HÜRTH. Vor mehreren hundert geladenen Gästen hielt Bürgermeister Walther Boecker am Donnerstagabend Rück- und Ausblick. Auf der Gästeliste des Neujahrsempfangs der Stadt im Römersaal des Bürgerhauses standen auch in diesem Jahr 50 zufällig ausgewählte Bürger - diesmal aus Alt-Hürth. Aus diesem Ortsteil stammen auch einige der verdienten Mitbürger, denen der Bürgermeister ohne förmliches Verfahren, aber in würdigem Rahmen ein Dankeschön sagen wollte.
Stimmungskanonen
und Lebensretter
Zu ihren Karnevalsorden darf Agnes Hermes nun die Medaille der Stadt Hürth in die Vitrine legen. Gemeinsam mit ihrer Freundin Grete Berg (83), die aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen konnte, führte die 73-Jährige 20 Jahre lang als Grit und Nies den Karnevalszug mit ihrer Orgel an. Das Duo habe sich als Stimmungskanone einen Namen über die Grenzen der Stadt gemacht, so der Bürgermeister. Darüber hinaus hätten die Freundinnen bei Haussammlungen viel Geld für gute Zwecke zusammengetragen. Agnes Hermes habe sich ferner in der Gemeinde St. Katharina und beim Behindertensportverein engagiert.
Dem Ehepaar Angelika und Heinz Welter sagte Bürgermeister Boecker Dank, weil es wichtige Stütze der katholischen Gemeinde St. Katharina sei. Vor allem bei der Organisation von Kinderfreizeiten brachten sich die Welters ein, aber auch bei der Ortsgemeinschaft könne man sich auf das Ehepaar verlassen.
Eine heldenhafte Tat bescheinigten Klinikärzte aus Schwerin nach den Worten des Bürgermeisters dem Bundeswehrsoldaten Ingo Wabnitz aus Alstädten / Burbach. Im vergangenen Februar hatten Wabnitz und drei Bundeswehrkameraden beherzt als Helfer nach einem Unfall auf der Autobahn 24 in Richtung Berlin eingegriffen. Einem Verletzten, der bei dem Unfall ein Bein verloren hatte, band Wabnitz mit einem Abschleppseil die Wunde ab. Der 22-jährige Hürther hat unter Einsatz seines eigenen Lebens Mut bewiesen und sich um die Rettung dreier Menschenleben verdient gemacht, so Boecker.
Zivilcourage hatten Ende September die beiden Schüler Ufuk Tercanli und Yasin Yirmibes bewiesen, denen der Bürgermeister dafür dankte. Sie waren einem Jugendlichen zur Hilfe geeilt, der an einer Bushaltestelle zusammengebrochen und reglos liegen geblieben war. Weil der Busfahrer nicht anhalten wollte, mussten die Jugendlichen bis zur nächsten Haltestelle mitfahren und mehrere hundert Meter zurücklaufen. Bei der Ersthilfe konnten die Schüler keinen Pulsschlag mehr feststellen. Dem herbeigerufenen Notarzt gelang es mit einem Elektroschockgerät, den Jungen wiederzubeleben.
Optimistischer
Ausblick
Optimistisch gab sich Bürgermeister Walther Boecker in seiner Neujahrsansprache. Der Aufschwung habe Hürth erreicht und für mehr Gewerbesteuereinnahmen und weniger Arbeitslose gesorgt. Die Arbeitslosigkeit sei um 19 Prozent gesunken. Boecker: Heute sind 470 Personen weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Nun müsse alles daran gesetzt werden, die wirtschaftliche Basis weiter zu stärken. Boecker verwies darauf, dass die Stadtwerke in diesem Jahr 34 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren werden.
Als wichtigen Standortfaktor nannte der Bürgermeister die Bildung. 40 Prozent aller städtischen Investitionen würden in den Schulbereich fließen - dort sei aber noch viel zu tun. Auch die Klimapolitik erklärte der Verwaltungschef zum städtischen Anliegen. Mit Projekten wie Wasserstoffbussen, Brennstoffzellenkraftwerk und Geothermie könnten vor Ort Beiträge zum Klimaschutz geleistet werden.