Abo

„Corona ist ein echter Zeitfresser“Dr. Henke ist Internist in einer Kölner Klinik

3 min
AdobeStock_306312584

Auch an Ärzten geht der „Papierkram“ nicht vorbei.

Das Coronavirus beherrscht Deutschland seit vielen Wochen. Aber welchen Einfluss hat es auf den Arbeitsalltag in den Kliniken genommen? Dr. Mario Henke ist Internist in einer Klinik im Kölner Norden, tritt morgens um 6 Uhr seinen Dienst an.

„Seit Corona gibt es einen extra Mitarbeitereingang. Jede Woche gibt es einen neuen Zugangscode, dadurch kommt es davor manchmal zu einem kleinen Stau“, erzählt Henke, der sich nach seiner Ankunft einen Blick über die Situation auf der Station verschafft. Von der Schwester bekommt er alle wichtigen Informationen. Gab es besondere Zwischenfälle in der Nacht? Auf welchen Patienten muss an diesem Tag besonders geachtet werden?

Intensive Gespräche

Die Visite steht gleich an. Diese dauert in Zeiten der Corona-Pandemie deutlich länger. „Besucher waren erst einmal nicht gestattet, dadurch mussten viele Patienten ohne Handyladekabel oder frische Klamotten auskommen. Manche lagen fast zwei Wochen im selben T-Shirt hier. Keine schöne Situation. Den Frust darüber haben sie bei der morgendlichen Visite rausgelassen. Wir haben viele intensive Gespräche geführt“, erklärt der 36-jährige Internist.

Papierkram gehört dazu

Nach erfolgreich beendeter Visite steht erst einmal Papierkram auf der To-do-Liste. Entlassungsbriefe für austherapierte Patienten müssen geschrieben werden. „Aber damit ist es nicht getan. Ich muss gucken, dass der einzelne Patient versorgt ist und zu Hause einen Pflegedienst hat oder was auch immer benötigt wird.“ In Zeiten des Virus eine aufwendige Arbeit.

Auch die persönlichen Angehörigengespräche, die Ärzte sonst führen, sind zurzeit nicht möglich. Diese laufen momentan übers Telefon, was die Angelegenheit erschwert. Unterschriften für  dringende einwilligungsfähige Maßnahmen können so nicht einfach eingeholt werden. „Corona ist ein echter Zeitfresser und erschwert uns vieles. Allein dass Anziehen der Schutzkleidung, die wir bei der Behandlung von Covid-19-Patienten tragen müssen, ist mit viel Zeit verbunden“, erzählt der Mediziner. 

Urteilsvermögen ist gefragt

Es ist 10.32 Uhr als das Telefon klingt – die Notaufnahme. Eine weitere Aufgabe, um die sich Mario Henke an diesem Tag kümmern muss, ist die Aufnahme von Patienten, die von der Notaufnahme auf die Station kommen. „Das ist sehr kompliziert in der aktuellen Situation. Da kommen Patienten, die wegen Bauchschmerzen eingeliefert werden und nebenbei erzählen, dass sie seit zwei Wochen Halsschmerzen und Schnupfen haben. Da muss man schnell handeln und den möglichen Corona-Patienten sofort isolieren, um andere nicht zu gefährden.“ Herausforderungen, die der Arzt und seine Kollegen im Berufsalltag bewältigen müssen und an denen das Klinikpersonal gewachsen ist.

Überstunden sind normal

Inzwischen ist es kurz nach 14 Uhr, arbeitsreiche und turbulente acht Stunden liegen hinter dem 36-Jährigen. Bevor Henke in den wohlverdienten Feierabend gehen kann, steht noch eine Röntgenbesprechung mit dem Radiologen auf dem Programm. Diese findet in Zeiten von Corona nicht mehr im Vieraugengespräch, sondern wie viele Meetings per Videokonferenz statt. „Alles dauert jetzt eben ein bisschen länger“, so Mario schmunzelnd, während er mit dem Spätdienst alle wichtigen Informationen austauscht. Um 15.10 Uhr kann er die Klinik verlassen. „Endlich Feierabend!“, freut sich der gebürtige Kölner, der sich auf sein Fahrrad schwingt, um die letzten Sonnenstunden des Tages am Rhein bei einem frischen Kölsch zu verbringen.