Es kreucht und fleucht in Wiesen und Gärten. Das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs oder der Kohlweißling sind wieder zu sehen. Das ist für den Schmetterlings-Händler Günter Guth eine besondere Zeit. Der Wahl-Bronsfelder hat in seinem naturnahen Garten ein kleines Paradies geschaffen. Dort gibt es ausreichend Platz gibt für Raupen und Schmetterlinge, Käfer, Bienen und Wespen.
Sein erster Kontakt mit dem Thema Präparation, das er inzwischen zu seinem Beruf gemacht hat, sei unschöner Natur gewesen. Er sei zehn Jahre alt gewesen, da habe die Biologielehrerin einen Schaukasten mit Schmetterlingen im Unterricht gezeigt. Die farbenfrohen Insekten hatten ihn fasziniert. Meine Lehrerin erklärte damals, dass man die Nadel durch das Herz des Schmetterlings stecken müsse, um ihn zu töten, erinnert sich Guth. Das habe er daraufhin selbst an einem Schmetterling ausprobiert. Doch natürlich ohne Erfolg, denn Insekten haben kein Herz im üblichen Sinne wie Säugetiere, sagt er. Nach diesem bedrückenden Erlebnis habe sich sein Sammelbedürfnis für einige Jahre auf Null reduziert. Dann fand ich ein Buch über das Sammeln und Präparieren von Insekten. Darin wurde beschrieben, dass der Falter in ein Glas gelegt wird, in dem sich ein Wattebausch befindet, auf den man Äther gegeben hat. So werde das Insekt betäubt und erwache im verschlossenen Glas nicht mehr aus der Betäubung. Auf eine Nadel steckt man die Schmetterlinge nur, damit man sie beim Präparieren anfassen kann, ohne die bunt schillernden Schuppen der Flügel zu beschädigen, so Guth.
So legte er sich zunächst eine Sammlung einheimischer Insekten an. Ich beschäftigte mich danach intensiv mit der Aufzucht einheimischer und tropischer Schmetterlingsarten, was ich für weitaus sinnvoller hielt, sagt Guth. Schmetterlinge, die er nicht präparierte, habe er so wieder in die geeigneten Biotope aussetzen können. Auch von seinen Reisen ins ehemalige Jugoslawien brachte Guth viele Insekten mit. Dort gibt es sie noch massenweise - auch Spinnen und Skorpione, erzählt er. Nahe der Küstenstadt Zadar sei er auf seinen Streifzügen durch die Wildwiesen auch der Schwarzen Witwe begegnet. Ein bisschen schaudert es einen schon, wenn der Experte darauf hinweist, dass ein Biss für den Menschen gefährlich ist.
1981 wurde Guth und anderen die Sammelleidenschaft innerhalb der Grenzen Deutschlands amtlich untersagt. Bis auf wenige Schmetterlingsarten wie den Kohlweißling sind seither alle heimischen Falterarten unter Schutz gestellt. Außer den so genannten Schadinsekten seien auch fast alle anderen Insektenarten geschützt. Selbst das Züchten der Arten ist verboten, sofern man die Eier aus der Natur nimmt. Ein reines Alibi-Gesetz, wie Guth in einem Schreiben über die Problem-Beziehung Mensch und Insekt feststellt, dass er allen Käufern mit auf den Weg gibt.
Nicht nur die Lebensräume der Insekten werden weiterhin zerstört, auch dem wachsenden Verkehr und den Straßenlaternen fallen zahlreiche Schmetterlinge und Falter zum Opfer. Die meisten von ihnen sind geschützt. Daher ist er jetzt auf die Lieferungen tropischer Insekten angewiesen. Er erhält sie direkt aus Übersee oder über die wenigen deutschen Großhändler.
Rund 1000 Dollar sind die unscheinbaren Päckchen aus aller Welt wert, die er ab und zu beim Zoll abholt. Es dürfen nur Insekten gehandelt werden, die nicht unter den Artenschutz fallen oder aber eine amtliche Cites-Bescheinigung und -Nummer haben, erklärt er. Viele der schönsten Falter, die er auf seinen Fernreisen in die USA, nach Australien, Neuseeland, Thailand, Peru und Brasilien schon selbst gesehen habe, würden inzwischen auf Insektenfarmen gezüchtet, die mit der Unterstützung des World-Wildlife-Funds (WWF) gegründet worden seien. In Plastiktütchen verpackt, sorgsam in Watte gehüllt, erhält er so seine Ware frei Haus, die er dann präpariert und auf Märkten anbietet.
Für rund fünf Euro kann man einen Schmetterling hinter Glas erwerben. Die Renner wie ein Ripheus aus Madagaskar, dessen Flügel in allen Farben von hellblau über smaragdgrün bis hin zu kupferrot schillern, kosten dagegen das Fünffache und mehr.
Beziehung zu
Farben und Formen
Von jeher habe er eine ursprüngliche Beziehung zu Farben und Formen gehabt, so Guth. Sein Vater habe als Schneider gearbeitet. Die Mutter vermittelte ihm ein Gespür für das, was die Schönheit der Natur ausmacht. Das und sein Hang zum Zeichnen haben ihn bewogen, zuerst Kunstglaserei und danach Kunst, Grafik und Design zu studieren. Im folgenden Lehramtsstudium hatte er sich auch für Biologie eingeschrieben. Aber ich erkannte schnell, dass mein Verständnis von Biologie sich stark vom trockenen Studienstoff unterschied, so Guth.