Als er in den Ruhestand trat und Subsidiar an St. Engelbert in Riehl wurde, legte sich Dr. Johannes Westhoff eine Jahreskarte für den Zoo zu: Den schätzt er vor allen Dingen zum Spazierengehen. Auch den Wochenmarkt vor seiner Haustür mag er, und die Gemeinde empfindet Westhoff als sehr angenehm. Dem 76-Jährigen geht es augenscheinlich gut. Am 23. März feiert er nun sein goldenes Priesterjubiläum.
Seine Ausbildung zum Priester absolvierte der gebürtige Düsseldorfer in Bonn und am berühmten Jesuitenkolleg Canisianum in Innsbruck; zwei weitere Jahre verbrachte er für seine Promotion an St. Martin in Gnadenwald. 1960 wurde Westhoff Kaplan in Büderich (bei Düsseldorf), 1964 wechselte er nach Rom als Seelsorger der deutschen Gemeinde Anima - das war zur Zeit des 2. Vatikanischen Konzils ein spannender Ort mit interessanten Leuten (etwa Josef Frings, Johannes Dyba, Joseph Ratzinger).
1967 meldete sich Westhoff zurück beim Personalchef des Generalvikariats, und der empfahl ihm die freie Pfarrerstelle in Köln-Kalk. Das war etwas, was sie nicht loskriegten, schmunzelt der Geistliche, aber das habe ich erst später erfahren. Rom, das war privilegiert und weltläufig; eine deutsche bürgerliche Pfarrei hätte er deutlich als Abstieg empfunden. So wählte er das exakte Gegenteil, den Arbeiterstadtteil Kalk - und erlebte dort beruflich die glücklichsten Jahre.
Die ersten sieben Jahre waren geprägt vom Entstehen der Krabbelmesse, die jeden Sonntag für Eltern mit Kindern angeboten wurde. Das war ein toller Anfang zum Gemeindeaufbau, erinnert sich Westhoff dankbar. Die zweite Säule bildete sich sieben Jahre später mit der damals neuen Gemeindekatechese, die dritte weitere sieben Jahre später, als Pater Gottlieb Lietz junge Leute zwischen 20 und 25 zum Thema Musik um sich scharte. Das geschah jedes Mal zum richtigen Moment.
Dann wechselte Westhoff - auch weil die gleichzeitige Belastung durch sein Amt als Stadtdechant zu viel wurde - als Pfarrer nach St. Maria im Kapitol. Die Belebung der Innenstadtkirchen (Thema: Musik) lag ihm besonders am Herzen. Die Qualität katholischer Kirchenmusik ist sehr gestiegen, hat er festgestellt; gleichzeitig wurden die Kirchen aber auch Orte für nichtliturgische Musik mit hervorragenden Ensembles.
Er war nie gern an Schulen, weder als Schüler noch (in Rom) als Lehrer. Zu meiner Überraschung habe ich die Verwaltungsarbeit ganz gut gemacht, sagt er. Am meisten mit Freude erfüllt hat ihn aber damals in Kalk zu sehen, wie sich eine Gemeinde mit Leben erfüllt: Das war das Erlebnis, dass um einen herum ein Garten wächst.