KÖLN. Im laufenden Jahr wird voraussichtlich genau so viel Kölsch getrunken wie im Vorjahr. Der Kölner Verbund, in dem der Brauerei-Konzern Brau und Brunnen seine Kölsch-Aktivitäten gebündelt hat, rechnet mit einem Gesamtausstoß aller Brauereien auf Vorjahresniveau von 2,6 Millionen Hektoliter. Im ersten Halbjahr stieg der Ausstoß sogar um 0,5 Prozent auf 1,3 Millionen Hektoliter. Damit entwickelt sich der Kölschmarkt besser als der Biermarkt allgemein. Der Vorjahresabsatz von 107,7 Millionen Hektoliter Bier wird 2003 wohl nicht erreicht.
Mit den eigenen Marken zeigte sich Wolf-Dieter Kölsch, der neue Geschäftsführer des Kölner Verbundes, „hoch zufrieden“. Im Zuge der Verschmelzung der regionalen Brauereien im Westen und der Rostocker Brauerei von Brau und Brunnen zu einer Gesellschaft übernimmt der 55-Jährige die Position mit sofortiger Wirkung. Eigentlich hätte er Udo Hopf, der neue Aufgaben übernimmt, erst zum 1. Januar ablösen sollen.
Der Kölner Verbund sei mit einem Absatz von 660 000 Hektolitern und einem Marktanteil von 28 Prozent Marktführer vor Reissdorf (ca. 520 000), Gaffel (knapp 500 000) und Früh. Zusammen hätten diese Brauereien einen Anteil von etwa 85 Prozent, so Kölsch.
Der Absatz des Kölner Verbunds verteilt sich allerdings auf das Bonner Kurfürsten und vier Kölner Marken, die sich unterschiedlich entwickelten. Die Spitzenmarke Sion legte bis Ende September um 12 Prozent zu. Irgendwann werde Sion die Marke Küppers überholen, schätzt Kölsch. Die meistverkaufte Marke der Gruppe, die allerdings nicht mehr beworben wird, musste erneut Absatzverluste hinnehmen. Küppers hatte einen Dosenanteil von 37 Prozent, und hier brach der Absatz um 80 Prozent ein. Diese Verluste konnten Küppers im Mehrwegbereich nicht ausgleichen. Im Aufwind befindet sich dagegen Gilden Kölsch, das 2004 stärker beworben wird und sich neben Sion zur Premium-Marke entwickeln soll. Den größten Sprung machte die Preiseinstiegsmarke Sester, die um 60 Prozent zulegte.
Brau und Brunnen rechnet weiter damit, bald einen neuen Mehrheitseigner zu haben. Bis Jahresende will der Großaktionär HypoVereinsbank (55 Prozent) seinen Anteil verkaufen. Das Unternehmen werde komplett veräußert, versicherte Brau und Brunnen-Sprecher Udo Dewies. Ein Einzelverkauf etwa des Kölner Verbundes sei nicht geplant.
Brau und Brunnen ist der viertgrößte deutsche Brauerei-Konzern. Nach der Übernahme von Tucher verfügt er über ein komplettes Sortiment mit Pils-, Kölsch- und Weizenbierbrauereien, sowie Minaralbrunnen (Sinziger) oder Vita-Cola. Nachdem gestern beschlossen wurde, die Oderland-Brauerei zu schließen, schreiben alle verbleibenden Standorte laut Dewies schwarze Zahlen.
