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Den Rektor zieht es in die Ferne

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HÜRTH. Jens Erner ist ein erfahrener Lehrer. Seit über 13 Jahren unterrichtet der scheidende Leiter der evangelischen Bodelschwingh-Schule in Alt-Hürth bereits Grundschulkinder. Doch auf seine neue Stelle ist der 40-jährige Pädagoge ähnlich gespannt wie ein i-Dötzchen auf den ersten Schultag: Erner wechselt zum 1. März an die Alexander-von-Humboldt-Schule in Lima.

An der deutschen Schule in der Hauptstadt von Peru unterrichten 140 Lehrer. Viele von ihnen kommen aus Deutschland und haben sich für drei oder sechs Jahre nach Südamerika abordnen lassen. Die Hälfte der 1400 Schüler aller Altersgruppen lebt in Familien, von denen mindestens ein Elternteil deutschstämmig ist. Erner ist einer von sechs Lehrern aus Deutschland, die im März ihren Dienst in Lima antreten.

„Ich hab schon immer davon geträumt, einmal eine Zeit lang ins Ausland zu gehen“, erklärt der gebürtige Siegerländer, der 1996 seine erste Stelle in Hürth-Fischenich antrat und 2000 nach Alt-Hürth wechselte. „Doch es war nie der richtige Zeitpunkt dafür.“

Perfekt sei der Termin immer noch nicht, räumt Erner ein. „Seine“ Schule wird ihn vermissen; sie hat gerade den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern begonnen, außerdem steht ein Umbau an. Und die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. „Man muss verrückt sein, um eine so tolle Schule wie diese hier zu verlassen“, sagt Erner schmunzelnd, „aber ich bin jetzt 40 Jahre alt. Wenn ich jetzt nicht gehe, dann wird das für immer ein Wunsch bleiben.“

Die Stelle in Peru hat ihm das Bundesverwaltungsamt in Köln vermittelt. Dort ließ sich Erner in eine Datenbank für „Auslandsdienstlehrkräfte“ eintragen, aus der sich die Leiter der deutschen Schulen im Ausland ihre Bewerber aussuchen können. Dass es Lima wurde, war Zufall. Erner: „Ich hab mich weltweit beworben. Für Grundschullehrer gibt es nicht so viele Auslandsstellen.“

Im Januar vor einem Jahr fand in Köln das Vorstellungsgespräch statt; zu Karneval 2008 bekam er die Zusage. Dann kam der schwierigste Teil. „Die drei größten Hürden waren, es meinen Eltern, den Kindern und der Schule beizubringen“, erinnert sich Erner. Vor allem vor dem Gespräch mit Niklas (10), Jan (8) und Leonie (6) habe er Respekt gehabt. Doch der Nachwuchs war Feuer und Flamme - als der Vater klarstellte, dass er nicht allein weggehen würde.

Seit einem Jahr also bereiten sich Jens Erner und Ehefrau Bianca, eine gelernte Reiseverkehrskauffrau, mit ihren Kindern auf den Umzug an die Westküste Südamerikas vor. Der Grundschullehrer absolvierte Seminare beim Bundesverwaltungsamt. Die Behörde zahlt den Umzug, organisieren muss ihn das Ehepaar selbst. „Dabei hat die neue Schule sehr geholfen“, sagt Erner. Über das Internet hat er Kontakte zu künftigen Kollegen geknüpft.

Spanisch lernten die Erners bei der Mutter eines Schülers, die aus Argentinien stammt. „In der Volkshochschule hätte das zu lange gedauert“, ist Jens Erner sicher. Die Wohnung in Brühl-Vochem ist gespickt mit Zetteln, auf denen Vokabeln stehen. Möbel indes gibt es dort nicht mehr viele. Die Familie hat ihre Habseligkeiten vor zwei Wochen in einen Überseecontainer gepackt, der auf dem Weg nach Peru ist

Der Countdown läuft. Am Samstag wird in Düsseldorf der Flieger starten. Die Uhrzeit will Erner nicht verraten - aus Sorge, es könnten am Flughafen allzu viele Taschentücher geschwenkt werden. Seit Wochen befindet sich die Familie auf Abschiedstour. Es wird ein Abschied für länger: Erst nach zwei Jahren zahlt das Bundesverwaltungsamt einen Heimatflug.

Doch für Schwermut ist jetzt eh keine Zeit. „Bei uns herrscht eine Riesen-Aufbruchsstimmung.“ Doch der Auswanderer auf Zeit weiß, dass der Moment kommen wird, an dem klar wird, „dass das kein Urlaub ist“.

Die Familie stellt

sich auf neue

Spielregeln ein

Vieles wird anders sein in Peru. Die Familie werde viel von ihrer „persönlichen Freiheit“ einbüßen, vermutet Erner. „Dass die Kinder mal eben allein in die Stadt zur Pizzeria laufen, wird dort aus Sicherheitsgründen nicht möglich sein. Wir werden sie an die Hand nehmen müssen.“

Das 300 Quadratmeter große Haus der Familie steht in einem abgeschotteten Stadtteil, in dem vor allem für peruanische Verhältnisse wohlhabende Ausländer leben. Große Angst vor Kriminalität oder dem „Wahnsinns-Verkehr“ hat der Lehrer aber nicht. Er weiß: „Man muss sich eben an gewisse Spielregeln halten.“

In spätestens sechs Jahren wird die Familie Erner nach Deutschland zurückkehren - mindestens für ein Jahr: Solange dauert es, bis deutsche Lehrer abermals ins Ausland abgeordnet werden können.