RHEIN-ERFT-KREIS. Während im Märchen meist eine weiße Kutsche das Paar zur Hochzeit transportiert, fuhr am Samstagmorgen ein edler schwarzer Hummer vor dem Bedburger Schloss vor. Dass Reza Rafiee-Tari und Xenia Gushina ihre Hochzeit in weniger als zwei Wochen geplant und organisiert haben, war kaum zu glauben.
Die gebürtige Russin und der 30-jährige aus dem Iran stammende Selbstständige hatten in nur zehn Tagen erhebliche bürokratische Aufgaben zu bewältigen. Sie waren eines von elf Paaren, die sich am 7.7.2007 im Bedburger Schloss das Jawort gaben.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - auf diese einfache Formel lässt sich Rafiee-Taris Bemühungen bringen. Seit drei Jahren sind der 30-Jährige und die 26-jährige Studentin ein Paar. Angedacht war, noch in diesem Jahr zu heiraten. Der Beruf und ein Umzug ließen den Wunsch jedoch in weite Ferne rücken. Letztlich siegte aber doch die Spontaneität. In nur zwei Wochen wurden alle Unterschriften eingeholt, der Termin mit Standesbeamtin Karolin Scheffler ausgemacht sowie Kleid, Anzug und Ringe ausgewählt. Selbst am Samstag sorgte das Paar für Spannung. Um 10 Uhr sollte die Trauung im Bedburger Schloss stattfinden. Nur wenige Minuten davor versammelte sich die Gesellschaft letztlich um das schwarze Wagen-Monstrum, das im Innenhof vorfuhr. Rafiee-Taris Mutter Nazrin Elmi ließ es sich nach der Trauung nicht nehmen, ihrem Sohn ins Gewissen zu reden. Beim nächsten Mal sagt ihr aber rechtzeitig Bescheid, ermahnte sie ihren Sohn. Das sollte kein Problem sein. Die eigentliche Hochzeitsfeier soll erst im nächsten Jahr stattfinden - Zeit genug, um Vorbereitungen zu treffen. Im 30-Minuten-Takt traute Standesbeamtin Scheffler am Samstag die Paare im Bedburger Schloss. Genau 77 Minuten nach 7 Uhr war das erste Paar des Tages zur Tat geschritten. Glück soll die Schnapszahl den jungen Ehepaaren bringen. Nicht umsonst spreche man vom siebten Himmel, erklärte die Standesbeamtin während der Eheschließung. Zu bedenken gab sie auch, dass am selben Datum vor genau 33 Jahren Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Nur zehn Jahre später konnte Boris Becker an dem markanten Datum einen Sieg in Wimbledon verbuchen.
Vielleicht treibt die Paare aber auch ein viel pragmatischerer Grund zum Standesamt. So vergisst man nicht so schnell den Hochzeitstag, scherzte Scheffler.
Nicht genug mit dem schrägen Datum, das sich elf Paare ausgesucht hatten. Um 14 Uhr wurde in Bedburg am Samstag das 77. Paar in diesem Jahr getraut.
Im alten Rathaus von Frechen half Bürgermeister Hans-Willi Meier persönlich seinen Kollegen beim Zwölfer-Hochzeitsmarathon aus. Unter der Woche erst hatte er seine 150. Trauung durchgeführt, so dass ihm die Eheschließung von Christiane Kolberg (23) und Björn Klauke (28) locker von der Hand ging.
Das junge Glück hatte sich schon vor langer Zeit auf die Schnapszahl-Hochzeit festgelegt und den Termin vor einem halben Jahr von Christianes Vater Eugen buchen lassen. Um 7 Uhr morgens stand ich hier Gewehr bei Fuß, erinnert sich der Freude strahlende Kolberg, der sich auch die Flitterwochenziele Mauritius und Dubai entlocken ließ. Gewehr bei Fuß standen nach der Trauung auch die 20 Matrosen von der Marine-Kameradschaft Frechen, die der Tochter ihres Vorsitzenden ein von Chorleiter Volker Müller selbst komponiertes Ständchen brachten. Unter einem guten Stern steht die Ehe der beiden Bachemer aber auch durch den Besuch von Michael Schulz. Der Kölner Schornsteinfeger machte seiner ehemaligen Arbeitskollegin Christiane seine Aufwartung in voller Arbeitsmontur. Das ist in unserer Zunft so üblich und soll dem frischen Bund viel Glück für den gemeinsamen Weg bringen. Auf diesen Weg ging es nach der Zeremonie in einem blumengeschmückten VW-Käfer.
Einem anderen Ehrenpaar hat der 7. Juli schon einmal Glück gebracht: Vor genau drei Jahren lernten sich Marcel (25) und Jana Altmann (27) auf der Arbeit kennen. Für sie stand fest, dass an diesem Tag ihre Liebe auch gesetzlich verankert werden sollte. Daher scheuten sie auch keine Mühen und campierten am Anmeldetag im Auto vor dem Standesamt - und wurden dabei sogar durch eine von besorgten Anwohnern informierte Polizeistreife kontrolliert. Am Samstag bewies das Strahlen der Altmanns, dass sie sich von dem nächtlichen Schock gut erholt und sich das Warten für sie auf jeden Fall gelohnt hatte.