KÖLN. Lag es an Halloween? Oder warum wirkte David Bowie zunächst ein bisschen neben der Spur? 15 000 Besucher in der ausverkauften Kölnarena sahen in den ersten Minuten des zweistündigen Konzerts einen vor sich hin albernden 56-Jährigen, der sich erst in seinem Mikrofonkabel verhedderte und sturzreif stolperte. Dann pickte er sich selbst mit einem schwarzen Plastikraben in den Hals.
Böse Geister werden die Szene als Anspielung auf die Vorgruppe verstanden haben, denn mit den Dandy Warhols hatte sich Bowie ein schauriges Gruselkabinett eingeladen. Einfach grottenschlecht. Zia McCabe, die als Pippi-Langstrumpf-Verschnitt auf die Tasten drückte, bekam ausgerechnet bei „Bohemian like you“ - dem einzigen Hit der Gruppe - ihr Instrument nicht in den Griff. Abbruch mitten im Lied. Was dann folgte, war ein AC / DC-Cover von „Hells Bells“, das noch nicht mal unter hyperaktiven Kindern für Bewegung gesorgt hätte.
Bowie dagegen fängt sich nach seinen Anfangs-Mätzchen, ebenso der Tontechniker am Mischpult: Nach dem kraftvollen Auftakt mit „Rebel Rebel“ ist Bowies klarer Gesang gut verständlich, während der wuchtige Sound seiner exzellent besetzten Band wohl manchen Kollegen vor Neid erblassen lassen dürfte. Kraftvolle Chöre, verspielte Gitarrensounds und sphärische Klangteppiche aus dem Synthesizer vereinen sich da zur typischen Bowie-Musik, die an diesem Abend nie Gefahr läuft, überladen zu klingen. Vorne steht der singende Meister, lässig in Turnschuhen, Jeans und mit der obligatorischen blonden Haarsträhne im Gesicht. Vorbei sind die Zeiten, wo Bowie den Maskenmann der Popmusik spielte.
Kaltes Scheinwerfer-Licht und schneeweiße Äste rechts und links von der Bühne verstärken jene kühle Leidenschaft, die Bowie mit seiner einzigartigen Aura versprüht. Der Engländer mit dem blassen Teint bleibt selbst beim fulminanten „Hello Spaceboy“ ganz der Alte, als es in den Unterrängen 20- und 60-Jährige erwischt: Die Masse tobt.
Bowie, seit fast 40 Jahren im Geschäft, gibt umfangreichen Einblick in sein Gesamtkunstwerk. Dass kein einziger Song aus dem Album „Hours“ dabei ist, fällt nicht negativ ins Gewicht. Neue Songs der jüngsten Alben „Heathen“ und „Reality“ bestehen neben Klassikern wie „China Girl“, „Ashes to Ashes“ oder „Heroes“. Was Bowie macht, ist höchste uKnst: Zuweilen komplizierte, aber immer zugängliche Arrangements. Einfach heldenhaft.
