An ihre unverhoffte Popularität hat sich Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt bis heute nicht gewöhnt. Wenn die Pressesprecherin der Kölner Anklagebehörde in der Innenstadt einkaufen geht, wird sie regelmäßig von wildfremden Menschen gegrüßt und sogar mit ihrem Namen angesprochen. Da werde ich dann schon mal dafür gelobt, dass wieder etwas aufgedeckt worden ist. Oder jemand will mir einen gut gemeinten Hinweis geben. Die meisten denken, dass ich die Fälle, über die ich in den Medien Auskunft gebe, auch alle selbst bearbeite, bemerkt die Juristin schmunzelnd.
Zu ihrem 65. Geburtstag, den sie vor wenigen Tagen feierte, bekam sie sogar Glückwünsche von einem lieben Menschen, den ich gar nicht kenne. Kein Wunder, denn seit zehn Jahren ist Regine Appenrodt das Gesicht der Kölner Staatsanwaltschaft - einer Behörde, die auf viele Bürger eher unzugänglich, ja Respekt einflößend wirkt. Durch ihr offenes, ruhiges Auftreten und ihre sachlichen und kompetenten Statements hat Appenrodt viel an diesem Image geändert.
Spektakuläre Fälle wie die Müll- und Spendenaffäre, Korruptionsskandale in den Kommunen, Kapitalverbrechen oder schwere Unfälle wie zuletzt auf der Wiehltalbrücke haben sie bundesweit bekannt gemacht. Nachdem TV-Interviews bei der Staatsanwaltschaft lange Zeit streng verpönt waren, war Regine Appenrodt die Erste, die, ermuntert durch ihren neuen Chef Jürgen Kapischke, vor die Kameras trat. Zuerst hatte ich schon ein wenig Lampenfieber, aber inzwischen ist das für mich Routine, erinnert sie sich.
Pionierin war Regine Appenrodt von Anfang an: Nach der legendären Kapitalermittlerin Maria Mösch (bekannt als Bloody Mary) war sie 1967 die zweite Frau überhaupt, die bei der Kölner Staatsanwaltschaft eingestellt wurde. Bis in die 90er Jahre bearbeitete sie hauptsächlich Jugendverfahren: In dieser Zeit hat sich viel verändert. Nicht nur die Zahl der Fälle ist stark gestiegen, auch die Skrupellosigkeit bei Rauben und Körperverletzungen hat zugenommen, resümiert sie. Vor allem Gewalt gegen Kinder und ältere Menschen geht der Juristin bis heute an die Nieren. Das schüttelt man nicht so leicht ab.
Als sie 1994 die Pressearbeit der Anklagebehörde übernahm, war das eine Aufgabe, um die sich nicht gerade viele Kollegen rissen. Auch Appenrodt wusste da noch nicht, was auf sie zukam: Die Zahl der Medienanfragen hat seitdem immer weiter zugenommen. Während des Müllskandals gab es Tage, an denen das Telefon bis in den späten Abend nicht stillstand. Sogar mitten in der Nacht riefen Journalisten schon zu Hause bei ihr an. Doch die Oberstaatsanwältin kann das nicht aus der Ruhe bringen: Das ist halt meine Aufgabe.
Für den oftmals schwierigen Spagat zwischen öffentlichem Informationsinteresse und noch laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hat sie ein felsenfestes Prinzip: Ich versuche so umfassend und genau zu informieren, wie das möglich ist. Aber ich plappere nichts aus, wenn ich nicht von meinen Kollegen die Erlaubnis habe. Das brachte ihr auch im eigenen Haus viel Anerkennung ein. Wenn Regine Appenrodt nun am 30. September nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand geht, wird das von ihren Kollegen, aber auch von vielen Journalisten sehr bedauert.
Fester Rückhalt in stressigen Zeiten war für Regine Appenrodt immer ihre Familie, auf die sie riesig stolz ist (alle außer mir und dem Hund sind promoviert). Im Ruhestand hofft sie nun auf mehr gemeinsame Zeit mit Ehemann Detlev und Golden Retriever Charly. Außerdem will die begeisterte Blumen- und Musikliebhaberin häufiger am Klavier üben: Das Spielen habe ich mit 50 angefangen.