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„Der ist richtig freundlich - also kein Chef“

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MECHERNICH. Im Rahmen einer Feierstunde wurde am Samstag der langjährige Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin im Mechernicher Kreiskrankenhaus, Dr. Jörg Schriever, verabschiedet. Sein Nachfolger ist Dr. Herbert Schade, der in der Abteilung seit 1999 tätig ist.

Der stellvertretende ärztliche Leiter Dr. Michael Münchmeyer begrüßte im St. Elisabeth-Saal zahlreiche Wegbegleiter und Kollegen Schrievers, darunter den Präsidenten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendmediziner, Dr. Wolfram Hartmann. Schriever hatte dem Fortbildungsausschuss des Verbands über acht Jahre lang als wissenschaftlicher Leiter vorgestanden. Hartmann bezeichnete Schriever als Urgestein der Kinder- und Jugendmedizin und als Allroundtalent.

Eine „Ära“

geht zu Ende

„Mit Ihnen geht die legendäre Krefelder Ära in unserem Hause zu Ende,“ stellte Dr. Münchmeyer fest. Mitte der 70er Jahre kamen neben Dr. Schriever drei weitere Ärzte der Städtischen Kliniken Krefeld nach Mechernich. Schriever habe während seiner Tätigkeit nicht nur von seinem Fachwissen, sondern auch von seiner didaktischen Gabe und seinem Organisationstalent profitiert. Vor allem habe er viel Engagement bei der Unfallprävention für Kinder sowie auf dem Gebiet der Mucoviscidose gezeigt, so Münchmeyer. Stets sei Dr. Schriever als Fachautor und Organisator von Fortbildungsveranstaltungen aktiv gewesen. So habe er bereits 1975 Seminare für die niedergelassenen Kinderärzte im Kreis Euskirchen angeboten. „Und er hat sich als Kinderarzt die schwierigsten Patienten ausgesucht, die nicht mit gestelzten Worthülsen und verklausulierten Formulierungen zu erreichen sind“, fuhr Dr. Münchmeyer fort.

Die damals verwaiste Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin habe Dr. Schriever bei seinem Amtsantritt vor 31 Jahren mit nur einem Assistenzarzt aus Saudi Arabien übernommen und über Jahrzehnte hinweg zu einem renommierten Standbein des Kreiskrankenhauses aufgebaut. Die Übergabe der Abteilung an Dr. Herbert Schade erfolge „in vollem Tempo und in dem Bewusstsein, dass diese in guten Händen ist“, so Dr. Münchmeyer.

Etwa 2000 kleine Patienten werden jährlich in Mechernich behandelt. In der Abteilung mit rund 30 Betten sind neun Ärzte sowie mehr als 50 Pflegedienstmitarbeiter tätig.

Der „Anwalt“

der Kinder

Dr. Jörg Schriever selbst sagte, dass er sich vielfach als Anwalt der Kinder gesehen habe. Gerade auf dem Gebiet der Prävention, angefangen von Kinderunfällen bis hin zu Schutzimpfungen, habe man viel erreichen können. Dabei schmunzelte er über manche Randerscheinungen in seinem Berufsleben, wie etwa Gesundbeter oder den neuen Trend zur „schmerzlosen Geburt“. Die Arbeit in Mechernich habe ihm immer viel Freude bereitet, auch wenn er manchmal an die Grenzen seiner Belastbarkeit gestoßen sei. Vor allem seine begeisterungsfähigen Mitarbeiter hätten das Arbeitsklima stets positiv beeinflusst.

„Der ist nett, richtig freundlich - also kein Chef“, sei sein erster Eindruck gewesen, als er Schriever kennen gelernt habe, erinnerte sich der neue Chefarzt Dr. Herbert Schade. Die Führung der Abteilung sei eine sehr reizvolle Aufgabe für ihn.

Der Geschäftsführer der Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH, Dr. Hans Rossels, lobte das enorme berufspolitische Engagement Dr. Schrievers auf Bundesebene. Er verlas Auszüge eines Aktenvermerks anlässlich des Vorstellungsgesprächs Dr. Schrievers in Mechernich, der die damalige Kommission vor allem mit seinen klaren Vorstellungen überzeugte - auch wenn er den Verantwortlichen mit seinen nur 33 Jahren eigentlich zu jung für eine Chefarztstelle erschien.