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Der Weihnachtsberg von Harperscheid

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HARPERSCHEID. Hätten Kinder zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Wunschzettel auf die Fensterbank legen können, so hätten darauf vor allem die notwendigsten Dinge des alltäglichen Lebens gestanden.

Zu jener Zeit hatte sich die Eifel noch nicht von der großen Hungersnot des Jahres 1817 erholt. Sie zählte zu den ärmsten Gegenden des preußischen Reiches. Ein zeitgenössischer Bericht der Notstandskommission zitiert: „Der größere Teil der Bevölkerung der tiefen Eifel schleicht umher mit eingeschwundenen kleinen Augen, hohlen, eingefallenen Wangen, gelber und an den Knochen klebender Haut, unfähig zur Arbeit und zum Erwerb, Seuchen entgegensehend, die sie wegraffen werden“.

Es begann nur wenige Jahrzehnte später in Harperscheid ein wahres Weihnachtsmärchen, das auch heute noch erzählt wird, geschrieben von einem wohltätigen und vorausschauenden Priester. Dies war Pastor Joseph Holl, der 1864 die Harperscheider Pfarrei übernahm und bis 1870 im Schleidener Höhengebiet lebte und wirkte. Noch heute gilt er in den der Pfarrei Harperscheid angeschlossenen Orten als ein Seelsorger mit weitem Herzen. Ihm lagen vornehmlich die Kinder seiner Pfarrei am Herzen, die bei Eis und Schnee, nur notdürftig bekleidet, dem rauen Eifelklima ausgesetzt waren.

Von seinen Ersparnissen erwarb Pastor Holl einen Hang Ödland von vier Morgen, dazu eine Wiese von etwa drei Morgen am Ortsrand von Harperscheid. Das Gebiet erhielt schnell den Namen „Weihnachtsberg“. Gemeinsam mit Frauen und Kindern des Dorfes pflanzte er dort Fichten an. Der Erlös aus dem - späteren - Verkauf des Holzes sollte den notleidenden Kindern zugute kommen.

Pfarrer Holl und der hoch erfreute Kirchenvorstand ließen diese Schenkung im Jahre 1869 in das amtliche Stiftungsregister aufnehmen. Dort kann man heute noch nachlesen: „Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen..., thun kund und fügen hiermit zu wißen, daß Herr Joseph Holl, Pfarrer in Harperscheid, der katholischen Pfarrkirche zu Harperscheid unter dem Titel einer unwiderruflichen Schenkung unter Lebenden geschenkt ...das Grundstück von sieben Morgen in der Bürgermeisterei und Gemeinde Harperscheid im District Kewelsdell“.

Weiter heißt es in der Urkunde: „Von den jährlichen Revenüen (Erträgen) sollen den katholischen Schulkindern ein jährliches Weihnachtsgeschenk in brauchbaren Sachen, besonders Kleidungstücke, gemacht werden.“ Die Erträge aus dem Fichtenwald reichten jedoch zunächst nicht aus, um jährlich etwa 80 Schulkinder zu beschenken.

Deshalb verwandte der Kirchenvorstand die Pachtsumme für die Anpflanzung auf der bis dahin freien Wiese. So konnten nach einigen Jahren die ersten Christbäume geschlagen und verkauft werden.

Vom Erlös gab es zu Weihnachten Wolle, Handschuhe, Socken, Pullover und auch Schuhe für die Schulkinder aus Harperscheid und Schöneseiffen, sofern sie der katholischen Konfession angehörten. Die protestantische Gemeinde blieb von den Segnungen der Stiftung ausgeschlossen. Dies gilt auch heute noch.

Als Holl 1908 starb, übernahm sein Nachfolger im Amt die Stiftung „Weihnachtswald“. Alle späteren Pfarrer in Harperscheid führten die Tradition fort.

Den ersten großen Ertrag erbrachte der Wald erst 1951, als die Hälfte des Waldes mit einem 80-jährigen Bestand geschlagen werden konnte. Der Erlös belief sich auf über 16 000 Mark. Diese Summe landete auf einem Sparkonto. Zunächst wurden nur die Zinserträge für die Fortführung der Tradition verwandt. Sofern diese Erträge nicht ausreichen sollten, ließ die Schenkungsurkunde auch einen Rückgriff aufs Kapital zu.

Mit den sich im Laufe der Zeit veränderten Wünschen der Kinder änderten sich auch die Geschenke aus der Stiftung. Die heutige Küsterin der Pfarrgemeinde, Agnes Wauben, erinnert sich: „Wir erhielten Anfang 1960 Handtücher, Tischdecken oder Kopfkissenbezüge.“

Inzwischen hat man die Bescherung der Kinder modifiziert. Alle 15-Jährigen erhalten nunmehr einmalig ein Buchpaket im Wert von 35 Euro, das sie sich selbst zusammenstellen können.

Allerdings: Sofern das „Buch der Bücher“, die Bibel, noch nicht im Regal des Jugendlichen steht, muss es die Liste der gewünschten Bücher anführen.

Der Schleidener Pfarrer Philipp Cuck lobte Holls Stiftung als eine weitsichtige soziale Leistung, die es ihm ermögliche, den Kontakt zu den Jugendlichen zu finden und aufrecht zu erhalten.

Der Berg, mit Fichten bewachsen, die bald wieder zum Verkauf geeignet sind, steht auch heute noch für das sinnspendende Fest der Liebe und der Hoffnung auf eine bessere Welt. Der Weg dorthin ist nach Pfarrer Jakob Joseph Gustav Leopold Holl benannt.