WIPPERFÜRTH / LINDLAR. Wahrscheinlich hat es kaum jemand bemerkt, doch gestern war der Tag des Butterbrotes. Ausgerufen wurde dieser denkwürdige Tag von der Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, kurz CMA. Das Butterbrot, rheinisch oder oberbergisch auch gerne Bütterchen genannt, war früher buchstäblich in aller Munde. Heute scheint es aber an Beliebtheit einzubüßen.
Die Stulle oder Schnitte, in Westfalen oft auch Bütterken genannt, hat es heute nicht mehr so leicht wie noch vor 50 Jahren. Damals galt das weit verbreitete Butterbrot fast als eines der deutschen Nationalgerichte. Im Westen Europas isst man dagegen eher Sandwiches, Baguettes oder andere Weißbrotsorten, während ein klassisches Butterbrot eher aus Graubrotscheiben aus Sauerteig besteht. Mit dem Siegeszug von Toastbrot, Joghurt, Cornflakes und Müsli wird das klassische Butterbrot zunehmend vom Frühstückstisch verdrängt.
Als Zwischenmahlzeit setzen heute Hamburger, Pommes, Donuts oder andere Fast-Food-Gerichte dem guten alten, mit Wurst oder Käse belegtem Butterbrot zu. Schulkinder in den Pausen werfen die liebevoll daheim geschmierten Pausen-Butterbrote oft achtlos in den Abfalleimer, wie Hausmeister und Lehrer vielfach berichten können. Oder sie tauschen es mit Klassenkameraden und Freunden. Immer mehr Schüler haben einen kalorienreichen und die Zähne gefährdenden Schokosnack dabei. Dabei gibt es viele Tricks, wie man ein Butterbrot in seiner geschmacklichen und optischen Attraktivität deutlich steigern kann: Zum Beispiel mit einer Scheibe Tomate oder Gurke, mit Petersilie oder Schnittlauch. Auch die Landfrauen in Lindlar haben tolle Rezepte auf Lager (siehe Kasten). Viele interessante Fragen wirft die intensive Beschäftigung mit dem Thema Butterbrot auf: Zum Beispiel die, warum das Brot meist auf die bestrichene Butterseite fällt, wenn es aus der Hand rutscht. Im Internet findet sich bei Wikipedia ein Erklärungsversuch: Wird ein Butterbrot fallen gelassen, so fällt es meist nicht senkrecht, sondern kippt über den Daumen ab, wird so in eine Drehbewegung versetzt, die bei der üblichen Fallhöhe von knapp einem Meter zu einer Drehung zwischen 90 und 270 Grad bis zum Auftreffen auf den Boden führt. Das Butterbrot findet, nicht zuletzt gewichtsbedingt, seine stabile Lage dann durch die Vollendung der 180 Grad-Bewegung und landet schließlich auf der Butterseite. Übrigens steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Brot auf der Butterseite landet, mit dem Wert des Bodenbelages, auf dem das Butterbrot landet. Dies wohl vor allem deshalb, weil Landungen auf der Butterseite eher von den Versicherungen dokumentiert werden als harmlose Landungen auf der Brotseite.