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Der Tod kam ohne Vorwarnung

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BERGNEUSTADT. Am 19. März 1945 erlebte Engelskirchen ein Inferno - und nur einen Tag später brach eine weitere Katastrophe über Oberberg herein. Das Krankenhaus Bergneustadt wurde gezielt von alliierten Bombern angegriffen und in Schutt und Asche gelegt. In den Trümmern der Klinik starben 40 Menschen.

Das Krankenhaus, das seine Ursprünge in einer am 27. April 1887 aufgestellten Lazarettbaracke hatte, war 1897 erweitert und 1927 / 28 für 100 000 RM nochmals vergrößert und modernisiert worden. 1939 war dort im Dachgeschoss eine Entbindungsstation eingerichtet worden. Ab 1942 war für Privatpatienten nur noch wenig Platz, vielmehr wurde die Klinik Teil des Reservelazaretts Attendorn. Die Notbelegung stieg auf 100 Patienten an. Während des Krieges stand das Krankenhaus unter Leitung des Chefarztes Dr. Wefers.

Während des Zweiten Weltkrieges war ununterbrochen an der Einrichtung und Verbesserung eines Luftschutzkellers gearbeitet worden. Wie es in dem Buch „Bergneustadt - Spuren aus Vergangenheit und Gegenwart“ heißt, bereitete die Verdunkelung des großen Gebäudes einiges Kopfzerbrechen. So wurden die bettlägerigen Privatpatienten und die verwundeten Soldaten bei Fliegeralarm unzählige Male in den Keller getragen. Dies galt als reine Vorsichtsmaßnahme.

Dass eine Bombe das Krankenhaus treffen könnte, damit rechnete eigentlich niemand. Schließlich waren auf dem Dach des Gebäudes zwei - auch für Bomberpiloten gut sichtbare - Rote Kreuze aufgemalt worden.

Am 20. März 1945 geschah aber dennoch das Unfassbare: Das Krankenhaus wurde von drei Bomben getroffen und total zerstört. 40 Todesopfer waren bei dem gezielten Luftangriff zu beklagen. Unter den Toten befand sich auch der Chefarzt, außerdem wurden einige Schwestern, Wöchnerinnen mit Säuglingen und zahlreiche Soldaten, die hier Genesung suchten, getötet.

In seinem Bericht an den Landrat in Gummersbach vom 26. März 1945 schildert der damalige Bergneustädter Bürgermeister Dr. Rentrop den Angriff wie folgt: „Am 20. März um 17.05 Uhr ist durch zwei Jagdbomber ein gezielter Angriff auf das Krankenhaus durchgeführt worden. Von mehreren Augenzeugen habe ich gehört, dass zwei Flugzeuge zuerst mit Bordwaffen das Krankenhaus beschossen und dann in gezieltem Flug Bomben auf das Hospital selbst geworfen haben. Das Krankenhaus war mit zwei großen, weithin sichtbaren und vor kurzem erst neu angebrachten Roten Kreuzen versehen, so dass ein Irrtum über das Angriffsobjekt für die Flieger nicht möglich war. Irgendwelche militärischen Objekte, selbst wenn man militärische Einzelfahrzeuge dazu rechnet, waren in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses nicht vorhanden.“

Dr. Rentrop schildert weiter, dass die Flugzeuge völlig überraschend aufgetaucht seien und deshalb auch kein Vollalarm gegeben wurde. Deshalb, so der Bericht des Bürgermeisters, „befanden sich die Insassen zum größten Teil nicht in dem Luftschutzkeller, sondern im Haus. Zur Zeit des Angriffs war der Leitende Arzt des Lazaretts, Stabsarzt Dr. Wefers, mit einem großen Teil der Schwestern und des Pflegepersonals mit der Behandlung der Verwundeten im Behandlungszimmer beschäftigt.“ Dadurch sei auch die „sehr hohe Zahl von Opfern zu beklagen“.

Nach dem Bombenangriff entwickelte sich - Dr. Rentrop vermutet durch einen Phosphorsatz in den Sprengbomben - ein Brand, wodurch die Rettung der Verschütteten erheblich erschwert wurden. Lobend hebt der Bürgermeister hervor, dass sich neben der Bergneustädter Feuerwehr auch zahlreiche Bergneustädter Privatleute an den Rettungsarbeiten beteiligten: „Sie haben sich unter Einsatz ihres Lebens in aufopferungsvoller Weise um die Rettung der Verschütteten gemüht.“

Während Lokalhistoriker bis heute über die Gründe des Bombenangriffs auf das deutlich gekennzeichnete Krankenhaus rätseln, äußerte Dr. Rentrop schon in seinem Bericht an den Landrat vom 26. März 1945 die Vermutung, dass dieser Angriff möglicherweise provoziert worden sei. Dr. Rentrop schreibt: „Es geht das Gerücht, dass seitens des Krankenhauses auf die Flieger geschossen worden sei.“