CHRISTOPHER SPRINGATE ist britischer Fernsehkorrespondent der Deutschen Welle. Zum besonderen Interesse britischer Zeitungen an dem Kanzler befragte ihn Ralph Kohkemper.
Frage: Was macht Schröder für die britische Boulevardpresse so interessant?
Springate: Schröder ist durch seine Anti-Irakkrieg-Position ins Blickfeld gerückt. Das, sein Schwenk nach links und die Nähe zu den Gewerkschaften war liberalen Angelsachsen etwas suspekt. Bei denen ist der Mann ein bisschen angeeckt.
Frage: Das klingt ja, als wäre die Geschichte um angebliche Affären eine Art Racheakt.
Springate: Das ist Spekulation, und Beweise gibt es dafür nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es in Großbritannien Journalisten gibt, die empört über Schröders Wahlkampagne waren. Und die dann nach etwas gesucht und die Gerüchte aufgegriffen haben.
Frage: Hierzulande ist man verwundert darüber, worüber die britischen Boulevardsblätter so schreiben?
Springate: Die Hemmschwelle ist, was private Angelegenheiten angeht, sehr viel niedriger. Das ist eine ganz andere Ethik. Das hat aber auch damit zu tun, dass die britische Presselandschaft sehr umkämpft ist. Und ein weiterer Grund ist, dass Politiker in England sehr viel härter angegangen werden.
Frage: Aber es ist ja völlig unklar, ob an den Gerüchten überhaupt etwas dran ist. Ist das für britische Boulevardblätter denn zweitrangig?
Springate: Wenn ich an ähnliche Skandale zurückdenke, dann erkenne ich eine sehr große Faktenliebe. Und ein richtiger Skandal muss eine Basis haben. Ohne Fakten hält er sich nicht.
Frage: Heißt das, wo Rauch ist, muss auch Feuer sein?
Springate: Mir kommt es so vor, als ob da nicht mal Rauch ist. Und ich denke, dass das Thema daher in England wieder schnell verschwunden sein wird. Aber wenn etwas dran sein sollte, werden sie auch dran bleiben.