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Das Grab wird in Lindlar zum Luxus

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LINDLAR. „Mit Entsetzen und großer Sorge haben wir diese Zahlen zur Kenntnis genommen. Wir kommen wohl nicht um eine Gebührenerhöhung herum“, erklärte Elisabeth Broich von der CDU-Fraktion, nachdem Kämmerer Werner Hütt bei der jüngsten Sitzung des Lindlarer Friedhofsausschusses die neuesten Zahlen vorgetragen hatte.

Auch Bürgermeister Dr. Hermann-Josef Tebroke räumte ein, dass die Gebührenerhöhung der Verwaltung ziemliche Kopf- und Bauchschmerzen verursache.

Heinz-Dieter Grüsges (SPD) ließ sich gar zu der folgenden Bemerkung hinreißen: „Bei den hohen Grabgebühren, die wir haben, trauen sich die Leute in Lindlar nicht mehr zu sterben.“

Doch die Höhe der Gebühren weist durchaus auch eine demographische Komponente hin, das verdeutlichten die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Die Lindlarer werden immer älter, es sterben weniger Menschen, und es werden weniger auf Lindlarer Friedhöfen beerdigt. Wurden 2001 noch 174 und im Jahre 2005 noch 166 Menschen auf den gemeindlichen Lindlarer Friedhöfen beerdigt, so waren es 2006 nur 152. Friedhelm Schwirten sprach auch von einer von „Beerdigungstourismus“. Es sei bekannt, dass manche Lindlarer auf dem kirchlichen Friedhof in Hohkeppel oder auf dem Ründerother Friedhof beerdigt würden. In Hohkeppel koste es im Vergleich zu Lindlar nur die Hälfte, hieß es.

Nach Vorschlägen der Verwaltung sollen die Bestattungsgebühren für die gemeindlichen Friedhöfe 2007 steigen: Bei Reihengräbern steigen die Gebühren von derzeit 552 Euro auf dann 650 Euro, bei Familiengräbern (je Stelle) von derzeit 1591 Euro auf dann 1700 Euro, bei Urnenreihengräbern von 390 Euro auf 450 Euro, bei Urnenwahlgräbern von derzeit 734 Euro auf 850 Euro, und bei anonymen Urnengräbern von 207 Euro auf 400 Euro.

Zum Vergleich dazu waren die im Dezember 2006 ermittelten Durchschnitts-Gebühren im Oberbergischen Kreis aufgeführt, die bei Kindergräbern deutlich höher, in allen anderen Bereichen aber meist niedriger lagen: Reihengräber 575 Euro, Familiengräber je Stelle 1052 Euro, Urnenreihengräber 402 Euro, Urnenwahlgräber 540 Euro, anonyme Urnengräber 480 Euro.

Dr. Susanne Freese (Bündnis 90 / Die Grünen) sprach im Zusammenhang mit den Lindlarer Friedhofsgebühren sogar von „Abzocke“, doch dies wies Kämmerer Werner Hütt entschieden zurück. „Wir können die Gebühren senken, aber dann müssen wir auch die Standards deutlich senken. „Warum eigentlich nicht, nur zu“, antwortete darauf Dr. Freese.

Überhaupt regten verschiedene Ausschussmitglieder an, darüber nachzudenken, in welcher Form in Lindlar Verstorbene zukünftig bestattet werden können. Dr. Susanne Freese (Bündnis90 / Die Grünen) beantragte, die Reserveflächen der gemeindlichen Friedhöfe als potenzielle Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen und später, falls erwünscht, als Bestattungsort, als eine Art „Friedwald“ zu nutzen. Begründung: „Auf freien Friedhofsflächen können Aufforstungen mit Eichen oder Buchen vorgenommen werden“. Auf längere Sicht könnten dort am Wurzelwerk der Bäume anonyme Urnenbestattungen durchgeführt werden. Dass dies ökologisch kein Problem darstelle, bewiesen viele bereits vorgenommene Beisetzungen dieser Art in anderen Kommunen, so Dr. Freese.

Diese zukünftigen „Baumgräber“ kämen dem Bedürfnis vieler Mitbürger nahe, in dieser Form bestattet zu werden, so der Antrag. Friedhelm Schwirten sprach auch von Urnenwänden oder Urnennischen, wie er sie bei einer Besichtigung auf einem Bergisch Gladbacher Friedhof gesehen habe.

Am Ende wurde die Erhöhung, mit einer Gegenstimme, mehrheitlich beschlossen.

Der Gemeinderat wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 28. Februar, um 17.30 Uhr im Ratssaal Alte Schule mit der Gebührenkalkulation des Bestattungswesens in Lindlar befassen.