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Den Tigern nie den Rücken zuwenden

5 min

LINDLAR. Dominic Fischer ist 19 Jahre jung und Europas jüngster Raubtierdompteur. Als einer der Stars des Circus Althoff wohnt er übers Wochenende im Wohnwagen an der Vossbruchhalle,wo die Zirkusleute ihr großes Zelt aufgebaut haben. Gestern, bei der Premiere, trat er erstmals mit seinen acht großen bengalischen Tigern in Lindlar auf, in der Manege des Zirkuszelts.

Während andere Jungs in Dominics Alter sich für schnelle Autos oder ihren Computer interessieren, schmust Dominic Fischer lieber mit seinen Katzen. Doch das kuscheln mit den bengalischen Tigern ist sicher nicht jedermanns Sache, und auch nicht jedem zu empfehlen. Sein schwerstes „Kuscheltier“ heißt „James“,ist der Boss des Tigerrudels und bringt 280 Kilogramm auf die Waage.

Vater und Mutter

für die Tiger

Die in etwa gleichaltrigen Tiger Rani, Layla, Dunja und James hat Dominic Fischer vor sechs Jahren selbst mit der Milchflasche großgezogen und war für sie Vater- und Mutterersatz zugleich.

Manchmal durften die Tiger sogar in seinem Bett im Wohnwagen schlafen, doch sie wurden mit der Zeit natürlich kräftiger, und seit dem Tag, an dem es Tigermädchen Layla mal gelang, Dominic nachts aus seinem Bett zu schubsen, muss auch sie im Raubtierwagen schlafen.

Als Laie denkt man, dass der junge Dompteur von den vier großen Tiger, die er selbst aufgezogen hat, weniger Gefahr erwarten kann. Doch es ist genau umgekehrt, denn diesen vier Tigern fehlt die nötige Distanz, die die anderen vier Tiger Tyson, Aysha, Dana und Tiffi, dem Dompteur gegenüber zeigen.

„Ich muss aber ohnehin immer alle acht Tiere im Blick haben. Man darf keine Angst zeigen, man muss aber immer Respekt zeigen. Man darf ihnen eigentlich auch nicht den Rücken zukehren, weil einen dann die Tiger einfach anspringen könnten. Es sind halt immer noch Raubtiere“, sagt Dominic Fischer.

Seine acht Tiger sind, wie er erzählt, zwischen anderthalb und acht Jahren alt. Tiger können aber bis zu 20, 25 Jahren alt werden. Der Circus von René und Patrizia Althoff aus Triebes bei Gera in Thüringen legt großen Wert auf möglichst artgerechte Haltung seiner Tiere. Deswegen reist im Zirkus auch ein riesiges Wasserbassin von 24 000 Litern Fassungsvermögen mit. „Die Tiger schwimmen und tauchen sehr gern“ sagt Dominic Fischer dazu. Zusätzlich zu den acht großen Tigern reisen im Raubtierwagen auch zwei ganz kleine Tiger mit, die erst fünf und sechs Wochen alt sind und noch keine Namen haben.

Sie wirken süß und putzig und sind die Lieblinge der Kinder , die am Raubtierwagen und am Gehege vorbeikommen und zuschauen wollen. Doch auch die beiden kleinen Tiger können schon bedrohlich fauchen.

Fressen bekommen die Tiger, genau wie die Löwen, erst abends, nach der letzten Vorstellung. „Würden wir sie schon nachmittags füttern, wären sie bei der Aufführung viel zu träge“, erklärt Dominic Fischer.

Eine Vorstellung in der Manege mit hungrigen Tigern also? Manchen schaudert es, andere finden es sicherlich aufregend. Dominics älterer Bruder, Tierlehrer Michael Fischer, 36 Jahre, steht außerhalb der Manege, fürs Publikum nicht bemerkbar, für den Fall der Fälle bereit, falls mal beim Auftritt etwas schief läuft. Umgekehrt läuft es, wenn Michael Fischer mit seinen großen Berber-Löwen auftritt. er soll der einzige sein,der sich mit fünf männlichen Löwen in die Manege traut. Dann wacht Dominik im Hintergrund.

Doch in der Manege selbst, während der 15-minütigen Aufführung, ist Dominic mit seinen acht Tigern ganz allein. Mit Bambusstock und Peitsche bringt er die geschmeidigen, schönen Tiere dazu, das zu tun, was Dominic will. Dann laufen die Raubkatzen über Balken, stellen sich auf ihre Hinterpfoten. „Ältere Damen halten sich bei meiner Show manchmal die Augen zu“, verspricht Dominik Fischer.

Die offensichtlich vor Kraft strotzenden Raubtiere springen am Morgen vor der Premiere behände aus dem Raubtierwagen ins umzäunte Gehege. Schon mal zanken und zoffen sich die mächtigen Tiger. Da gehen wir natürlich nicht dazwischen, das wäre zu gefährlich, die Tiger regeln das unter sich“, erzählt der junge Dompteur. Dann beweist er, am frühen Morgen vor der Premiere, so nebenbei seinen Mut: Tiger-Boss James hat im hoch umzäunten Gehege auf dem Grasboden an der Vossbruchhalle offenbar ein Stück altes, rostiges Drahtband ausgebuddelt und beginnt damit zu spielen. Die anderen Tiger wollen mitspielen.

Tiger und

ihr Spielzeug

Damit sich die Tiger nicht verletzen, brüllt Dominic die Tiger an, ruft ihre Namen, langt mit dem ausgestreckten Arm durch das Gitter und will den Tigern ihr Spielzeug, das rostige Drahtband, wegnehmen. Das ist gar nicht so einfach, da James sein rostiges neues Spielzeug zunächst nicht loslassen will. Schließlich gelingt es dem jungen Mann aber doch noch, das ungeeignete Spielzeug aus dem Gehege zu ziehen. „Die Tiger hören, wenn man sie ruft, schon auf ihre Namen. Allerdings längst nicht so gut, wie etwa Hunde“, erläutert er.

Nach der Abendvorstellung bekommen die Tiger ihr Fressen. Fünf bis acht Kilogramm Rindfleisch braucht jeder einzelne Tiger am Tag. Außerdem sind die bengalischen Tiger extrem durstig. Doch neben all diesen Tigergeschichten darf man nicht vergessen, dass der Althoff noch weit mehr bietet: So etwa den Feuerspucker Raschid, der Feuersäulen von über sieben Metern in die Höhe spuckt. Zirkusdirektor René Althoff selbst ist berühmt für seine Pferdedressurnummern. Heute beginnen die Vorstellungen um 15.30 Uhr und um 19 Uhr, am Sonntag um 11 und um 15 Uhr und am Montag um 15 Uhr.

www.circus-rene-undpatrizia-althoff.de