Ein echter Steinadler auf dem Kölner Friedhof und eine Anzeige in der Rundschau erinnerten gestern an Billy Jenkins, der vor genau 50 Jahren starb. Ein Mythos meiner Kindheit liegt auf Melaten schrieb Prof. Dr. Gynter Mödder in seiner Anzeige und sprach damit den Anhängern des legendären Titelhelden zahlreicher Wildwest-Heftchen aus dem Herzen. Er verkörperte das, was sich ein Zehnjähriger in der Nachkriegszeit unter einem echten Cowboy vorstellte, versichert der Falkner Wilhelm Linz aus Frechen, genannt Trapper Husky (64), der mit seinen Freunden sowie seinem Steinadler Wumply an Jenkins Grab des Artisten gedachte.
Mit bürgerlichem Namen hieß die Legende Erich Rudolf Otto Rosenthal, geboren am 26. Juni 1885. Als Fünfjähriger sah er in Berlin die Buffalo Bill Show, später verschlang er die Bücher von Karl May, was seine Phantasie offenbar beflügelte. Nach eigenem Bekunden will Jenkins noch vor 1900 auf einem Segler nach Südafrika durchgebrannt sein, als Meldereiter am Burenkrieg und dann als Freiwilliger an der Niederwerfung des Boxeraufstandes in China teilgenommen haben. Bald darauf sei er als blinder Passagier nach Amerika geschippert, in Texas habe er sich von den Cowboys das Schießen abgeschaut, wie er gern erzählte.
Nichts davon lässt sich belegen, vermutlich war Jenkins nie in den Vereinigten Staaten, in Südafrika und China schon gar nicht. Aber das Bild vom Abenteurer passte zur Show, mit der er durch die Lande reiste. Neben einer Raubvogeldressur begeisterte Jenkins die Zirkusbesucher in weißlederner Cowboy-Tracht mit seinen Reit- und Schießkünsten. Auch wenn fast alles an ihm aus der Trickkiste stammte und er seinen Mythos, wie Michael Zaremba in einer Biographie feststellt, selbst inszeniert hatte - das Publikum liebte Jenkins.
Ab 1934 wurde der Halbjude, der den Namen Rosenthal 1934 in Fischer, den Geburtsnamen seiner Mutter, ändern ließ, zum Star der erfolgreichsten deutschen Wildwest-Heftreihe: Die Abenteuer des Billy Jenkins. Verschiedene Autoren schrieben bis 1963 mehr als 600 Hefte und über 150 Bücher, die den Kunstschützen unsterblich machten. Noch heute sind Jenkins-Hefte begehrte Sammlerobjekte, wie Wilhelm Linz berichtet.
Nach Jahren der Wanderschaft und einer schweren Verletzung schlug der alternde Westernheld sein Zelt nach dem Krieg am Inneren Grüngürtel nahe der Aachener Straße auf. Auch wenn er in Köln vor 50 Jahren starb, ist er unvergessen. Er hat Phantasie in eine Jugend gebracht, die zum Teil noch im Krieg geboren war, erinnert sich Professor Mödder. Billy Jenkins stand für Fernweh und eine bessere Welt.