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„Der Mann macht die Maschine“

3 min

BERGHEIM. Wenn die Sonne sich jetzt wieder öfter blicken lässt, sieht man sie wieder auf den Straßen auch im Rhein-Erft-Kreis: Biker. Besonders auffallend sind die Motorradfahrer in Gruppen, mit Einheitskluft, speziellen Kutten oder Abzeichen und schnell hat der Laie bis heute das Vorurteil von randalierenden Rockerbanden im Kopf.

Dass es sich bei den oft wild aussehenden Fahrern der aufwändig gestalteten Maschinen auch um liebevolle Familienväter, ehrliche und intelligente Menschen handeln kann, erschließt sich dem Beobachter nicht auf Anhieb.

Olaf Müller, Vorsitzender des ersten Motorradclubs „Jacobites Mc Bergheim“ und Inhaber der Motorradwerkstatt Dr. John in Bergheim, bricht eine Lanze fürs Gemeinschaftsgefühl und die Kameradschaft. „Die Aufrichtigkeit und der gegenseitige Respekt, den wir uns untereinander entgegenbringen, habe ich in meinen bisherigen Leben in der Form oft vermisst“, sagt er.

Müller, 1957 in Bergheim geboren, begann nach der Schule eine kaufmännische Lehre, holte dann sein Abitur nach und studierte in Köln Sozialarbeit. Während seines Studiums arbeitete er in den Semesterferien in der Messebaubranche. Als er nach dem Studium als Bewährungshelfer arbeitete, merkte er schnell, dass der Job nicht das Richtige für ihn war. Er nutzte seine Kontakte zu einer Messebaufirma in Köln und arbeitete sich bis in die Chefetage hoch.

Schon zu dieser Zeit begeisterte er sich für Motorräder und fuhr fast alle Modelle, von Honda und Suzuki bis zu BMW. Die Liebe zur Motorradmarke Harley Davidson kam Mitte der 80er Jahre. „Als ich auf meiner ersten Harley saß, merkte ich, dass ich zu Hause angekommen war. 12 000 Mark, aber ein unglaubliches Gefühl“.

Sein zweites Zuhause ist seit fünf Jahren seine Werkstatt Dr. John an der Blumenstraße in Bergheim. Hier frönen er und seine Clubkollegen ihrer größten Leidenschaft. Den Job bei der Messbaufirma hat Müller deshalb gekündigt. „Ich habe viel Geld verdient und konnte mir alle Wünsche erfüllen. Mit 40 habe ich aber gemerkt, dass ich in dem Job alles erreicht hatte und mich diese Arbeit nicht mehr glücklich macht. Ich wollte das machen, was mir richtig Spaß macht.“

Schon beim Betreten des Werkstattgeländes stechen dem Besucher diverse Chopper und andere aufgemotzte Motorräder ins Auge. Im Arbeitsbereich stehen weitere zerlegte Maschinen und unzählige Ersatzteile. „In erster Linie machen wir für unsere Kunden Umbauarbeiten an den Rädern, wie andere Rahmen, Motoren, Felgen und so weiter. Aufbauarbeiten - also ein neues Motorrad zu bauen, ist zu teuer“.

In der Werkstatt befindet sich auch das individuell gestaltete Clubheim der „Jacobites“. Von der eigenen Bar mit Billardtisch, sowie Küche und renoviertem Bad mit Dusche ist alles vorhanden. „Bei feuchtfröhlichen Clubtreffen ist hier für alles gesorgt“, sagt Müller stolz. Der harte Kern des Clubs zählt zurzeit sieben Mitglieder, doch bei den Treffen kann jeder gern vorbeischauen. „Wir machen keine Unterschiede, was die Marke des Motorrades betrifft, denn der Mann macht die Maschine und nicht umgekehrt“.

Die Liebe zu seiner zweiten Frau entdeckte der inzwischen zweifache Familienvater ähnlich wie die zur Harley. „Auf einem Clubtreffen habe ich mich binnen zehn Minuten verliebt und fühlte, dass ich bei ihr zu Hause bin.“