LINDLAR. „Versöhnung ist mehr als ein Racheverzicht: Sie ist der Beginn von Freundschaft und markiert eine Wende“, erklärte Elisabeth Broich am Samstag bei der Einweihung des „Denkmals der Versöhnung“ um 14 Uhr nahe des „decken Herrgott“ im Brungerst. Dieses erinnert an Victor Rutkowski, einen amerikanischen Piloten, der am 15. Oktober 1944 mit einem Fallschirm zwischen Siebensiefen und Linde-Bruch landete und von den Nazis getötet wurde.
„Schon vor einigen Jahren kam uns die Idee zu dem Denkmal“, erklärt Elisabeth Broich, die mit Hilfe der Gemeinde Lindlar und Pastor Josef Rottländer die Denkmalserrichtung organisierte. Die Materialien dafür spendeten die Basalt AG Bergisch-Westerwälder Harsteinwerke aus Linz, der Bergische Grauwacke Steinbruchbetrieb und die Wolf Bauunternehmung.
Den Opfern ein
Gesicht geben
Der Lindlarer Bildhauer Gottfried Mauks errichtete das Denkmal schließlich nach Vorgaben des Künstlers Horst Eickers aus Gummersbach: „Das Motiv des Denkmals ist vergleichbar mit einer Kreuzwegstation“, erklärt dieser. Doch während Jesus auf solchen Bildern den Kopf zumeist gesenkt halte, schaue der Pilot, der durch eine Pilotebrille zu erkennen ist, nach oben, wodurch Hoffnung, eine Wende, ausgedrückt werde, so Eicker. „Die beiden hohlköpfigen Gestalten daneben, von denen einer ein Hakenkreuz trägt, stellen die vom Rassenwahn verblendeten Nazis dar“, so Broich.
Für die Einweihung des Denkmals war einer der beiden Brüder, Richard Rutkowski, mit Tochter aus den USA angereist. In einer Ansprache während der Denkmalseinweihung bedankte er sich für die Bemühungen der Lindlarer Bürger. In seiner Rede sagte er: „1944 herrschte in der Welt Chaos. Viele Menschen waren an Orten, an denen sie nicht sein wollten: Ich war in Florida und lernte Torpedoflugzeuge fliegen. Das war nicht mein Wunsch. Mein Bruder Victor, ein friedliebender junger Mann, war hier im Krieg. Auch das war nicht sein Wunsch.“ Es ist Rutkowskis Anliegen zu vermitteln, dass er niemanden für den Tod seines Bruders verurteilt. Richard Rutkowski spricht sich gegen Vergeltung aus. Er ist dankbar für die Erinnerungsstätte, die die Lindlarer für seinen Bruder gebaut haben, und die bewusst den Namen „Denkmal der Versöhnung“ trägt. Denn so kann nicht nur er trauern.
„Das Denkmal hebt eines der 55 Millionen Opfer des Krieges aus der Anonymität heraus, und gibt den Zahlen ein Gesicht, damit wir ihrer aller gedenken“, sagte Bürgermeister Hermann-Josef Tebroke in der Eröffnungsansprache. Denn eine Versöhnung, so Elisabeth Broich, dürfe nicht mit Vergessen oder Gleichgültigkeit gleichgestellt werden: „Ein Vergessen der Opfer würde für sie einen zweiten, noch schändlicheren Tod bedeuten. Ihr Tod wäre dann umsonst gewesen.“ Als Zeichen der Versöhnung schüttelte Richard Rutkowsi jedem Anwesenden die Hand und dankte ihm für sein Kommen.
Um 15 Uhr hatten Interessenten die Möglichkeit, an einer Veranstaltung mit dem Titel „Wendepunkte“ im Kulturzentrum teilzunehmen. In der ersten Hälfte der dreistündigen Veranstaltung, an deren Organisation auch die weiterführenden Schulen beteiligt waren, kamen Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg zu Wort. Das Beispiel von Alois Höller, der während seiner Zeit als Kriegsgefangener in Shaftsbury einen sehr guten Kontakt zu den Bewohnern der englischen Stadt aufbauen konnte und schließlich eine Städtepartnerschaft herstellte, sowie die Beispiele von Gastarbeitern in Lindlar, die im zweiten Teil zu Wort kamen, zeigten aber, dass man sich nicht alleine auf Kriegsbewältigung konzentrieren wollte. In einer abschließenden Rede betonte Bürgermeister Tebroke: „Hier wurden Wendepunkte, keine Schlusspunkte im Leben von Menschen aufgezeigt. Dies ist ein Appell vor allem an die junge Generation, aus den Schrecken des Krieges zu lernen und eine friedliche Zukunft zu gestalten, ohne dabei die Geschichte zu vergessen.“