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Charmanter Hexenmeister am Mikrofon

4 min

HÜRTH. Horst Curwy ist der Hexenmeister von Radio Sonnenschein. Manche Hörerin hat ihm schon gestanden, wegen seiner „sexy“ Stimme einzuschalten.

Doch der 73-jährige frühere Elektroingenieur hat zurzeit nur seine Sendung über Hürth im Sinn. Am Freitag, 17. September, wird der älteste Moderator des Internetradios mit Hauptsitz in Berlin um 20 Uhr mit seinem Stadtporträt auf Sendung gehen.

Erst vor gut einer Woche hat er Bürgermeister Walther Boecker für ein Interview ins „Studio“ in seiner Fischenicher Wohnung bestellt, um mit ihm über die Geschichte der Medienstadt und die vielfältigen Kultur-, Freizeit- und Sportangebote zu plaudern. Zehn Minuten davon werden in der Hürth-Sendung zu hören sein. Denn überwiegend wird Curwy Musik von Künstlern und Musikvereinen aus Hürth und Umgebung einspielen.

„Ich will meine Stadt als Klangkörper darstellen,“ erklärt Curwy. Swingmelodien von Frank Baranis Bigband wie auch von der Frechener Formation „Da Capo“ mit Sängerin Michaela Kutz, Klavierklassik vom Duo Anja und Anja, Volkstümliches vom Hürther Frauenchor, dem Blasorchester der KG Blau-Weiß Fischenich und dem Akkordeon-Orchester werden erklingen. Auch um die Leistungen dieser Künstler und Vereine populär zu machen: „Sie haben das mehr verdient als mancher so genannte Superstar“, meint Curwy.

Für Ende Mai 2005 bereitet Curwy außerdem das erste von Radio Sonnenschein initiierte Moderatoren- und Hörertreffen vor. Fans auch aus dem benachbarten Ausland werden nach Hürth reisen. Fest vereinbart ist bereits, dass die Gruppe die TV-Studios im Hürther Medienpark besuchen und dort bei der Aufzeichnung der Sendung „7 Tage, 7 Köpfe“ dabei sein wird.

Seit zwei Jahren ist der Mann mit der Stimme, die Hörer fesselt, Radiomoderator mit Leib und Seele. Nicht einmal die Enkel und Sommerwetter, das zu Spaziergängen einlädt, können ihn aus seinem „Studio“ locken. Die langen „Dienststunden“, oft bis in den frühen Morgen, haben ihm Hüftschäden eingetragen, und trotzdem sagt Curwy: „Das ist das Beste, was ich im Leben gemacht habe.“

Horst Curwys Kindheit war entbehrungsreich, sein späteres Berufsleben wechselhaft. 1931 wurde er in Berlin geboren. Seine Familie musste mitten im Krieg 1942 nach Ostpreußen fliehen, dann nach Zeitz in Sachsen-Anhalt. Eine ältere Schwester heiratete noch im Krieg einen Kölner. 1953 hatte Curwy, der inzwischen an der Ingenieurschule in Leipzig Elektrotechnik studierte, genug von der DDR. Über Flüchtlingslager führte sein Weg zu der in Hürth lebenden Schwester.

Die damalige Knapsack-Griesheim AG stellte Curwy für die messtechnische Abteilung ein. Ende der 60er Jahre erlitt der Elektriker schwere Säureverbrennungen. Weil er nach dem Unfall nicht mehr an seinem Arbeitsplatz einsetzbar war, unterzog er sich einem Berufseignungstest, den er mit Bestnoten bestand. Dies weckte seinen Wunsch weiterzustudieren.

Die damalige Rheinische Akademie schloss er zwei Jahre später als Elektroingenieur ab. Da ihm sein alter Arbeitgeber keine geeignete Stelle bieten konnte, war Curwy in den folgenden Jahren für verschiedene andereFirmen tätig. Von 1984 bis 1987 übernahm er die Geschäftsführung des Hürther Bürgerhauses.

Bis zu seiner Pensionierung 1990 und darüber hinaus übte Curwy außerdem verschiedene Ehrenämter aus. So war er von 1968 bis 1982 Vorsitzender im Turnverein Alpenglüh n und von 1989 bis 1994 Fraktionschef der FDP im Hürther Stadtrat. Dann vor zehn Jahren kam der Einschnitt: „Ich hatte keine Parteifunktion mehr, keine Arbeit und kein Vereinsamt“, erzählt Curwy. „Da ich aber geistig nicht eintrocknen wollte, besorgte ich mir von Bekannten einen alten Computer.“

Erste Sendung war

ein Volltreffer

Inzwischen arbeitet der Autodidakt nur noch mit dem „Feinsten vom Feinen“. Eines Tages landete Curwy in einem Internet-Chatroom, in dem sich die Teilnehmer über das Radio Sonnenschein unterhielten. Der Fischenicher wurde neugierig, schaltete den Sender ein und bekundete sein Interesse, eigene Beiträge durchs weltweite Netz zu schicken. Gleich bei seiner ersten kurzen Sendung, die eigentlich nur als Test gedacht war, hörten so viele Nutzer zu, dass Curwy in die Riege der bundesweit heute zehn Moderatoren aufgenommen wurde.

Das Pseudonym „Hexenmeister“ wählte Curwy, weil er den Harz und besonders die vielen Hexensagen liebt. Mehr als ein Dutzend der Schauergestalten zieren inzwischen das Studio des Fischenicher Hexenmeisters am Mikrofon.

www.radio-sonnenschein.de