Im Leben von Dieter Meyer aus Kreuzau spielt eine Dame namens Verona eine große Rolle. Sie gebe ich für kein Geld der Welt her. Und das trotz der bemerkenswert langen Ohren der Schönheit.
Die Eseldame Verona weiß genau, wie sie sich mit ihrem weißen Fell, den großen, seelenvollen Augen und den zierlichen Hufen wirkungsvoll in Szene setzt. Für ihr Herrchen ist sie einfach der Superstar.
Dabei hatte Veronas Leben recht dramatisch begonnen. Ihre Mutter Mechi brachte sie mitten in einem Wolkenbruch zur Welt und war wahrscheinlich durch die Umstände der Geburt derart gestresst, dass sie ihr Baby nicht annahm. Dieter Meyer wollte das hilflose Geschöpf nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Er nahm es mit nach Hause, um es aufzuziehen.
Dies bescherte ihm ungeheuer viel Mühe. Jede Stunde musste das Eselbaby sein Fläschchen mit spezieller Fohlenmilch haben - auch nachts. Wenn Meyer unterwegs war, nahm er fortan seine kleine Eselin einfach mit. In einem Köfferchen hatte er stets die Milch dabei. Bei den Autofahrten saß das Tier in den ersten Monaten meist auf dem Schoß von Meyers Bruder Heinz . Klar, dass sie auch mit in die Wohnung kam. Besonders liebte sie in dieser Zeit das Fernsehen - vom Sofa aus! Schon als Kind begeisterten die Tiere den inzwischen 65-jährigen Kreuzauer. Doch erst 1960 konnte er sich die ersten anschaffen. Damals waren es Ziegen, Schafe und Shetlandponys. Dann aber kamen die Esel hinzu, und die waren ihm immer am liebsten, weil sie sich an Menschen anschließen können - fast wie Hunde, behauptet er. Sie geben es einem ein Leben lang zurück, wenn man sie gut behandelt. Und das kann in einem Eselleben an die 40 Jahre dauern.
Inzwischen ist Meyers Eselherde jedoch geschrumpft. Nur noch Hengst Elvis mit Tina und Mosi bilden die Gesellschaft seiner Herzenseselin Verona. Diese weiß anscheinend genau um ihre Sonderstellung, denn auf der Weide beachtet sie ihre Artgenossen nicht sonderlich. Wenn sich jedoch ihr menschlicher Eselpapa nähert, läuft sie ihm laut schreiend und freudig entgegen. Dann weiß sie auch meistens: Jetzt geht es wieder op Jöck.
Nichts liebt Verona mehr, als dort zu sein, wo richtig was los ist. Denn die kleine Eselin war es ja von Anfang an gewohnt, von Menschen beachtet und gestreichelt zu werden, weil Meyer sie anfänglich notgedrungen überall mit hinnahm. Schon mit ein paar Wochen hatte sie ihren ersten Auftritt am Himmelfahrtstag in Köln auf der Domplatte. So gewöhnte sich das Tier auch an viele Menschen, denn Aufsehen erregte Meyer mit seiner ungewöhnlichen Begleitung ohnehin, egal, wo er erschien. Und wenn es während des Papstbesuchs im Kölner Dom war. Da trug sie auf dem Rücken eine rote Decke mit dem Abbild des segnenden Benedetto und war bei Pilgern aus aller Welt die Attraktion.
Auch im Heimbacher
Zoch dabei
Inzwischen ist Verona so etwas wie ein Superstar unter den deutschen Eseln geworden. Nicht nur, dass sie sich in möglichst großem Trubel unter vielen Menschen besonders wohlfühlt. Entgegen der Sturheit und damit Ungelehrigkeit, die diese Tiere normalerweise auszeichnet, ist Verona völlig anders. Geradezu begeistert zeigt sie Kunststückchen und lässt sich bewundern. Auf Kommando springt sie auf die Hinterbeine oder sie trompetet mit voller Lautstärke. Dabei habe sie immer Späßchen im Kopf, kurz gesagt, sie sei ein richtiges Schlitzohr, so Meyer.
Große Auftritte bei Karnevalsumzügen - zuletzt führte sie den Zoch von Heimbach an -, bei Weinfesten in Dernau beim Umzug mit den alten Herren oder dem Eigelsteinfest in Köln und sogar Prozessionen gehören inzwischen zum Programm. Auch viele Besucher von Jahrmärkten haben die beiden schon erlebt. Immer tritt Meyer in passenden Kostümen auf und seine Eselin erscheint blitzblank gestriegelt in feinem roten Geschirr mit polierten Hufen. Und überall bei den gemeinsamen Auftritten sind Groß und Klein geradezu entzückt, der Applaus klingt begeistert.
Meyer hat mit seiner Eselin in Zukunft noch einiges vor. Obwohl eigentlich im Rentenalter, ist bei ihm von Ruhestand nichts zu spüren. Ich war schon immer ein verrückter Hund, man nannte mich Panzer Meyer, schmunzelt er. In seinem Heimatort ist er als Original bekannt. Vor einigen Jahren verlor er zeitweise seinen Führerschein. Kurzerhand besorgte er sich einen kleinen Traktor, lackierte ihn knallrot und tuckerte fortan mit 6 km / h durch die Gegend, sogar bis in die Stadt Aachen.
Auch rein äußerlich fällt Dieter Meyer auf: lange Haare und ein fescher Schnurrbart lassen ihn ein bisschen verwegen aussehen. Und aus seinen blauen Augen blitzt der Schalk.
Künftig beabsichtigt er, mit seiner Verona durch Deutschland zu ziehen. Als nächstes hat er sich Besuche in den Zoologischen Gärten vorgenommen. Und zwischendurch wird er sich bei Spaziergängen mit seiner Verona von all dem Trubel erholen, den jedoch beide genießen: der Mann und sein Esel.