GUMMERSBACH – Im Flur stapeln sich die Umzugskartons. Fleißige Helfer schleppen Kisten, Möbel und Handwerkszeug durchs Haus. Pastor Christoph Bersch (46) behält die Übersicht. Er bespricht das Notwendige mit den Handwerkern und packt mit an, wo es nötig ist. Der neue Pfarrer und Leiter des Seelsorgebereichs Oberberg Mitte wird am Sonntag, um 17 Uhr, in der Kirche St. Franziskus Gummersbach ins Amt als Kreisdechant eingeführt. Bis dahin soll sein Umzug ins Pfarrhaus abgeschlossen sein.
„Ich habe ein Umzugsunternehmen beauftragt. Das sind Profis, die das meiste regeln“, erklärt Christoph Bersch. Sobald alle Lampen, Teppiche und Möbel ihren Platz gefunden haben, rückt ein Team von Helfern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis an, um beim Einräumen zu helfen.
Die Hilfe kann der Pastor, der während der letzten zehn Jahre im Seelsorgebereich Wuppertaler Westen tätig war, gut brauchen. „Man staunt ja sehr, was sich in zehn Jahren so alles ansammelt,“ Christoph Bersch wird nachdenklich. Er frage sich, ob er ein schlechtes Gewissen haben müsse: „Wir sollen eigentlich keine irdischen Güter ansammeln, und jetzt steht ein großer Umzugs-Lastwagen vor meiner Tür.“ Er nutze den Umzug als Chance, im wahrsten Sinne Ballast abzuwerfen.
Seine neue Wohnung liegt über dem Pfarrbüro. „Der private und der Arbeitsbereich sind nicht wirklich getrennt, aber deutlich unterschieden. So möchte ich es handhaben.“
Die Gemeinde hat die Wohnung für den neuen Pfarrer rundum renoviert. Der ist mit zwei Metern sehr groß gewachsen. Für Christoph Bersch wurde die Decke über der Flurtreppe weggenommen, damit er sich beim Betreten und Verlassen seiner Privaträume nicht jedes Mal den Kopf stößt. Wenn alles gut geht, wird sogar die Küche noch vor Sonntag fertig. „Freunde aus Dieringhausen haben einen Schreiner organisiert, der die Küche aufbaut“, sagt Bersch.
Vom Umzugsstress ist dem Zwei-Meter-Mann nichts anzumerken. Er bleibt gelassen. Bei einem großen Umzug müsse man mit Verzögerungen rechnen. Letztlich komme schon alles ins Lot: „Ich habe so viele Helfer, die zum Gelingen beitragen!“ Bei einem Pastor kann man diese positive Weltsicht wohl mit Fug und Recht Gottvertrauen nennen.
Seiner Aufgabe im Oberbergischen blickt Christoph Bersch positiv entgegen. „Ich hoffe, dass ich viel Zeit für die Seelsorge finde“, wünscht er sich. Gespräche mit Mitarbeitern gehören für ihn zur seelsorgerischen Fürsorgepflicht: „Ich möchte mir Zeit nehmen, die Abläufe, Rhythmen und die Menschen, mit denen ich zu tun habe, kennenzulernen..“
Dabei dürfte ihm helfen, dass er Anfang der 90er Jahre schon als Geistlicher im Oberbergischen gewirkt hat. Er war von 1991 bis 1994 Kaplan in Engelskirchen und Loope und zwei Jahre lang Jugendseelsorger in Gummersbach. Während der Zeit in Wuppertal pflegte Bersch seine Kontakte ins Oberbergische. Engelskirchen fühle er sich besonders verbunden: „Dort hatte ich mein erstes geistliches Amt, und die erste Liebe behält man immer.“ Er werde wieder im Karnevalszug mitgehen. Als Clown.
Wo wird er noch Karneval feiern – und wie verkleidet er sich dort? Christoph Bersch lacht. „Das wird nicht verraten. Sie können mich ja suchen.“
