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Chauffeur für BürgermeisterRuhepol im Rathausalltag

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Köln – Sobald Michael Frey die schwere Tür des silbernen Toyota Lexus hinter seinem Fahrgast schließt, geht die Rolle des 41-Jährigen weit über die des Chauffeurs hinaus. Während er die Bürgermeister oft im Stundentakt von einem Termin zum nächsten kreuz und quer durch die Stadt kutschiert, ist Frey nicht nur ihr Fahrer, sondern auch persönlicher Referent, Sekretär oder engster Vertrauter: „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.“

Mit seiner langjährigen Erfahrung merkt der Kölner schnell, ob seinen Fahrgästen der Sinn nach lockerer Unterhaltung steht oder sie lieber ungestört einen Blick in die Unterlagen für den nächsten Termin werfen. „Im Wagen herrscht immer eine besondere Atmosphäre“, beschreibt Frey. „Manchmal reden wir über Gott und die Welt, wie etwa über den Tod von Michael Jackson. In erster Linie ist das Auto aber ein Ort der Ruhe, wo die Bürgermeister Kraft in ihrem anstrengenden Alltag schöpfen können.“ Seit Mai sorgt Michael Frey oft auf Abruf als einer von drei Fahrern dafür, dass Elfi Scho-Antwerpes, Angela Spizig und Manfred Wolf möglichst pünktlich zu ihren oft dicht gedrängten Terminen kommen.

Zuvor war der 41-Jährige der Fahrer der Stadtkämmerer Peter Michael Soénius und Manfred Böllinger. Gern erinnert er sich auch an die Jahre, in denen er Alt-OB Norbert Burger zu Terminen begleitete, die nicht selten weit über die Stadtgrenzen hinausführten. „Oft waren wir bei Städtetagssitzungen in Rotterdam, Amsterdam, Brüssel oder Ostdeutschland.“ Auch mal rauszukommen, freut den leidenschaftlichen Autofahrer, der sich von Staus, Vollsperrungen oder Baustellen kaum aus der Ruhe bringen lässt. „Es dauert lange, bis mir der Kragen platzt“, verrät er. Am allerliebsten ist der 41-Jährige aber in seiner Heimatstadt unterwegs: „Ich schätze den Kontakt zu den Bürgern, werde natürlich auch oft angesprochen, wenn ich während Terminen im Auto warte.“

Manche sind sogar auf der Jagd nach Autogrammen von den Bürgermeistern. Einen Stapel Autogrammkarten im Handschuhfach, wie seinerzeit Alt-OB Burger, haben Scho-Antwerpes, Spizig und Wolf zwar nicht. Entsprechende Wünsche erfüllen sie aber gern, wenn die Zeit ausreicht. „Bürgernah zu bleiben ist schließlich wichtig“, findet Frey. Auf persönliche Kontakte legt der Kölner ohnehin viel Wert. Nach zwanzig Jahren bei der Stadt sind viele Kollegen zu engen Freunden geworden. „Einmal Rathaus, immer Rathaus“, ist Frey überzeugt. Einen anderen Job kann er sich auch gar nicht vorstellen, so sehr geht der 40-Jährige in seiner Arbeit auf.

An seinem Alltag gefällt dem Fahrer besonders gut, dass er keine acht Stunden im Büro sitzt, sondern jeden Tag etwas Neues erlebt. Das kann in seltenen Fällen auch dramatisch sein. Noch ganz genau hat Frey den späten Mittag des 3. März vor Augen, als das Historische Stadtarchiv einstürzte. „Ich saß mit Herrn Soénius im Büro, als sein Handy klingelte und Feuerwehrchef Neuhoff am Apparat war“, berichtet er. Der Stadtkämmerer sprang auf und rief nur „Einsatz! Einsatz!“. „Wir fuhren sofort los und erblickten den Schuttberg“, erinnert sich der Kölner mit Schrecken. Viel lieber denkt er aber an Ereignisse zurück, bei denen er besondere Persönlichkeiten getroffen hat. „An seinem 85. Geburtstag habe ich Willy Millowitsch zum Alter Markt gefahren“, verrät Frey. Auch der ehemalige Minister Wolfgang Clement saß schon in seinem Auto. Beim Start der „Anrheiner“ war er live dabei und hat Stars wie Tommy Engel oder Hildegard Krekel getroffen. Eins der unvergesslichsten Erlebnisse war jedoch beim Wirtschaftsgipfel vor zehn Jahren, als US-Präsident Clinton ganz nah vor ihm stand: „Diesen Moment kann mir keiner mehr nehmen“.