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Der Ohrwurm für den Weltjugendtag

3 min

KÖLN. Ein Lied zum mitsingen, gewiss, aber ein Lied mit Potenzial für die Charts? Fraglich. Aber Ohrwurm-Qualitäten hat es. Wer es einmal gehört hat, der wird es nicht wieder los. „Venimus adorare eum“ - „Wir kommen IHN anzubeten“. Das Motto des Weltjugendtages, gleichsam der Titel des Mottoliedes. Es stammt aus der Feder des Neusser Liedermachers für geistliche Musik Gregor Linßen.

Vor sich hat Linßen einen mehrere Zentimeter dicken Stoß A-3-Papier liegen: ein Ausdruck der kompletten Partitur, für die große Besetzung. „Keine Angst“, versichert er, „das Lied funktioniert auch mit Querflöte und Klavier - oder Gitarre.“ Das Zupfinstrument ist ihm dabei lieber. Linßen ist Liedermacher, so sieht sich der studierte Toningenieur, nicht als Komponist am Klavier. Erst der Text, dann die Melodie, so arbeitet er. „Warum beugten Könige vor einem Kind ihre Knie...?“, ein Satz aus dem Liedtext. Und im Refrain folgt die Antwort: „Venimus adorare eum“.

Einen „Rattenschwanz an Arbeit“ beschere ihm das Lied. Sicher, der Autor zu sein, ist für ihn eine Ehre. Nur fertig wird Linßen nicht. Denn das Lied will übersetzt sein, in alle möglichen Sprachen. Und auch wenn den Text ein Muttersprachler übersetzt, ohne den Urheber gehe es nicht.

Dabei ist „Venimus adorare eum“ erst im zweiten Anlauf entstanden. Gewonnen hatte Linßen den Wettbewerb für das Mottolied zunächst mit „Kommt und seht“. Damit im Gepäck machte sich die Kommission des Wettbewerbs auf nach Rom. Doch der Segen aus dem Vatikan blieb aus. Die Gründe: rein formal. Keine Kritik am Inhalt. Aber, und das sieht Linßen heute genauso, das Lied war einfach zu schwierig. „Ja, sicher, wenn man es hörte, konnte man gleich mitsummen.“ Aber wo kann man geistliche Leider hören? Linßen macht sich da keine Illusionen. Praktisch nämlich gar nicht. „Ja, im Domradio vielleicht. Aber sonst?“

Dass ein Mottolied es in die Charts schafft, das ist unwahrscheinlich. Der Weg, wie geistliche Lieder die Menschen erreichen, ist ein anderer. Beispielsweise über das Internet. Nicht als Musikdatei, sondern als Noten - zum Nachspielen. Aber dafür muss man es „lesen“ können. Und beim Blick auf die Notenblätter von „Kommt und seht“ lächelt Linßen, nickt. „Ja, komplex, aber immer noch ein gutes Lied.“ Etwas anderes hatte auch der Vatikan nicht behauptet. Der fragte gar an, ob er das Lied nicht vereinfachen könne. Und mit einem anderen Titel versehen, keinem deutschen, einem, der mehr Menschen erreicht. „Gut, da blieb nur Latein“, sagt Linßen. Für ihn klingt das logisch. Und klar war für ihn auch, dass er neu anfangen musste. 14 Tage und einige grüblerische Spaziergänge später war „Venimus adorare eum“ fertig. Und dieses Mal gab Rom seinen Segen.