BAD HONNEF-SELHOF. Auf eine wechselvolle Geschichte kann der Reitstall nahe von Schloss Hagerhof zurückblicken. In diesem Jahr konnten seine jetzigen Eigentümer, die Familie Vreden, das 100-jährige Bestehen des Gebäudekomplexes als Reitgestüt feiern.
Aber die Geschichte beginnt schon etwas früher. Etwa 1880 wurden an dieser Stelle erste Stallungen errichtet, und zwar von den Eigentümern des Schlosses Hagerhof, der Familie von der Leyden. 1904 wurde vom neuen Besitzer dem Kölner Fabrikanten Alfred Oelbermann, der Architekt Hermann Pflaume aus Köln damit beauftragt, weitere Stallungen, eine Remise und eine Reithalle zu errichten. Charakteristisch dafür sind die Jugendstilgiebel der Reithalle und einiger Stallgebäude. Die übrige Anlage ist schlichter und mit Fachwerk erbaut.
Die Familie Oelbermann pflegte einen besonderen Lebensstil, der auch einige Pferde verlangte. So weiß der Heimatforscher Dr. Karl Günther Werber zu berichten, dass sich Alfred Oelbermann, wenn er vom Bahnhof abgeholt wurde, ausschließlich mit einer vierspännigen Kutsche fahren ließ. Und die Fahrt ging über eine eigens dafür angelegte Straße hoch zum Schloss.
Während des Zweiten Weltkrieges soll die Anlage als Hühnerzuchtstätte oder Lagerraum genutzt worden seien, nach dem Krieg wurde der Hof zeitweise als Fischkonservierungsfabrik genutzt. Auch der Name wechselte; teilweise finden sich auch Bezeichnungen des Gestüts Hagerhofs als Gut Limpich. Nach Recherchen Werbers ist dies auf eine Flurbezeichnung zurückzuführen.
1951 wurde der Gebäudekomplex von der aus Ostpreußen stammenden Familie Witt gekauft, die dort wieder eine Reitanlage und Stallungen betrieben. 1955 bauten die Witts um., die alten Stallgebäude wurden zu einer Wohnung.
Die Familie Vreden machte kurze Zeit später Bekanntschaft mit den Witts, dem Hof und dem Reitsport. „Durch die Familie Weckbecker kamen wir zum Reiten“, erinnert sich Claus Vreden heute noch. Mit seinen Eltern und drei Brüdern war er daher oft auf dem Hagerhof. „Nach dem Reiten ging es im Reiterstübchen hoch her. Zu vorgerückter Stunde stand auch schon mal ein Pferd im Flur“, erinnert sich Claus Vreden.
Herbert Witt, der damalige Eigentümer, war ein bekannter Springreiter, der an vielen Turnieren teilnahm. Aber: „Nach einer Jagd auf seiner Lieblingsstute kam er zurück zum Hof und starb vor dem Haus einen Herztod", so Vreden. 1989 entschloss sich der Senior der Familie Vreden, Werner Vreden, den Hagerhof zu kaufen. Es folgte eine umfangreiche Sanierung, die knapp ein Jahr dauerte. Kurz darauf verstarb Werner Vreden, sein Sohn Claus zog mit seiner Familie ein. Willi Heidrich pachtete die Reitanlage und führt sie seitdem mit seinem Bruder Karl als Reitschule und Pensionsbetrieb.
Die Familie Vreden ist auch heute noch dem Reitsport eng verbunden. Alle vier reiten, vier Pferde nennen sie ihr Eigen. Claus Vreden wurde zwar Jurist, doch sein jüngster Bruder ist Pferdewirtschaftsmeister geworden - und reitet zahlreiche Turniere.