Abo

Der Prinz ist in Ungnade gefallen

3 min

EUSKIRCHEN. Den eingefleischten Karnevalsfreunden auf dem Alten Markt war es sofort aufgefallen: Als Bürgermeister Dr. Uwe Friedl am Samstag die Session mit einem Pistolenschuss eröffnete, fehlte einer auf der Bühne: die amtierende Tollität Prinz Frank I. (Kutzborski). Mehr noch: Auch das traditionelle Prinzenbäumchen durfte Kutzborski nicht pflanzen, stattdessen wurde ein „Gesellschaftsbäumchen“ in die Erde gesetzt.

Kutzborskis Lebensgefährtin Sandra Selbach ist hochgradig sauer: „Ich empfinde es persönlich als eine Beleidigung und mehr als unhöflich, einen Menschen derart zu ignorieren.“ Frank Kutzborski und sie hätten viele „Opfer gebracht, um dem Euskirchener Volk auch in der Session 07 / 08 wieder die Freude am Karneval zu versüßen“.

Harter Tobak. Als die „Rundschau“ den Präsidenten des Festausschusses Euskirchener Karneval (Feuka), Erhard Schneider, mit diesen Vorwürfen konfrontierte, schlug dieser die Hände über dem Kopf zusammen: „Nun versucht er, sich auch noch als Opfer darzustellen.“ Schneider stellt klar: „Die Vertreter der Gesellschaften und des Feuka haben beschlossen, dass Herr Kutzborski nicht mehr auf der Einladungsliste steht.“ Auch bei der Audienz am Hofe Sr. Tollität, an der traditionell die ehemaligen Prinzen teilnehmen, sei Kutzborski nicht erwünscht, so Schneider. Das sähen eine Reihe anderer Ex-Tollitäten auch so. Karneval, Klüngel, Knatsch: Wie konnte es soweit kommen? Es geht um Geld. Denn wenn das letzte Lied der Session gesungen und das letzte Strüßje verteilt ist, legt der Festausschuss irgendwann nach Aschermittwoch eine Rechnung auf des Prinzen Tisch: „Der Feuka geht in Vorleistung für Wurfmaterial, Orden und Fotos“, erklärt Schneider. Es geht um rund 10 000 Euro. Dies sei im Vorfeld alles geregelt - und so sei es auch bei Kutzborski gewesen: Der habe auch im Dezember 2007 die Hälfte des Betrages ordnungsgemäß überwiesen.

Doch dann sei es nur noch schleppend gelaufen. Das bestätigt auch Kutzborski: „Ich habe dem Feuka gesagt, dass ich eine Steuerrückzahlung bekomme. Die ist dann im Sommer gekommen, und ich habe sofort bezahlt.“

Aber auch das war nur ein Teil des Betrages: Den Rest habe er zugesagt, wenn seine Lebensgefährtin eine Rückzahlung vom Finanzamt erhalten würde. Es sei ein Kommunikationsproblem gewesen. „Inzwischen ist alles bezahlt“, so Kutzborski. Das bestätigt auch Schneider, wenn auch der Weg dahin sehr steinig gewesen sei: Die letzte Restzahlung sei eingegangen, nachdem der Rechtsanwalt des Festausschusses beim Amtsgericht Euskirchen einen Zwangsvollstreckungsbescheid erwirkt habe.

Zuvor habe es einen erheblichen Schriftverkehr gegeben, so Schneider: „Wir haben lange versucht, Frank Kutzborski zu schützen.“

So habe er Außenstände von 4500 Euro auf der Jahreshauptversammlung anonymisiert, um Kutzborskis Ruf nicht zu schädigen. Als „Dank“ dafür habe dieser den Festausschuss immer wieder hingehalten. Kutzborski hingegen bestreitet, erst durch eine Zwangsvollstreckung zur Zahlung bewegt worden zu sein. Er wundere sich, dass die Kunde über seine säumigen Zahlungen in Euskirchen so herumgereicht werde: „Von mir und meiner Lebensgefährtin kommt das sicher nicht.“ Dass es Probleme gegeben habe, bestreiten weder er noch seine Lebensgefährtin; dass er aber nun im Euskirchener Karneval als Persona non grata gehandelt werde, hält er für unverhältnismäßig: „Ich habe schließlich keinen ermordet oder beleidigt“, erklärt Kutzborski, der als Präsident der KG Erfttal zurückgetreten ist: „Das hatte aber mit dieser Sache nicht zu tun. Es gab Differenzen mit den anderen Vorstandsmitgliedern.“ Der Feuka habe seine Lehren aus dem Vorfall gezogen, so Erhard Schneider: Künftige Prinzenkandidaten müssten in Vorleistung treten.