Mit der Ernennung von Richterin Birgit Brandes zur stellvertretenden Direktorin hat das Amtsgericht Bergisch Gladbach jetzt eine weibliche Doppelspitze.
Über ein Jahr hat sich das Justizministerium mit der Entscheidung Zeit gelassen, seit der ehemalige stellvertretende Direktor Ulrich Conzen das Gladbacher Amtsgericht im April 2006 verließ, um in Eschweiler Amtsgerichtsdirektor zu werden.
Die 49-jährige Richterin stammt aus einer Kölner Juristenfamilie. Schon ihr Onkel Wolfgang Kurtenbach war früher ebenfalls stellvertretender Direktor am Amtsgericht Bergisch Gladbach. Neben dem Onkel sind Vater, Bruder und Cousins Juristen. Sie habe schon als Kind ihren Vater in dessen Anwaltskanzlei und zum Gericht begleitet und schon damals den festen Wunsch gehabt, Jura zu studieren.
Seit dem 1. Juni 2006 ist Birgit Brandes Strafrichterin in Gladbach. Vorher habe sie am Amtsgericht Bonn Zivilsachen bearbeitet. An die Umstellung auf das Strafgericht habe sie sich erst gewöhnen müssen. Anfangs hatte ich Sorge, weil im Unterschied zum Zivilgericht spontan in der Sitzung entschieden werden muss. Das falle ihr aber leicht und sie liebe ihren Beruf über alles. Ursprünglich habe sie wie der Vater Rechtsanwalt werden wollen. Dann aber ergab sich plötzlich die Möglichkeit, Richterin zu werden. Ich habe das nie bereut, es war die absolut richtige Entscheidung. Neben verschiedenen Verwaltungsaufgaben übernahm Birgit Brandes sofort nach Amtsantritt ein Schulprojekt. Gemeinsam mit drei Gladbacher Gymnasien (Otto-Hahn-, Albertus-Magnus und Dietrich-Bonhöfer-Gymnasium) organisiert sie eine Ausstellung zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Überhaupt empfange sie gerne Schulklassen in ihren Sitzungen. Als sich einmal eine Pause ergab, durften die Schüler eine Verhandlung nachstellen. Auf meinem Platz mit meiner Robe sitzen. Die Arbeit am hiesigen Amtsgericht entwickle sich sehr erfreulich. Die Direktorin nimmt ihre Mitarbeiter mit in die Verantwortung, hat mir Bereiche aus der Verwaltung übertragen. Es ist einfach so, dass sie einen mitspielen lässt. Die übliche Freistellung von 20 Prozent für die neuen Aufgaben sei allerdings wegen Personalmangel nicht möglich. Am vergangenen Montag hat Richterin Saul-Krickeberg das Amtsgericht verlassen und eine Lücke hinterlassen. Sie wird stellvertretende Direktorin in Brühl. Alle Richter arbeiten zur Zeit 130 Prozent, bei mir wären es dann formal 150. Das aber könne ihr die Begeisterung an der neuen Aufgabe keinesfalls trüben. Direktorin Lydia Niewerth erklärte, sie sei hocherfreut. Frauen in diesen Positionen seien immer noch dünn gesät. Sie selber sei seinerzeit als Direktorin am Amtsgericht Bonn die erste Direktorin im ganzen Bezirk gewesen.