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Der Kampf beginnt jeden Morgen

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RHEIN-BERG. „Mein Name ist Axel und ich bin Alkoholiker. Seit drei Jahren bin ich trocken“, gesteht der schmächtige Mann.

Sein Gesicht verrät, dass er nicht immer den gesunden Lebensweg gewählt hat. Vor drei Jahren fand er den Weg zu den Anonymen Alkoholikern (AA). Seitdem kontrolliert er seine Sucht.

Bundesweit gibt es mittlerweile knapp 3000 AA-Gruppen. In Rhein-Berg sind es zehn. 1970 fanden die ersten Treffen im DRK-Haus an der Bergisch Gladbacher Hauptstraße statt.

Axels Geschichte könnte im Lehrbuch stehen: „Selbst nach zwei Therapien hatte ich noch nicht eingesehen, dass ich ein Alkoholproblem habe. In einem Rutsch habe ich dann Frau und Arbeit verloren. Da habe ich dann eineinhalb Jahre lang täglich Vollgas gegeben“, erinnert sich der Kfz-Meister.

Es folgten der körperliche und seelische Zusammenbruch und die Einlieferung ins Marienkrankenhaus. Axel: „Die Chancen standen 50:50, dass ich durchkomme. Dort habe ich Kontakt zu den AAs aufgenommen, fühlte mich beim ersten Treffen zugehörig. Normale Menschen durch alle sozialen Schichten, die alle denselben Zwang zum Trinken verspürten wie ich.“

Das Individuum, das dem Ende so nahe war, wurde von der Gemeinschaft aufgefangen. Dabei ging es keineswegs um gut gemeinte Ratschläge von dritter Seite, sondern um die Einzelschicksale. Axel: „Egal, ob ich in Moskau oder Leichlingen bin, ich habe überall die Möglichkeit, eine Gruppe zu besuchen. Die Redemöglichkeit ist immer vor Ort gegeben. Aus den Erzählungen kann sich jeder seinen eigenen Weg zusammenstellen.“ Dank der zwölf Schritte (siehe Infokasten) habe er gelernt, den Kampf gegen die Gefahren im Alltag jeden Morgen neu anzunehmen. Selbst Rotweinsoße wird verweigert.

Hilfe gibt es nicht nur für die Abhängigen, auch deren Angehörige finden bei den AL-Anon-Gruppen die Chance zum Erfahrungsaustausch. Die Gattin von Hans Josef, der seit fast 25 Jahren keinen Tropfen mehr angerührt hat, besucht die Treffen noch immer regelmäßig. Auch Hans Josef ist der AA-Gruppentherapie treu geblieben. Ebenso wie Werner weiß er, dass ein Rückfall jederzeit möglich ist: „Ein Bekannter hat unsere Truppe nach 20 Jahren verlassen, zwei Jahre später haben wir ihn beerdigt“, sagen die beiden „Ex-Spiegeltrinker“ (beide brauchten einen gewissen Spiegel, um zu „funktionieren“). Die Krankheit sei nur gestoppt worden, eine endgültige Heilung sei nicht denkbar. Die Erinnerung an seine Entgiftung ist nach 30 Jahren noch frisch: „Ich habe Tiere gesehen, die nicht da waren, und Musik gehört, die nicht gespielt wurde“, so Werner.

Um wirklich von den AAs profitieren zu können, muss eine Bedingung erfüllt sein: Es bedarf der Einsicht, ein massives Trinkproblem zu haben, das man alleine nicht mehr lösen kann. In Gladbach erreichen Einsichtige die AAs unter Ruf (0 22 02) 1 92 95.

Bergisch Gladbach: dienstags, 20 Uhr, Schildgener Andreaskirche und Pfarrheim St. Elisabeth in Refrath; donnerstags, 19.30 Uhr, MKH und Bensberg (Im Bungert).

Odenthal: mittwochs, 19.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Voiswinkel.

Overath: montags, 19.30 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Auf dem Klarenberg.

www.anonyme- alkoholiker.de