WESSELING. Professor Dr. Christoph Jacobi hatte am Sonntag seine Koffer noch nicht ausgepackt, da wurde er von seinem neuen Arbeitgeber schon in den OP-Saal gerufen. Ausgemacht hat das Jacobi nichts - im Gegenteil. Das sei genau der Tatendrang, den er sich wünsche. Denn in den kommenden Monaten möchte der Chirurg, der bis Ende vergangener Woche noch leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor in der Berliner Charité war, das Wesselinger Dreifaltigkeits-Krankenhaus zu einem namhaften Zentrum für Minimalinvasivchirurgie machen.
Ob Tumor, Blinddarm oder Magenverengung - die Minimalinvasivchirurgie lässt nur noch kleinste Narben zurück. Durch einen kleinen Schnitt führt der Chirurg eine Kamera und die nötigen Instrumente in den Patienten ein. Mit Hilfe modernster Computertechnik wird die Operation durchgeführt.
Für Klinikdirektor Johannes Güsgen gehört dieser Technik die Zukunft. Viele üblichen Operationen können heute schon ambulant durchgeführt werden, sagt er. Darum will Güsgen die Chirurgie seines Haus spezialisieren. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der wachsenden Sparte der stark übergewichtigen Patienten. Ihnen will man in Wesseling mit den Kleinsteingriffen Magenbänder oder Bypässe setzen.
Millionenbetrag
wird investiert
Einen siebenstelligen Betrag nimmt Güsgen dafür in die Hand. Genauere Summen nennt er mit Blick auf die Konkurrenz nicht. Nur soviel: Für das Geld wird modernste Technik angeschafft. Güsgen schließt einen neuen Anbau nicht aus. Zudem wird weiteres Fachpersonal folgen.
Den Anfang machte Professor Dr. Christoph Jacobi. Einst studierte er zusammen mit Dr. Dirk Richter, Chefarzt für plastische Chirurgie im Dreifaltigkeit-Krankenhaus. Doch über die Jahre verlor man sich aus den Augen. Als in Wesseling über die Expansionspläne nachgedacht wurde, erinnerte sich Richter seines ehemaligen Kommilitonen. Dieser hatte sich mittlerweile an der Charité einen Namen gemacht - genau in den Fachbereichen, die in Wesseling gesucht wurden.
Von der berühmten Charité nach Wesseling wechseln? Jacobi hat es gemacht. Ein neues Zentrum nach seinen Vorstellungen aufbauen zu können, reize ihn. Gepaart mit der plastischen Chirurgie im Dreifaltigkeit-Krankenhaus gebe es zumindest im Rheinland nichts Vergleichbares. Darum möchte Jacobi in Wesseling auch ein Schulungszentrum einrichten. Nachwuchsärzte könnten sich dort mit der modernen Operationsmethode vertraut machen. Das alles ist in einem so riesigen Apparat wie der Charité nicht möglich, sagt Jacobi.
Der neue Chirurg tritt nun die Nachfolge von Dr. Jürgen Witte an. Der trat seinen Dienst im Wesselinger Krankenhaus vor rund zwei Jahren kaum weniger ambitioniert an. Doch es scheint zum Bruch gekommen zu sein. Die Chemie stimmte nicht, bezieht Klinikleiter Güsgen kurz Stellung zu dem Abgang.