BERGHEIM-NIEDERAUSSEM. Clothilde Rey ist am Freitag gestorben. Die Niederaussemerin, die auf Gut Klein-Mönchhof lebte, gehört mit ihren 110 Jahren zu den ältesten Bürgern des Landes. Wie ihr Betreuer, Rechtsanwalt Rudolf Schmitz-DuMont, mitteilte, fand die Beerdigung gestern in kleinem Familienkreise statt.
Clothilde Rey kam 1892 in Köln zur Welt. Ihr Vater war Altphilologe am Gymnasium und im Königlichen Dienst. Die junge Frau hatte in der Kaiserzeit in den Offizierskreisen viele Verehrer. Sie hatte sich aber fest vorgenommen, nicht vor ihrem 40. Geburtstag zu heiraten und nicht in Deutschland zu bleiben. Sie ging nach Berlin, um Gesang zu studieren, und nahm Klavierunterricht bei dem berühmten Dirigenten Fritz Busch. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs musste sie ihr Studium abbrechen. Ihr ganzes Leben begeisterte sie sich für Kunst und Kultur, ging ins Theater oder in die Oper. Sie spielte sehr gut Klavier, meist Beethoven, Mozart oder Schumann. In ihrer Jugend gehörten Rudern, Tennis und Segeln zu ihren Hobbys. Nach reiflicher Überlegung heiratete sie 1920, früher als geplant. Ich war ganz allein, meine Freundinnen waren alle weg, und viele meiner Freunde waren gefallen, erzählte sie einmal. Sie und ihr Mann, ein Landwirt, lebten zunächst in der Schweiz, weil sie dies zur Bedingung für die Heirat gemacht hatte. Später ließen sie sich auf dem Gut Klein-Mönchhof nieder. Seit 1929 bewirtschafteten sie das Gut.
In der Vergangenheit hat Clothilde Rey ihren Geburtstag im November oft in der Schweiz oder in Baden-Baden gefeiert. Letztes Jahr ist sie zu Hause geblieben, da sie nicht bei bester Gesundheit war. Immerhin konnte sie zu diesem Festtag aber noch einige Besucher empfangen.
Sie ist so alt geworden, weil sie einen starken Willen und eine unheimliche Energie hatte, sagte Rudolf Schmitz-DuMont anlässlich ihres letzten Geburtstagsfestes. Sie war sich in den letzten Jahren sicher, dass sie 110 Jahre alt wird. (kan)