KÖLN. Grundig, ein deutsches Traditionsunternehmen, scheint der Pleite kaum mehr zu entkommen. Beobachter rechneten gestern damit, dass der Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens schon heute eingereicht werden solle. Nachdem Verhandlungen mit Investoren aus Taiwan (Sampo) und der Türkei (Beko) gescheitert sind, agiert bereits der Insolvenzexperte Eberhard Braun als Vorstandssprecher. Schon seine Berufung gilt alsHinweis, dass ein Insolvenzantrag vorbereitet wird. Für den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) in Köln, der 2002 stärker in Anspruch genommen wurde als je zuvor, wäre das der erste große Schaden 2003.
Der PSV müsste alle laufenden Betriebsrenten und unverfallbaren Anwartschaften übernehmen. In der Bilanz des Elektro-Konzerns stehen 185 Millionen Euro an Pensionsrückstellungen. Etwa in dieser Höhe, so der PSV, lässt sich der Schaden bemessen. Der Kapitalwert der laufenden Renten wäre gleich zu finanzieren, der Wert der Anwartschaften erst dann, wenn die Renten fällig werden. Betroffen sind 8000 Rentner und einige Tausend Anwärter. Im Zuge eines außergerichtlichen Vergleichs mit den Gläubigern, der einem Investor den Einstieg erleichtern sollte, hatte der PSV angeboten, die Renten für mehrere Jahre zu zahlen. Das wäre billiger gewesen als die Übernahme der ganzen Last. Dazu ist es nicht gekommen. Für einen Investor ist es wohl günstiger, den Konzern aus einem Insolvenzverfahren zu erwerben. Jedenfalls ist das Objekt dann von Pensionen gänzlich befreit - auf Kosten des PSV.
Beispiel für eine außergerichtliche Sanierung mit Hilfe aller Beteiligten und des PSV ist Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln. Von 1996 bis 2001 brachte der PSV 200 Millionen Mark für die laufenden Renten auf. Hätte KHD Pleite gemacht, wäre für die Pensions-Sicherung 600 Millionen Mark Schaden entstanden. (Mb)
