BEDBURG-KASTER. „Jeder Abschied ist auch Ankunft“, sagt Manuel Martin-Pozuelo. Dennoch, wer dem 71-jährigen Pfarrer dabei ins Gesicht sieht, merkt schnell, dass ihm der Abschied aus Bedburg nicht leicht fällt. „Die Menschen hier werden mir fehlen, das ist doch klar“, fügt er kurze Zeit später hinzu.
18 Jahre war Monsignore Manuel Martin-Pozuelo Pfarrer von Kaster und Königshoven. Jetzt steht der Weggang aus Bedburg an. Das Wohnzimmer in seinem Haus in Kaster steht schon voller gepackter Umzugskartons. Am 9. Januar geht es mit Sack und Pack nach Köln.
Bis zu seinem 75. Geburtstag hätte er noch in Bedburg bleiben können, länger nicht. So will es die katholische Kirche. „Ich habe mich schon jetzt entschieden, einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen, auch weil ich glaube, dass ich den Umzug nach Köln jetzt noch besser verkrafte.“ Außerdem könne er so noch vier Jahre im Dienst der Kirche tätig sein, ohne eine volle Stelle mit Verwaltungsaufgaben ausfüllen zu müssen: „Es ist ein sanfter Übergang.“
In den drei Ehrenfelder Gemeinden St. Barbara, St. Anna und St. Peter wird der 71-Jährige seinem Kölner Kollegen als Subsidiar unter die Arme greifen. „Ich werde in die Kindergärten gehen und ab und zu einen Schulgottesdienst halten. Darauf freue ich mich.“ Mitten in Köln-Ehrenfeld, in der Nähe des Taku-Platzes, wird Pozuelo eine Dienstwohnung der Kirche beziehen. „Die ist natürlich viel kleiner als mein Haus in Bedburg, aber ganz schön.“ Wenn er nach dem Einzug seine persönlichen Sachen „endlich mal ganz in Ruhe“ sortiert hat, möchte er auch mal einen Nachmittag im frisch renovierten Thermalbad gleich um die Ecke verbringen. Oder ganz spontan einen Billigflug buchen und seine Schwester in Madrid besuchen. „Außerdem freue ich mich auf Philarmonie, Oper und Museen. Ich habe in Madrid, Rom und Wien gelebt, in Bedburg habe ich das kulturelle Leben manchmal vermisst.“
Trotzdem bleibt auch eine gehörige Portion Wehmut, wenn der Monsignore an den Abschied aus Bedburg denkt. Vieles werde ihm fehlen, sagt der 71-Jährige. Eine Pizza in seinem Lieblingsrestaurant „La Strada“ zum Beispiel: „Nirgendwo schmeckt es so gut. Auch in Köln nicht.“ Die Bewohner des Altenheims oder die vielen persönlichen Pläusche, die sich wie automatisch ergeben, wenn Pozuelo auf der St.-Rochus-Straße eigentlich nur kurz etwas erledigen möchte. „Manchmal brauche ich eine Stunde von der Kreissparkasse bis zur Bäckerei“, schmunzelt der 71-Jährige. „Aber das macht mir nichts, ich finde das schön.“
Das Zwischenmenschliche hatte bei Pozuelo, der 24 Jahre auch Dechant war, immer oberste Priorität. Taufen mit mehreren Kindern oder immer gleiche, vorgefertigte Trauerpredigten gab es trotz Stress und Verwaltungsarbeit in all den Jahren nicht. Ob sein Nachfolger Thomas Oster, der seit vier Jahren Pfarrer in Kirch-Grottenherten, Klein-Kirchtroisdorf und Pütz ist, sich den Kasteranern und Königshovenern ebenso intensiv widmen kann, bleibt abzuwarten. „Er wird viel zu tun haben, ich habe davor großen Respekt“, sagt Pozuelo.
Regelmäßige Stippvisiten in der alten Heimat, um zu sehen wie, es in Kaster und Königshoven läuft, kommen dem Pfarrer nicht in den Sinn. „Ich glaube, es ist für alle besser, erstmal ein bisschen abzuwarten. Das macht nur traurig. Später kann ich mir natürlich vorstellen, zu besonderen Anlässen nach Bedburg zu kommen.“ Traurig könnte es auch am 4. Januar werden. Um 15 Uhr wird Manuel Martin-Pozuelo dann in der Martinskirche verabschiedet. Kreisdechant Gerhard Dane habe er gebeten, den Gottesdienst zu halten, erzählt Pfarrer Pozuelo. Und: „Es könnte schon sein, dass ich ein paar Tränen verdrücke. Aber sie kommen, müssen sie auch raus.“