ODENSPIEL. In der Werkstatt liegen Bauteile und Holzspäne, im Probenzimmer präsentieren sich die fertigen Instrumente: Thorsten Theis baut in seinem Atelier in Odenspiel Celli. Seit 2005 entstehen dort etwa fünf neue Instrumente pro Jahr. An einem Cello arbeite ich rund 300 Stunden, erklärt Theis, der sich auf Cellobau spezialisiert hat und eigene Modelle sowie Nachbauten bekannter Meister fertigt.
Aus Ahorn und Fichte baut Theis in der Werkstatt den Körper des Cellos. Für die Zarge und den Seitenkranz muss das angefeuchtete Holz mit einem warmen Biegeeisen in Form gebracht und dann mit stabilisierenden Eckklötzchen verleimt werden. Decke und Boden bestehen häufig aus zwei verleimten Holzkeilen: Für sie greift der Cellobauer zu Stift und Schablone und zeichnet die Formen vor. Anschließend wird gesägt und mit Hobeln verschiedener Größe, Form und Wölbung hergestellt. In einer Halterung der Werkbank werden auch Cellohals und -kopf ausgestochen, bevor die Einzelteile zu einem Instrument zusammengefügt werden.
Wichtig für den Cellobau seien vor allem Technik und gute Kenntnis des Materials: Man muss das Holz lesen können. Das sei entscheidend bei der Arbeit, aber auch für die Auswahl des Rohmaterials, das aus Bosnien, Österreich oder Kanada stammt. Das Instrumentenholz muss stabil sein. Es wächst in über 2000 Metern Höhe und lagert mehrere Jahre, erklärt Theis. Auch er hat ein Holzlager, zudem gibt es ein Lackierzimmer, in dem die Instrumente 6 bis 15 Schichten Grundierung und Lack erhalten. Wie beim Bau ist auch beim Lack vor allem eins wichtig: Ich muss wissen, was der Kunde wünscht. Wie soll das Cello aussehen, welche Größe, Eigenschaften und Klangfarbe soll es haben.
Anbauteile wie Wirbel kauft Theis zu und vollendet damit das Instrument. Er arbeitet mit einem Bogenmacher und drei Cellosolisten zusammen, die seine Celli spielen, wenn sie aus der Werkstatt kommen. Das ist wichtig für abschließende Feinarbeiten an Instrument und Klang, so Theis. Ein von ihm gefertigtes Instrument kostet zwischen 20 000 und 30 000 Euro. Neben seinen eigenen fünf Cello-Modellen fertigt er auch Instrumente nach Kundenwünschen, manchmal auch Kontrabässe.
Theis arbeitet nicht nur in Odenspiel, er präsentiert auch deutschlandweit seine Celli auf Ausstellungen, derzeit etwa zum zeitgenössischen Geigenbau im Haus des Kölner Handwerks. Zudem reist er durch Deutschland und betreut Kunden, die mit seinen Instrumenten Wettbewerbe spielen oder Konzerte geben: Das gehört zum Service.
Der Cellobauer selbst ist kein Cellist und gelangte über Umwege zu seinem heutigen Beruf. Nach einem Unfall konnte er seinen Lehrberuf als Werkzeugmacher Fachrichtung Formenbau nicht mehr ausüben. Er traf einen Geigenbauer, hatte Gelegenheit in die Werkstattarbeit hineinzuschnuppern - und war begeistert. Er lernte Geigenbau in einer Werkstatt mit Unterricht in Mittenwald und machte sich 2002 selbständig. Seine erste Ausbildung sieht er als Vorteil für den Cellobau: Ich war gewohnt, ganz genau zu arbeiten. Maßhaltigkeit ist wichtig, da kommt es auf Millimeterbruchteile an.
Sein Konzept scheint aufzugehen: Kunden aus aller Welt kaufen bei ihm, Schüler jeden Alters - der Älteste ist 82 -, Musiklehrer und professionelle Musiker. Ab Sommer möchte Theis ein weiteres Modell ins Programm nehmen, angelehnt an den italienischen Meister Matteo Gofriller.