Was hat Frielingsdorf mit Steuerbefreiung zu tun? Und warum war Egen eigen? Viele Ortsnamen lassen noch heute einiges über die Geschichte und Beschaffenheit der Siedlungen erkennen.
WIPPERFÜRTH / LINDLAR. Die Zeiten, da in Süng Wohnraum durch Brandrodungen geschaffen wurden, sind längst vorbei. Doch noch heute erinnert der Name des Lindlarer Kirchdorfes an die Entstehung des Dorfes. Denn: Süng kommt von Sängen , was so viel wie Verbrennen bedeutet, erklärt Heimatforscher Günter Jacobi, der von der ersten Erwähnung des Ortes als Sune in einem Kämmereiregister von 1413 weiß.
Zusammen mit der Ortsbezeichnung Thier gehöre der Name Süng zu den ältesten Dorfnamen rund um Wipperfürth und Lindlar, sagt Norbert Wegerhoff. Beide Namen gingen auf Bezeichnungen aus der Zeit vor 600 nach Christus zurück. Thier leite sich dabei wahrscheinlich vom keltischen durum ab, was festes Haus bedeute. 1443 wird der Ort erstmals in Quellen des Kölner Apostelstifts erwähnt.
Aus der fränkischen Zeit des 7. bis 9. Jahrhunderts stammten Ortsnamen mit der Endsilbe -dorf wie Dierdorf und solche, die auf -heim endeten, bisweilen auch verkürzt, etwa bei Stüttem oder Büschem . Fränkisch seien auch Ortsnamen mit ingen-Endung wie Schnipperingen und Kemmerich , das bis zur Wipperfürther Amtszeit von Pastor Hamm um die Wende zum 19. Jahrhundert Kemmeringen geheißen habe, so Wegerhoff.
Der Name eines sächsischen Großen, nämlich Dagobert, stand nach Erkenntnissen von Wegerhoff bei der Namensgebung von Däinghausen Pate, während vermutlich ein gewisser Papo dem Weiler Peppinghausen seinen Namen verlieh.
Im Örtchen Berg bei Kapellensüng im Sülztal wohnte im 17. Jahrhundert ein Johann Schlüssel, nach dem das Dorf dem Schlüssel sein Berg und später Schlüsselberg genannt wurde. Dass der Kirchort Egen einst Eigenbesitz gewesen sei, lasse sich heute noch an seinem Namen erkennen, sagt Wegerhoff. Auf die alte Bezeichnung apa für Wasser, so hat Günter Jacobi herausgefunden, gehen dagegen Orte wie Horpe (Hor-apa = Schmutzwasser) und Klespe (klei-apa = Lehmwasser) zurück.
Ein Bachlauf und verschiedene Anwohner gaben ihren Namen den Orten im Tal der Ommer, die in Ommerborn (=Ommerquelle) entspringt. So geht Rölenommer auf einen gewissen Roland zurück, der um 1700 als Roel in der Ommer bezeugt ist. In Kaufmannsommer wohnte im 18. Jahrhundert der Kaufmann, der dem Ort den Namen gab; 1541 wird in einem Erbvertrag derer von Heiligenhoven eine Mühle zur Ommer erwähnt, die Müllersommer den Namen gab.
Das größte Gewässer der Gemeinde Lindlar, die Sülz , leitet sich von der alten Bezeichnung für springendes Wasser, nämlich Sulze ab. Ebenfalls ein unruhiges Gewässer ist die Wipper , deren Name von der Bezeichnung für ein hüpfendes Wasser (wippera) herrührt, während Lennefe ein langsames Wasser bezeichnet und die Orte Kurtenbach und Stoppenbach noch heute an den kurzen (stuppen) Bächen liegen.
Während sich Wipperfürth verhältnismäßig leicht von einer Furt herleiten lässt, ist die Herkunft des Namens Lindlar umstritten. Dass sich die erste Silbe von Lindenbäumen herleite, wie mancher Forscher annehme, sei zu einfach, sagt Günter Jacobi, und plädiert nach Josef Külheim für die Ableitung des 1109 und 1266 in Urkunden erwähnten Ortsnamens Lintlo von Lint für Schmutz oder Sumpf und lo für Gebüsch. 1478 wird der Ort Lyntlayr genannt, die Schreibweise Lindlar setzte sich dagegen erst im 18. Jahrhundert durch.
Auf keine heiligen Wurzeln geht Heiligenhoven zurück. Vielmehr, so Jacobi, habe der Name des Schlosses einen Hof in der Helling, also in der Honschaft Helling, bezeichnet. Daher auch der Name des Hellinger Bachs.
Wilhelm von Nagel, der im 17. Jahrhundert Judith von Katternbach zu Gaul heiratete, verhalf Nagelsgaul zu seinem Namen, während der Verwalter der Kattenbachs, Peter von Duhr, dem Ort Dohrgaul seinen Namen verlieh - eben Duhrs Gaul.
Überhaupt seien um das Jahr 1000 nach Christus viele Orte nach Personen benannt worden, weiß Norbert Wegerhoff. Sohabe Neeskotten seinen Namen vom kleinen Hof (Kotten) einer gewissen Agnes, Jostberg verweise auf einen Jodokus und Schwickers- hausen bei Egen auf einen Suitbertus.
Eine Eigenschaft verband einst alle Bewohner des heutigen Frielingsdorf , sie sollen laut Heimatforscher Josef Külheim von Abgaben an den Landesherrn befreit und damit Frylinge gewesen sein. Bereits 1491 wird der Ort als Frylixdorf erwähnt.
Schmutzig muss es dagegen in Hartegasse gewesen sein. Jedenfalls heiße Horgasse so viel wie Schmutzgasse, sagt Günter Jacobi.
Eine Legende erklärt, wie Kreuzberg zu seinem Namen kam: 1723 seien Leute aus dem Märkischen nach Wipperfürth zur Mette gefahren, als ihnen an der Stelle des späteren Kreuzbergs die Achse ihres Wagens gebrochen sei und sie daraus ein Kreuz geformt hätten.
Seine Lage an der Grenze (haen) zum Märkischen verhalf möglicherweise Remshagen zu seinem Namen, der erstmals 1413 als Remshaen in den Quellen auftaucht.
Einen grundlegenden Unterschied gebe es allerdings bis heute zwischen den Ortsnamen rund um Wipperfürth und denen um Lindlar, sagt Wegerhoff: Lindlar ist klar vom fränkischen Dialekt geprägt, Wipperfürth stärker vom sächsischen.