis 1998 der landwirtschaftliche Betrieb eingestellt wurde. Abgeben wollten die Kinder den Familienbesitz nicht. Aber was stellt man mit einer Gesamtfläche von 944 Quadratmetern an? Ruth Müller, ihre zwei Schwestern und ihr Bruder beschlossen, den Hof zu einer gemeinsamen Wohnanlage umzubauen. Kostenpunkt: knapp zwei Millionen Euro. Dazu drei Jahre Planung, mühselige Entrümpelungsaktionen und etwa ein Jahr Umbauzeit, in der die Familie kräftig mit anpackte.

Das ist alles fein säuberlich dokumentiert mit Fotos, Notizen und historischen Aufnahmen des Hofs. Beauftragt hatte die Familie mit dem Bornheimer Architekten Klaus-Peter Knevels einen Fachmann für alte Bausubstanz: Knevels zeichnet unter anderem für den Umbau der Alten Schule in Bornheim und des Wichelshofs am Bonner Rheinufer verantwortlich.

Den Hofcharakter hat der Komplex behalten, so wie die Geschwister es sich gewünscht haben. Allerdings befinden sich heute in dem 44 Meter langen Gebäuderiegel, in dem einst über 1000 Hühner hausten, sieben Wohnungen für die Geschwister und ihre Familien sowie für drei weitere Mieter, außerdem Ruth Müllers Café.

Zum Hof hin ist das weit heruntergezogene Überdach geblieben - das nimmt zwar den Zimmern im ersten Stock Licht, bietet aber Schutz vor Sonne und Regen; Tisch und Bänke und jede Menge buntes Kinderspielzeug zeigen, dass die Bewohner davon profitieren. An der äußeren Seite des Riegels wurde ein Anbau entfernt und ein Balkongang an der ganzen Fassade entlang gezogen.

Eine Solaranlage auf dem Dach der Scheune dient zur Unterstützung der Warmwasseranlage, in der Scheune befinden sich eine Pelletsanlage und der Pelletsvorrat. Zwei Zehn-Kubikmeter-Zisternen unter dem Parkplatz fangen Regenwasser auf. „Äußerlich hat sich gar nicht so viel verändert“, sagt Ruth Müllers Mutter Elisabeth Jüssen, die heute im mittleren Teil der Hofanlage lebt.

Ihre Wohnung befindet sich in einem Gebäude, das nach dem Krieg anstelle der herrschaftlichen Villa des Barons von Diergardt gebaut wurde. Der hatte sich hier im 19. Jahrhundert eine Sommerresidenz errichten lassen und den angeschlossenen Wirtschaftshof verpachtet. Die dreistöckige Villa des Barons wurde bei einem Bombenangriff 1942 zerstört.

Der Gebäudekomplex trug schon zu des Barons Zeiten den klingenden Namen „Burg Uedorf“. Ob es in Uedorf tatsächlich einmal eine Burg gegeben hat, weiß allerdings niemand so genau. Urkundlich erwähnt ist sie jedenfalls nicht. Der Name ist aber verbrieft. Davon zeugt ein Überbleibsel des früheren Hofladens: Eine Milchflasche „Gutsmolkerei Burg Uedorf“.