FORSBACH / RÖSRATH. Ein Pferdehof im Wohngebiet reicht! Mit diesem Ausrufezeichen starteten in diesen Tagen zahlreiche Anlieger der Forsbacher Straße Im Weidenthal eine Offensive gegen eine illegale Pferdeanlage, die bereits seit rund zehn Jahren durch die Akten im Kreishaus und im Rathaus spukt.
Inzwischen landete der Fall der illegalen Idylle, die sich Scheibchen für Scheibchen im Landschaftsschutzgebiet ausbreitete, auch beim Kölner Regierungspräsidenten und sorgte im jüngsten Hauptausschuss der Stadt für Aufsehen.
Ausdehnung auf
etwa 20 Tiere geplant
Auch der Betreiber des legalen Pferdebetriebs Im Weidenthal, Werner Schiffbauer, und die örtlichen Jäger forderten die Stilllegung der Reitanlage, die nach aktuellen Planungen auf cirka 20 Tiere ausgedehnt werden sollte.
Mitte der Woche zog die Rösrather Bauverwaltung nach erneuten massiven Protesten die Notbremse. Fachbereichsleiter Christoph Herrmann: Die Ordnungs- und Beseitigungsverfügung ist in der Mache und wird noch vor dem Wochenende bei der Betreiberin sein. Die Anlage wurde rücksichtslos ausgebaut. Jetzt ist Schluss!
Der frühere Kommunalpolitiker Elmar Nagel kann sich den Umstand, dass die heute als Mobil für Pferd, Reiter und Hund firmierende Anlage von Jennifer Hackenberg (aktuell mit fünf Pferden und zwei Ponys bestückt) so lange existieren konnte, nur damit erklären, dass Originale aus der Akte Batzer / Hackenberg unbegreiflicher Weise abhanden gekommen sind.
Fachbereichsleiter Christoph Herrmann bestätigte der BLZ: Die Akte bricht irgendwo ab. Elmar Nagel freute sich jetzt: Das Amt konnte nun die Akte fast wieder auf den ursprünglichen Stand bringen.
Das Gelände gehört der Erbengemeinschaft Batzer. Karlheinz Batzer ist Stadtkämmerer, Dieter Batzer, der Vater der Betreiberin, Hausmeister der Rösrather Hauptschule.
Kein Klüngel, keine
Einflussnahme
Sowohl Christoph Herrmann als auch Bürgermeister Dieter Happ schlossen auf Anfrage Einflussnahmen und Klüngelei absolut aus. Karlheinz Batzer selbst: Ich habe mich da bewusst nicht reingehängt und in der Sache niemals interveniert. Ich wusste auch nicht, dass die Anlage so groß geworden ist.
Schon am 15. Juli 1996 stellte das Kreisbauamt fest, dass es sich bei dem Pferdeunterstand nicht mehr um einen genehmigungsfreien Unterstand zum vorübergehenden Schutz von Tieren handelt.
Jagdgenossenschaft und Anliegern, darunter der Rechtsanwalt Dr. Peter Kleppe und der Kinderarzt Dr. Josef Kirchner, missfielen die skrupellos in die Landschaft gesetzten Unterstände und Gebäude, die ungeregelte Mistentsorgung, fehlende Entwässerung und fehlende Toiletten, aber auch Querfeldeinritte durch den Wald und damit angerichtete Bodenerosionsschäden, ein Wertverlust des Jagdreviers und das Rangieren der Pferdeanhänger. Bei einer über die Landwirtschaftskammer angedachten Privilegierung befürchteten die Bürger einen weiter wachsenden Zu- und Abfahrtsverkehr in ihrem engen Wohnbezirk. Der Publikumsverkehr wird heute schon als untragbar beschrieben, zuletzt fanden ein Herbstfest, ein Martinsumzug und ein Martinsfeuer dort statt.
Mitte der Woche schloss die Landwirtschaftskammer nun im Erörterungsgespräch mit der Stadt Rösrath eine Privilegierung und Legalisierung des Hofes aus. Christoph Herrmann: Keine Chance.
Der CDU-Ratsherr Dieter von Niessen will unterdessen von der Verwaltung wissen, warum Rösrath nach Überstellung der Akten durch das Kreisbauamt nicht sofort Maßnahmen getroffen hat, um den Betrieb einzuschränken oder still zu legen.
Jennifer Hackenberg wollte auf BLZ-Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben.