Der „Prinz“ sitzt im Gefängnis. Ein 28-jähriger Deutsch-Tunesier muss seit gestern sein feudales Leben mit einer kargen Zelle in der Untersuchungshaft tauschen. Der brutale Drogendealer und Menschenhändler, der von seinen „Untertanen“ nur „Prinz Paco“ genannt wurde, wurde vom Kölner SEK (Spezialeinsatzkommando) zusammen mit 18 Komplizen festgenommen. Damit zerschlug die Polizei eine Rauschgiftbande, zu der insgesamt 140 Tatverdächtige zählen.
Als Kopf der Bande bezeichnete die Kripo den 28-jährigen „Prinzen“ und seinen jüngeren Bruder (25). Beide leben seit mehreren Jahren in Köln - und zwar in Saus und Braus. „Einen 500er-Mercedes bezahlten sie aus der Portokasse“, sagte ein Ermittler. Nun wird ihnen Menschenhandel, Erpressung, Nötigung, Körperverletzung und Drogenhandel vorgeworfen. Seit dem 11. August 2004 sollen sie den Vertrieb von 200 Kilogramm Cannabis, 50 Kilogramm Amphetamin und Kokain (Marktwert 1,2 Millionen Euro) organisiert haben. Ihre Abnehmer fanden die beiden im Großraum Köln.
Als den Brüdern die Drogen-Kurierfahrten aus den Niederlanden nach Köln zu teuer wurden, legten sie in einer Lagerhalle im Großmarkt eine professionelle Cannabisplantage an. Die Mutter (57) hatte den Raum für ihre Söhne angemietet. „Wir gehen davon aus, dass die Frau von den Machenschaften wusste und sie tolerierte“, sagte der Leiter des Drogendezernats, Günter Rammel. Ein Verfahren wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Drogenhandel wurde eingeleitet. Heute wird entschieden, ob die Frau ihren Söhnen ins Gefängnis folgt. Sieben Mitglieder der Bande sollten gestern Abend dem Haftrichter vorgeführt werden. Oberstaatsanwalt Siegmar Raupach rechnet jedoch mit deutlich mehr Haftbefehlen.
Die Ermittler sprachen gestern immer wieder von der großen Brutalität der Bandenchefs. Wer in Verdacht geriet, Geld zu unterschlagen, wurde misshandelt. In einem Fall rief ein Nachbar die Polizei, weil er aus der Nebenwohnung Schreie hörte. Als die Beamten an der Tür klingelten, öffnete ein verängstigter Mann, der allerdings nur von Ärger mit Handwerkern berichtete. Die Polizisten glaubten ihm nicht und trafen im Wohnzimmer auf zwei Männer. Nachdem diese Personen des Hauses verwiesen waren, packte der Mieter aus. Mit einem Baseballschläger wollten die Männer ihn gerade am Unterleib verletzen, weil er 3000 Euro unterschlagen haben sollte.
Rammel berichtete: „Die Köpfe der Bande haben ihre Opfer dermaßen eingeschüchtert, dass es keine einzige Anzeige bei der Polizei gab.“ Besonders „Prinz Paco“ soll sich dabei hervorgetan haben.
