BEDBURG. Unten blitzte die Erft, von der Höhe reichte der Blick bis in die Eifel. Es war landschaftlich die schönste Ecke in der Umgebung, schwärmt Leo Hassel. Den Titel Perle des Erftlandes, der der Bedburger Schweiz verliehen wurde, würde er auch heute noch unterschreiben.
Bedburger Schweiz - das waren die Bedburger Ortsteile Geddenberg, Muchhaus und Oberschlag. Dazu gehörten auch der Majershof und der Priorshof, der höchste Punkt der Gegend in dem hügeligen Gelände, das sich hinter dem Ortsteil Broich erhob.
Der 61 Jahre alte Leo Hassel ist in Geddenberg aufgewachsen, bevor das Gebiet dem Tagebau weichen musste. Mein Großvater und sein Bruder haben 1897 den Turnverein Viktoria Geddenberg gegründet, berichtet Hassel aus der Familiengeschichte. 60 Jahre später musste sein Vater mit Rheinbraun über die eigene Umsiedlung verhandeln. An die Bedburger Schweiz erinnern im Stadtbild nur noch der Name einer Straße und eines Restaurants in Bedburg-West. In Bedburgs Geschichte ist das ein weißer Fleck, sagt Hassel. Ein Grund dafür: Anders als später wurde die Bevölkerung zu Beginn der sechziger Jahre nicht gemeinsam in neue Orte umgesiedelt. Ursprünglich wurde das mal zugesagt, später gab es dann aber nur das Angebot, nach Bedburg-West umzusiedeln, erinnert sich Hassel. Dort leben Menschen aus Geddenberg, Muchhaus und Oberschlag heute unter anderem neben Buchholzern und Winkelheimern, die kurze Zeit später umgesiedelt wurden.
Die Erinnerung wieder aufleben lassen will Hassel nun gemeinsam mit den Heimatkundlern Helmut Stassen, Matthias Koch und Gerd Engels. Der Plan: Gemeinsam schreiben sie an einem Buch über die Bedburger Schweiz, ein Lexikon über die Orte, die es nicht mehr gibt. Die Autoren planen, dass ihr Werk etwa 120 Seiten stark werden soll, bis 2010 wollen sie fertig werden. Dafür treffen sie sich seit dem vergangenen Jahr einmal im Monat, sitzen mehrere Stunden zusammen und diskutieren über ihr Material.
Grundlage ihrer Arbeit war am Anfang eine Sammlung von einigen hundert Fotos, Urkunden und Protokollbüchern, die Helmut Stassen in den neunziger Jahren zusammengetragen hatte, als er mit Matthias Koch an einem Buch über Kaster arbeitete. Vor allem Privatleute haben mir das Material zur Verfügung gestellt, erzählt Stassen.
Ein Teil des neuen Buches soll auch dem Bedburger Stadtteil Broich gelten, der damals eine Art Tor zur noch höher gelegenen Bedburger Schweiz bildete und an dem die Tagebaue Frimmersdorf-Süd und Fortuna-Garsdorf schließlich Halt machten.
Dabei hoffen die Buchautoren auch weiterhin auf Anregungen aus der Bevölkerung. Wer über Fotos oder Unterlagen verfügt oder aus der eigenen Erinnerung zum Buch beitragen will, kann sich über Matthias Koch unter der Telefonnummer (0 22 72) 93 04 51 mit der Autorengruppe in Verbindung setzen. Gerade Augenzeugenberichte der betroffenen Bürger könnten der Geschichte einen Hauch von Authentizität geben, ermutigt Koch die Älteren zum Erzählen.