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Der Wunsch, anderen zu helfen

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BAD NEUENAHR / MAINZ. Eigentlich arbeitet er am liebsten im Stillen. Doch der Bad Neuenahrer Neurologe und Psychotherapeut Dr. Hans Martin Einwächter hat im Laufe seiner Karriere so viel erreicht, dass dies nicht unbeachtet bleiben konnte. So dachte auch Herbert Wachsmuth aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, der den Arzt für eine Auszeichnung beim Mainzer Sozialministerium vorschlug. Mit Erfolg: Für seine herausragenden Verdienste im sozialen und berufsständischen Bereich wurde Einwächter nun der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Zur Psychologie kam der gebürtige Pforzheimer auf Umwegen: In Karlsruhe studierte er Elektrotechnik und arbeitete danach einige Jahre in der Herzforschung, bevor er dann noch ein Studium der Neurophysiologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Angriff nahm - die Arbeit mit Menschen reizte ihn. Seit 1987 ist Einwächter als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Bad Neuenahr tätig. Darüber hinaus ist er Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte im Kreis Ahrweiler und seit 1998 Mitglied des Psychiatriebeirates des Landkreises. Ehrenamtlich engagiert sich der 63-Jährige zudem in kirchlichen, sozialen und karitativen Einrichtungen.

Als Vorsitzender des Diakonieausschusses des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr war er Mitbegründer der ersten Sozialstation der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, rief zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt die Aktion „Essen auf Rädern“ in Bad Neuenahr ins Leben und gründete den Jugendhilfeverein. Einwächters „Lieblingsprojekt“ aber ist das Gemeindepsychiatrische Zentrum „Lichtblick“, das er im Jahre 2000 mitgründete. Angefangen hatte alles mit dem Projekt „Betreutes Wohnen psychisch Behinderter“. Heute gibt es 36 Wohnplätze und eine Tagesstätte für zwölf bis 18 psychisch Erkrankte.

Neuestes „Kind“ Einwächters ist das Modellprojekt „Soziotherapie“, das nach fünfjähriger Arbeit nun per Bundesgesetz anerkannt wurde. Gedacht ist die Therapie vor allem für schizophrene Patienten, denen bei der Bewältigung des Alltags geholfen werden soll. Unterstützend steht Einwächter auch den Selbsthilfegruppen für Alzheimer-, Parkinson- und Multiple-Sklerose-Erkrankte zur Seite.

Der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, setzt sich auch in seinem Privatleben fort: Größter Wunsch des Ehepaares Einwächter war es, Kinder zu adoptieren. Ehefrau Christiane schwebte gar die Leitung eines Albert-Schweitzer-Kinderdorfes vor - als Kind hatte sie im Zug die Bekanntschaft des Friedens-Nobelpreisträgers gemacht. Lange Zeit engagierte sich das Paar (unter anderem bei „Terre des Hommes“) in der Adoptionsarbeit. 1976 adoptierten sie ihre Tochter Katrin, in den Jahren darauf ihre aus Indien stammenden Kinder, Tochter Roopali und den vor drei Jahren verstorbenen Sohn Balu. Komplettiert wird die Familie von Simon, dem einzigen „eigenen“ Kind des Ehepaares.

Eins ist allen Projekten, die er anfängt, gemein: Einwächter versteht sich lediglich als Initiator, dessen Ziel es ist, dass die Projekte selbstständig weiter laufen können. Das gilt auch für seine Praxis, die er schon Ende des Jahres an seinen Kollegen Dr. Peter Breuer übergeben will.

Im Ruhestand hat er dann auch mehr Zeit für seine Hobbys. Mit dem Wohnmobil hat er schon alle nordischen Länder sowie Frankreich bereist, im kommenden Jahr ist eine Polen-Tour geplant. Das Tennis- und Volleyballspielen ist nach einem Bandscheibenvorfall etwas schwierig geworden. Sein Lieblingssport bleibt das Skifahren - dabei hat er auch vor über 30 Jahren seine Frau kennen gelernt. (peo)