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Die rheinische Provence in der gelben Villa

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HÜRTH. Der Panoramablick über das Gemisch aus Natur- und Industrielandschaft bis nach Köln ist einmalig. Immer wenn Roland Heger und Inge Cürten-Noack an dem Esstisch im Erker ihres Wohnzimmer sitzen, kommen sie in den Genuss dieses Ausblicks. Denn das Wohnzimmer der gelben Villa in Kendenich ist ein Salon von der Größe eines kleinen Ballsaals.

Seit 1986 ist das Paar Besitzer des 1907 erbauten großbürgerlichen Landhauses, das von der Bonnstraße aus, kurz vor der Einmündung Nussallee, plötzlich in den Blick gerät. Von Nahem betrachtet hat die auf einen Erdwall gebaute, hoch aufragende Villa etwas Verwunschenes. Es mag dieses Märchenhafte gewesen sein, was die beiden ehemaligen Musiklehrer Mitte der 80er Jahre so sehr in seinen Bann schlug, dass sie ihre damaligen Pläne, ins geliebte Südfrankreich auszuwandern, über den Haufen warfen.

„Wir retteten die Villa, sagen die Leute im Dorf noch heute,“ erzählt Inge, die Grundschullehrerin, die im letzten Jahr nach 35 Jahren den Schuldienst verließ. Mitte der 80er Jahre stand das Anwesen zum Verkauf einschließlich der Genehmigung zum Abriss. Doch Roland und Inge sahen die Chance, dort ihren Traum, eine Hausgemeinschaft von kunstsinnigen Menschen zu gründen, Wirklichkeit werden zu lassen.

Mehr als ein Jahr Arbeit steckten sie in die Villa. „Wir legten großen Wert darauf, den Originalstil zu bewahren,“ erzählt Roland Heger, der in diesem Jahr einen runden 60. Geburtstag feiert. Bekannt ist er im Rhein-Erft-Kreis als Gründer der Eichholzer Schlosskonzerte und Nachfolger des inzwischen verstorbenen Wolfgang Krane als Organisator der Wesselinger Rathauskonzerte. Mit der Jahrtausendwende zog sich Heger aus dem Berufsleben als Musiklehrer zurück. Die Wesselinger Musikschule, in der er seit 1975 den Instrumentalbereich geleitet hatte, war privatisiert worden. Nach 25 Jahren Schlosskonzertleitung mit sieben Konzerten im Jahr meinte er zudem, es sei Zeit für neue Ideen und andere Ansätze.

Sowohl das musische wie auch das kaufmännische Talent für Konzertveranstaltungen wurden Roland Heger in die Wiege gelegt. Sein Elternhaus ist die frühere Decksteiner Mühle in Köln-Lindenthal, wo sein Großvater eine Fabrik für Holzverarbeitungsmaschinen betrieb. Die Mutter brachte ihm das Klavierspielen bei. Die fünf Geschwister lernten ebenfalls ein Instrument, so dass in der Decksteiner Mühle oft Hausmusik erklang.

Hauskonzerte

für viele Gäste

Früh arbeitete Roland Heger erfolgreich als Kaufmann. Dann packte ihn die Abenteuerlust. Seine Bundeswehrzeit verbrachte er als Gebirgsjäger in Garmisch, blieb seitdem ein leidenschaftlicher Skifahrer. „Das musikalische Herz schlug dann stärker als das kaufmännische“, erklärt er seinen weiteren Werdegang. Er nahm ein Musikstudium am Konservatorium Köln auf, schloss es 1972 als staatlich geprüfter Musiklehrer ab und bewarb sich erfolgreich als Leiter der Musikschule im bergischen Langenberg.

Drei Jahre später wechselte er als Instrumental-Fachleiter zur Wesselinger Musikschule. Seine Inge lernte er in einem Bläserquartett kennen, in dem sie die Oboe spielte. Vor einiger Zeit meldete sich ein Fernsehteam bei Roland, Inge und ihren sechs Hausgenossen, zu denen auch einer von Inges beiden Söhnen gehört. Das Fernsehteam filmte in der gelben Villa für eine Serie über ungewöhnliches Wohnen. „Die rheinische Provence“ nannten die Fernsehmacher ihren Bericht.

Dem Paar gefiel der Titel so gut, dass sie sich eine Internet-Domäne mit diesem Namen einrichteten. Jedem Besucher öffnet sich seitdem die Tür zu einem virtuellen Rundgang durch das Domizil. Nach einer fünfjährigen Pause der Hauskonzerte kam Inge letztes Jahr die Idee, zu Sonntagsbrunches mit Kultur einzuladen. Einen „Urlaubstag in der rheinischen Provence“ sollen die Teilnehmer erleben.

Für die kommende Matinee ist Tango angesagt, wozu Roland am Klavier und Inge auf dem Akkordeon Klangfarben beisteuern werden. Rund 300 Einladungskarten werden sie verschicken und mit 50 bis 60 Gästen rechnen können. Aber wenn die „Brunchissimos“ auch privat sind, so ist es für ernsthaft Kulturinteressierte gar nicht so schwierig, auf die Gästeliste zu kommen - einfach mal anfragen. Um noch mehr Provence nach Kendenich zu holen, soll im Garten der gelben Villa bald lila Lavendel blühen.