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„Die gute Hand“Zwei Kämpfer für benachteiligte Kinder

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Heinrich Hölzl (64), Gute-Hand-Geschäftsführer, und Prof. Dr. Martin H. Schmidt (73) gehen in den Ruhestand. (Foto: Daub)

Ob die Kinder der „Guten Hand“ sie überhaupt gehen lassen wollen? Tränenreich wird es zugehen, wenn am Freitag im Kinderdorf Abschied gefeiert wird: Heinrich Hölzl (64), Direktor des Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrums in Biesfeld und Geschäftsführer der Katholischen Träger-Stiftung „Die Gute Hand“, und Professor Dr. Martin H. Schmidt (73), Chef der therapeutischen Abteilung, gehen in den Ruhestand.

Es ist eine Zäsur und das Ende einer Ära, keine Frage. Hölzl und Schmidt waren über Jahrzehnte das prägende Duo für das Therapiezentrum oberhalb von Biesfeld: zwei Pädagogen, Anpacker, Macher, kreative Köpfe, Ideengeber, die immer zum Wohle ihrer Kinder unterwegs waren. Oft arbeiteten beide bis zur Erschöpfung, physisch und psychisch. Immer mit dem Ziel: Kindern und Jugendlichen einen Weg zurück in die Gesellschaft aufzeigen. Und kein Kind verloren geben. Mit Beharrlichkeit, Menschlichkeit und Gottvertrauen verfolgten sie diese Linie.

Beider Lebenswerk ist die „Gute Hand“. Ohne sie wäre die Einrichtung nicht zu dem geworden, die sie heute ist: ein guter Hort für benachteiligte Kinder, Vorbild für nachfolgende Einrichtungen in Deutschland, wegweisend mit ihren therapeutischen Ansätzen, integriert in das gesellschaftliche Leben der Gemeinde und hoch geschätzt von allen Seiten.

Mit 600 Beschäftigten ist das Heilpädagogisch-Therapeutische Zentrum heute größter Arbeitgeber der Gemeinde Kürten. Schmidt hat die ersten Jahre in Biesfeld miterlebt. Seit Gründung 1968 ist er Leiter der therapeutischen Abteilung, Hölzl stieß 1974 dazu, zunächst als Gruppen- und Erziehungsleiter, dann als Vordenker des Ganzen. Ihr gemeinsames Lebenswerk wurde die „Gute Hand“.

Hölzl stammt gebürtig aus Ammerhöfe (heute zu Markt Peißenberg) in Oberbayern, Schmidt aus Bautzen. Anfang der 1970er Jahre kam er zur „Guten Hand“. Als junger Mann hatte Hölzl eine Lehre zum Karosseriebauer gemacht (1964), sich dann aber als Jugend- und Heimerzieher ausbilden lassen (1970). Schmidt, nach Medizinstudium Leitender Oberarzt und Professor an der Uniklinik Frankfurt, fand 1975 an der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg sein wissenschaftliches Betätigungsfeld.

Schmidt formte mit seinen Arbeiten die „Mannheimer Schule“, er forschte wegweisend über die Verläufe seelischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und baute eine Versorgungsstruktur für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche auf. Zuvor waren verhaltensauffällige Kinder in Erziehungsanstalten und Kinderheimen weggeschlossen worden.

Was an seinem Mannheimer Lehrstuhl mehr theoretischer Natur, konnte Schmidt in Biesfeld in der Praxis umsetzen. Ein bemerkenswerter Spagat: Immer freitagabends kam der Wissenschaftler im Kinderdorf an, samstags sprach er sich mit den Erziehern und Pädagogen ab. Als „Samstagsrunden“ sind diese Treffen legendär bei den Beteiligten. Am späten Samstag ging es für Schmidt zurück nach Mannheim, der direkte Draht nach Biesfeld blieb über die Woche bestehen. „Nicht immer gelingt es den Jugendlichen, einen verheißungsvollen Start ins Erwachsenenleben zu erreichen“, sagt der Mediziner. Aber selbst gestaltete Lebensläufe müssten nicht irgendeiner Norm entsprechen, „wohl aber dem Einzelnen eine Perspektive geben, die er mit erarbeitet hat, und die seinem Dasein einen Sinn zu geben verspricht.“ Der Aufbau der zahlreichen Wohngruppen, der Übergang der Heranwachsenden in ein selbstgestaltetes Leben: Dies alles gehört zum Kern des Wirkens von Martin Schmidt.

Mehr noch als Schmidt ist Heinrich Hölzl das „Gesicht“ der „Guten Hand“ nach draußen. Er wohnt mit Ehefrau Anne auf dem Gelände des Kinderdorfs, es gibt zwei erwachsene Kinder. Hölzl ist jemand, der vor Ideen sprüht. Fast in jedem Jahr hat es zuletzt Veränderungen gegeben. Der Ausbau des Festsaals (2010), Eröffnung des Familienzentrums (2008), Übernahme des Montessori-Kinderhauses Biesfeld (2008), Start des Reittherapie-Zentrums Meierhof, (2005), seit dem Jahr 2000 Ausbau der Wohngruppen in Agathaberg, Leverkusen und Köln. Hölzl suchte Sponsoren und Förderer für seine Ideen, und fand sie meistens. Zu jeder Tag- und Nachtzeit war der Leiter für seine „Gute Hand“ aktiv. In Biesfeld kennt und schätzt man ihn auch als Sänger des MGV Biesfeld, im Kürtener Schulausschuss bringt er seine Fachkompetenz für die CDU-Fraktion ein.

Ende Juni endet die Zeit an der „Guten Hand“ für Hölzl und Schmidt. Weitergehen soll es im Kinderdorf nahtlos. Seit einigen Monaten arbeitet sich Hölzl-Nachfolger Markus Schäfer ein, mit Privatdozentin Dr. Judith Sinzig ist auch die Nachfolge für Martin Schmidt geklärt. Eine Zäsur, ja, aber die Kontinuität soll bleiben in der „Guten Hand“.